Zum Hauptinhalt springen

Wenn Obama über Hillary Clinton spottet

Beim traditionellen Korrespondenten-Dinner im Weissen Haus hat sich US-Präsident Barack Obama über Feinde wie Freunde lustig gemacht.

Es gab viel zu lachen: Obama spricht neben Komiker Keegan-Michael Key. (25. April 2015)
Es gab viel zu lachen: Obama spricht neben Komiker Keegan-Michael Key. (25. April 2015)
AFP

Barack Obama gibt es zu: Es ist einfach nicht leicht, US-Präsident zu sein. «Nach sechs Jahren im Amt sagen Leute immer noch, dass ich arrogant bin», schildert der Demokrat. «Distanziert. Herablassend. Leute sind so doof. Deshalb treffe ich mich nicht mit ihnen.»

In der Menge im Saal brandet Gelächter auf, Obama geniesst das Echo sichtlich – schliesslich findet das, was er als Präsident sagt, nicht immer derart grossen Anklang. Obama hat auch eine Erklärung dafür, warum er trotz aller Bürden der Präsidentschaft heiter, «lockerer und entspannter denn je» ist: «Diese Schultermassagen von (Vize) Joe Biden wirken Wunder.»

Es ist Washingtons Nacht der Nächte, das alljährliche Galadinner der im Weissen Haus akkreditierten Medienvertreter. Als Stargast erscheint stets der Präsident, seine – möglichst launige – Rede bildet den Höhepunkt des Festbanketts.

Obamas Auftritt beim Korrespondenten-Dinner im Weissen Haus. (Video: Youtube/TheWhiteHouse)

Für Obama ist es bereits der siebte Auftritt bei der traditionellen Glanzveranstaltung im Washington Hilton Hotel, ausserdem hat er wiederholt in Fernsehtalkshows und bei anderen Gelegenheiten seine humorige Ader gezeigt – und sich dabei jedes Mal gesteigert.

So witzelte er kürzlich, es habe seine Vorzüge, eine «lahme Ente» zu sein, nicht mehr wiedergewählt werden zu können: Das befreit, man kann genüsslicher austeilen. Und genau das tut Obama an diesem Samstagabend, niemand ist vor ihm sicher, Gegner, Freund oder die Medien, und auch sich selbst nimmt Obama auf die Schippe.

«Ich sehe alt aus»

«Ich sehe so alt aus, dass John Boehner schon Netanyahu eingeladen hat, auf meiner Beerdigung zu sprechen», ulkt der Präsident über den republikanischen Sprecher des Abgeordnetenhauses, der unlängst am Weissen Haus vorbei den israelischen Regierungschef zu einer Rede im Kongress eingeladen hatte.

Aber bis es auf den Friedhof geht, hat Obama nach eigenen Angaben noch viel zu leisten. Er müsse ein kaputtes Einwanderungssystem reparieren, Vetodrohungen ausstossen, mit dem Iran verhandeln und dazu noch die Zeit finden, «fünf Mal am Tag zu beten», sagt Obama. Er spiesst damit erneut Andeutungen aus extremer Ecke auf, nach denen er ein Muslim sei – eines seiner Lieblingsthemen, wenn er die Gelegenheit hat, als Komödiant ans Rednerpult zu treten.

Mitgefühl mit Hillary

Aber Obama zeigt auch Mitgefühl – jedenfalls für seine frühere Aussenministerin Hillary Clinton, die seine Nachfolgerin werden will und sich bei einer ersten Wahlkampftour in Iowa so betont volkstümlich gegeben hat, dass das reichlich dick aufgetragen wirkte. Er habe eine Freundin, so schildert Obama, die noch vor wenigen Wochen Millionen verdient habe - und jetzt in einem Kleinbus lebe.

Der Saal ist vollgepackt mit Menschen, 2600 sind es. Sie sitzen an Zehnertischen, pro Tisch haben die Medienunternehmen jeweils 3000 Dollar hingeblättert. Und längst ist das Dinner auch zu einem TV-Spektakel geworden - mit Promis aus der Unterhaltungsbranche und Geschäftswelt als Gäste und rotem Teppich wie in Hollywood. So hat etwa der Sender CNN die Schauspielerin Jane Fonda eingeladen, «USA Today» Jane Seymour, und Donald Trump und Martha Stewart sitzen bei Fox News am Tisch.

Nicht alle finden es lustig

Dass sich die Veranstaltung im Laufe der Jahre zu einer derartigen Show ausgewachsen hat, gefällt nicht allen in der US-Medienwelt. So hatte etwa Tom Brokaw, so etwas wie der «elder statesman» der US-Medien, spätestens 2012 die Nase voll, als es grossen Wirbel um Dinnergast Lindsay Lohan gab. Andere betrachten die Gala als zu enges «Geschmuse» zwischen Medien und Politik und bleiben daher lieber fern.

Nicht, dass Obama nur schmeichelhaft behandelt worden wäre. So spielte die von den Gastgebern als Rednerin angeheuerte US-Komikerin Cecily Strong ungeniert auf Spuren des Alterns beim Präsidenten an: Dessen Umfragewerte lägen nach sechs Jahren im Weissen Haus bei 48 Prozent, sein graues Haar bei 85 Prozent.

SDA/rar

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch