Winterbesteigung des K2 gescheitert

Eines von zwei Teams, die erstmals im Winter den zweithöchsten Berg der Erde erreichen wollten, hat aufgegeben. Zwei Bergsteiger kommen ums Leben.

Der K2 habe sie «an die Grenzen des menschlich Möglichen» gebracht, schreibt Bergsteiger Artem Braun. Foto: Keystone

Der K2 habe sie «an die Grenzen des menschlich Möglichen» gebracht, schreibt Bergsteiger Artem Braun. Foto: Keystone

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Artem Braun und sein Team kapitulieren vor dem zweithöchsten Berg der Welt. Sie beenden ihren Winterbesteigungsversuch am K2 (8611 Meter) – der Berg habe sie «an die Grenzen des menschlich Möglichen» gebracht, schreibt Braun nach dem fünften Gipfelversuch per E-Mail aus dem Basislager.

In der Silvesternacht waren der 43-jährige Russe und sechs weitere Kollegen aus Russland, Kirgisistan und Kasachstan ins Karakorumgebirge in Pakistan geflogen, um den letzten im Winter unbezwungenen Achttausender zu besteigen. Für ihren Versuch wählten sie die Abruzzi-Route, die auch im Sommer von kommerziellen Anbietern begangen wird. Der Winter aber stellt am K2 seine eigenen Regeln auf. Mit Brauns Besteigungsversuch scheitert mittlerweile die fünfte Winterexpedition am K2.

Auf sich alleine gestellt

Die dauerhaft starken Westwinde mit Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 200 Kilometern pro Stunde liessen die Route stets unter einer dichten Wolkenschicht verschwinden. Die fehlende Sicht zwang Brauns Team schlussendlich dazu, auf einer Höhe von 7500 Metern umzukehren.

Im Winter ist selbst die vermeintlich einfachste Route auf den K2 eine Herausforderung. Bereits die Suche nach einem Schlafplatz ist schwierig. Zudem waren die Bergsteiger in der Höhe auf sich alleine gestellt. Sie nutzten die Hilfe von Trägern nur bis zum Basislager, von da an trugen sie die Ausrüstung, Tausende Meter Seil zur Absicherung der Route und Verpflegung selbst.

«Das Gewicht erscheint im Winter viel schwerer, weil die Bedingungen so extrem sind», schreibt Braun. Hinzu komme die «unendliche Kälte», die den Körper in einen dauerhaften «Schüttelfrost» versetze. Es sei so kalt gewesen, dass einem nachts bei Wind der Raureif von den Zeltwänden ins Gesicht fiel. Die grösste Qual sei aber der extremen Ausgesetztheit des K2 geschuldet: «Der Wind da oben gleicht einem Sandstrahlgerät, das alles Lebendige in einem auslöschen kann», schreibt er.

Zwei pakistanische Bergsteiger, die bis vor kurzem Teil der Expedition gewesen waren, hatten vorzeitig umgedreht.

Eine Winterbesteigung gilt im Höhenbergsteigen als solche, wenn sie im kalendarischen Winter zwischen 21. Dezember und 21. März stattfindet. In einer strengen Auslegung der Norm sollte die Besteigung gar mit dem 28. Februar abgeschlossen sein. Der Baske Alex Txikon, der ebenso in diesem Winter eine Gruppe auf den K2 führen will, hat bisher noch nicht offiziell verkündet, ob er seinen Versuch aufgibt. Auf eine Rückfrage per Whatsapp am Sonntag antwortete er: «Wir haben noch Zeit.» Obwohl er die vergangenen Tage nicht mal am K2 verbracht hat.

Denn am Nanga Parbat, dem mit 8125 Metern neunthöchsten Berg der Welt, ereignete sich gleichzeitig eine Tragödie. Der Berg liegt im Westhimalaja in Pakistan etwa 200 Kilometer Luftlinie südwestlich vom K2 entfernt. 14 Tage lang fehlte jedes Lebenszeichen von Daniele Nardi (42) und Tom Ballard (30). Die beiden Extrembergsteiger aus Italien und Grossbritannien brachen Ende Dezember zu einem Winterbesteigungsversuch des Mummery-Sporns auf – einer extrem anspruchsvollen Route, die als sehr lawinengefährdet gilt. Sie hatten stets mit Sturm und extremen Schneefällen zu kämpfen. Zwei pakistanische Bergsteiger, die bis vor wenigen Wochen noch Teil der Expedition gewesen waren, hatten aus Sicherheitsgründen vorzeitig umgedreht.

Die Rettungsaktion gestaltete sich indes schwierig. Schlechtes Wetter, die angespannte Grenzsituation zwischen Indien und Pakistan sowie bürokratische Hürden verzögerten Erkundungsflüge am Berg. Schon zu Beginn boten Artem Braun und sein Team ihre Hilfe an. «Wir sassen drei Tage auf gepackten Rucksäcken», schreibt er. Aber die Organisatoren entschieden schlussendlich, Alex Txikon, dem 2016 die erste Winterbesteigung des Nanga Parbat gelang, und drei seiner Kollegen zum Nanga Parbat auszufliegen. Sie sollten mit ihren Drohnen das Gebiet absuchen, um Risiken zu minimieren.

Täglich gingen mehrere Lawinen ab

Am Samstag jedoch erklärten der italienische Botschafter und die Familie Nardis die beiden Vermissten offiziell für tot. Alex Txikon entdeckte mit einem Teleskop «Schatten» oberhalb von Camp drei auf etwa 5900 Meter Höhe, die er nach genauem Studium als die Leichen von Daniele Nardi und Tom Ballard identifizierte. Eine Bergung in dieser Saison sei aber nicht mehr möglich, steht in der Stellungnahme. Es werde zunehmend wärmer, täglich gingen mehrere Lawinen ab. Was genau am Berg passiert war, wird man somit erst im nächsten Winter herausfinden können – oder nie.

Wie es nun für Artem Braun und seine Bergsteigerkollegen weitergeht? «Zuerst fahren wir nach Hause zu unseren Familien, und dann schauen wir weiter», schreibt er. Einen neuen Versuch am «Savage Mountain», dem unbezwingbaren Wilden unter den Achttausendern, schliesst er zum jetzigen Zeitpunkt nicht aus. Wenn ihnen nicht doch noch Alex Txikon zuvorkommt.

Erstellt: 11.03.2019, 15:40 Uhr

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