Weniger Entwicklungsgelder für sehr arme Länder

Der Rückgang bei der Entwicklungshilfe beunruhigt die OECD. Die Geberländer hielten sich nicht an ihre Zusagen von 2015. Auch die Leistungen der Schweiz fielen 2018 geringer aus.

Afrika ist vom Rückgang besonders schwer betroffen: Eine mit Hilfsgeldern finanzierte Bewässerungsanlage in Äthiopien. Foto: Keystone

Afrika ist vom Rückgang besonders schwer betroffen: Eine mit Hilfsgeldern finanzierte Bewässerungsanlage in Äthiopien. Foto: Keystone

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«Weniger Mittel stehen für die am wenigsten entwickelten und afrikanischen Länder zur Verfügung, wo sie am dringendsten benötigt werden», erklärte die Vorsitzende des OECD-Entwicklungsausschusses, Susanna Moorehead, am Mittwoch in Paris.

OECD-Geberländer zahlten für die Entwicklungszusammenarbeit im vergangenen Jahr zusammen rund 149,3 Milliarden US-Dollar. Bereinigt um Inflations- und Wechselkurseffekte habe es einen Rückgang von 2,7 Prozent gegeben, berichtete die OECD unter Berufung auf vorläufige Zahlen.

OECD-Generalsekretär Angel Gurría kritisierte, die Geberländer hielten sich nicht an ihre Zusage aus dem Jahr 2015. Das sei «besonders beunruhigend», da auch private Spenden für Entwicklungshilfeprojekte rückläufig seien. Besonders schwer betroffen ist der Studie zufolge der afrikanische Kontinent: Dort gingen die Zahlungen sogar um vier Prozent zurück.

Schweiz: Rückgang um 68 Millionen Franken

Die Schweiz leistete nach Angaben der Deza 2018 Entwicklungshilfe in der Höhe von 3,022 Milliarden Franken. Dies bedeutet im Vergleich zum Vorjahr eine Reduktion um 68 Millionen Franken. Gründe für diesen Rückgang sind insbesondere die Abnahme der an die öffentliche Entwicklungshilfe anrechenbaren Asylkosten in der Schweiz, aber auch vom Parlament beschlossene Sparmassnahmen.

Die Asylkosten können der öffentlichen Entwicklungshilfe zugeschlagen werden, wie das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) am Mittwoch mitteilte.

2016 und 2017 war das vom Parlament gesetzte Ziel von 0,5 Prozent noch erreicht worden. 2018 war das zweite Jahr in Folge mit verfehltem Ziel. Mit 0,44 Prozent liegt die Schweiz 2018 auch unter dem Durchschnitt der EU-Länder von 0,47 Prozent.

Weniger Asylkosten

Der Anteil der Asylkosten an der öffentlichen Entwicklungshilfe betrug elf Prozent nach neun im Vorjahr. Unter Ausschluss der Asylkosten sinkt der Anteil der Entwicklungshilfe am Bruttonationaleinkommen (früher Bruttosozialprodukt) auf 0,4 Prozent nach 0,41 Prozent 2017.

Die Kredite des Bundes für die internationale Entwicklungszusammenarbeit machen über 80 Prozent der gesamten öffentlichen Entwicklungshilfe aus. Die Gelder fliessen in die Verringerung der Armut und der internationalen Risiken, der Friedensförderung, der Stärkung der Menschenrechte und zur Beseitigung der Ursachen von Flucht und irregulären Reisebewegungen. Zudem setzt sich die Schweiz für eine umweltverträgliche Entwicklung und die nachhaltige Ressourcenbewirtschaftung ein. Die Berechnung der Entwicklungshilfe erfolgt gemäss OECD-Richtlinien. Diese ermöglichen eine internationale Vergleichbarkeit.

USA bleiben grösstes Geberland

Die USA bleiben in der OECD das grösste Geberland mit rund 34,3 Milliarden Dollar, gefolgt von Deutschland (rund 25 Milliarden Dollar), Grossbritannien (19,4 Milliarden Dollar), Japan (14,2 Milliarden Dollar) und Frankreich (12,2 Milliarden Dollar).

(step/sda)

Erstellt: 10.04.2019, 18:38 Uhr

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