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Wie der Priester-Mörder die Justiz täuschte

Der IS-Terrorist war vor dem Kirchen-Attentat in der Normandie polizeibekannt. Warum seine Fussfessel während der Tat deaktiviert gewesen ist.

Der Schock sitzt tief: In der Nähe des Tatorts fanden sich viele Trauernde ein. (26. Juli 2016)
Der Schock sitzt tief: In der Nähe des Tatorts fanden sich viele Trauernde ein. (26. Juli 2016)
AFP
Sie legten Kerzen und Blumen nieder. (26. Juli 2016)
Sie legten Kerzen und Blumen nieder. (26. Juli 2016)
AFP
Frankreich befindet sich derzeit in höchster Alarmbereitschaft, nachdem bei einem Anschlag in Nizza am 14. Juli 84 Menschen getötet worden waren (Soldaten an der Seine in Paris).
Frankreich befindet sich derzeit in höchster Alarmbereitschaft, nachdem bei einem Anschlag in Nizza am 14. Juli 84 Menschen getötet worden waren (Soldaten an der Seine in Paris).
AFP
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Zweimal wurde A. K. auf dem Weg nach Syrien gestoppt, einmal in Deutschland, das andere Mal in der Türkei. Der 19-Jährige durfte dennoch nach einer zehnmonatigen Haftstrafe im Elternhaus leben. Die Behörden überwachten ihn mit einer Fussfessel. Zwischen 8 und 12.30 Uhr wurde die Fussfessel deaktiviert – wie an jedem Morgen – er durfte die Wohnung verlassen. Diesen Zeitraum nutzte er, den Priester in dem kleinen Ort Saint-Etienne-du-Rouvray in der Normandie zu ermorden. Wie konnte es zu diesem Fehlentscheid der Justiz kommen?

Gemäss «Le Monde» hat K. seine Zelle mit einem Saudi geteilt. Zudem habe er Bekanntschaft mit einem jungen Franzosen gemacht, der 18 Monate beim IS verbracht hat. Laut einem Untersuchungsbericht gab der 19-Jährige jedoch an, seine geplanten Reisen nach Syrien zu bereuen.

«Ich will meine Freunde wiedersehen»

«Ich will mein Leben neu beginnen, meine Freunde wiedersehen, heiraten», heisst es gemäss «Le Monde» in einem Untersuchungsbericht. Die Richterin wollte ihm eine zweite Chance geben. Schliesslich habe er seine «Fehler erkannt». Während seiner Haft habe er «Suizidgedanken» gehabt, und die Familie habe angegeben, sie «beaufsichtige» und «unterstütze» ihn.

Geiselnehmer in der Normandie: K. musste eine Fussfessel tragen. (Video: Reuters)

Der IS-Terrorist betonte demnach: «Ich bin ein Muslim, der nach den Grundwerten Barmherzigkeit und Güte lebt. Ich bin kein Extremist.» Er gab an, von einem Job im psychologischen/medizinischen Bereich zu träumen.

Staatsanwaltschaft gegen Freilassung

Die Eltern wollten ihren «Sohn lieber lebend im Gefängnis sehen als auf einer Reise nach Syrien». Aber auch sie glaubten an seine Besserung. So wurde die Idee der Fussfessel geprüft. Obwohl sich die Staatsanwaltschaft gegen die Freilassung wehrte, durfte K. das Gefängnis im März verlassen.

Gestern stürmten er und ein Komplize zur Morgenmesse in die Kirche von Saint-Etienne-du-Rouvray. Sie nahmen den Priester Jacques Hamel, drei Nonnen und zwei Kirchgänger als Geiseln. Den 86 Jahre alten Geistlichen zwangen die beiden auf die Knie und schnitten ihm dann die Kehle durch.

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