Weshalb der Sandsturm in Indien so tödlich war

Über 100 Personen haben durch einen heftigen Sandsturm in Indien ihr Leben verloren. Für diese ungewöhnlich hohe Zahl an Opfern waren drei Faktoren verantwortlich.

Die Bewohner Nordindiens sind in der Nacht auf Donnerstag von einem heftigen Sandsturm heimgesucht worden.
Video: AP Photo/Manish Swarup

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Schwere Unwetter lassen die Bewohner Nordindiens auch in den kommenden Tagen nicht ruhen: Seit Mittwochabend werden sie von einem starken Sandsturm heimgesucht, weitere Stürme wurden bereits vorausgesagt. Die Zahl der Opfer, die der Sturm fordert, ist verheerend. Mehr als 100 Personen haben durch die Unwetter ihr Leben verloren.

Solche Sandstürme sind für die nördlichen Regionen Indiens bei Sommerbeginn natürliche Wetterphänomene, die jährlich auftreten. Dabei handle es sich um Gewittersturmkomplexe, die durch starke Winde viel Staub aufwirbeln und durch die Region fegen, beschreibt «National Geographic». In vergangenen Jahren haben diese Stürme weit weniger Opfer gefordert. Was hat also dazu geführt, dass das diesjährige Unwetter zu einem der schwersten der vergangenen Jahrzehnte geworden ist?

Temperaturen «fütterten» den Sturm

Üblicherweise hätten Staubstürme besonders auf den Verkehr einen grossen Einfluss, so Ken Waters, Experte für Staubstürme beim National Weather Service in den USA. Man könne von ihnen auf der Strasse überrascht werden und plötzlich nichts mehr sehen. Zwar hätten solche Stürme auch Auswirkungen auf die Gesundheit, in Nordindien ist aber nicht der Staub für die vielen Opfer verantwortlich gewesen.

Verschiedene Meteorologen nennen hohe Temperaturen als treibenden Faktor für den heftigen Sandsturm. In gewissen Teilen Nordindiens sind die Temperaturen denn auch vor dem Sturm ungewöhnlich hoch gewesen. Wegen diesen sei der Sturm stetig mit warmer Luft «gefüttert» worden und so erstarkt.

Dazu sind auch verschiedene Studien veröffentlicht worden, welche die Auswirkungen der Klimaerwärmung auf die Stärke und die Häufigkeit von Stürmen untersuchen. Erweisen sich die Erkenntnisse der Wissenschaftler als richtig, werden uns aufgrund erhöhter Temperaturen in Zukunft vor allem stärkere, an verschiedenen Orten auch häufiger Stürme heimsuchen.

Fallböen für Schäden verantwortlich

Im Fall des Sandsturms in Nordindien sind aber nicht nur die hohen Temperaturen von Bedeutung. Bei den starken Winden habe es sich höchstwahrscheinlich um Fallböen – sogenannte Downbursts – gehandelt. Diese zeichnen sich dadurch aus, dass der Abwind mit hoher Geschwindigkeit Richtung Boden zieht und so die stärksten Windböen aller Sturmphänomene produziert. Diese Fallböen können bei geringer Distanz zum Boden extreme Schäden anrichten – wie sie es wohl auch in Nordindien taten.

Ein weiterer Faktor für die schweren Folgen des Sturms war sein Zeitpunkt. Weil der Sturm nachts durch die Region gefegt ist, sind viele Personen im Schlaf überrascht worden und haben sich nicht mehr rechtzeitig retten können.

Erstellt: 04.05.2018, 11:10 Uhr

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