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Ein letzter resignierter Eintrag kurz vor dem Tod

Korruption, Offshore-Konten und eine Autobombe: Die investigative Bloggerin Daphne Caruana Galizia setzte die Mächtigen Maltas unter Druck. Nun ist sie tot.

Maltas bekannteste Journalistin stirbt durch eine Autobombe. Video: Tamedia/Storyful

Der letzte Eintrag auf ihrem Blog endet mit einer resignierten Note: «Wo du auch hinschaust», schrieb Daphne Caruana Galizia, «überall sind Gauner. Die Lage ist hoffnungslos.» Gepostet hat sie ihn am Montagnachmittag, um 14.35 Uhr. 25 Minuten später war sie tot.

Eine Bombe sprengte ihren Wagen in die Luft, es war ein Mietwagen. Sie hatte ihn eben erst vor dem Haus der Familie in Bidnija bestiegen, einem Ort in Malta. Die Wucht der Explosion war so gross, dass es das kleine Auto, einen Peugeot 108, Dutzende Meter weit schleuderte. Der Körper, sagte die Polizei, sei bis zur Unkenntlichkeit entstellt gewesen, als die Beamten ihn fanden. Die Journalistin Daphne Caruana Galizia ist 53 Jahre alt geworden.

Sie war die bekannteste Bloggerin der Insel mit lauter, freimütiger zuweilen bissiger Stimme, die sich seit zwei Jahren einen täglichen Kampf mit der Regierung lieferte. Daphne Caruana Galizia hatte im Februar 2016 vorweggenommen, was die Panama Papers über einige Mitglieder der maltesischen Führungsriege zwei Monate später offenbaren sollten.

Sie schrieb pausenlos über die «Vetternwirtschaft, die hierzulande als normal akzeptiert wird»: Die investigative Journalistin Daphne Caruana Galizia. (Archiv)
Sie schrieb pausenlos über die «Vetternwirtschaft, die hierzulande als normal akzeptiert wird»: Die investigative Journalistin Daphne Caruana Galizia. (Archiv)
Matthew Mirabelli, AFP
Ein Jahr nach dem Mord gedachten Menschen auf Malta der Journalistin. (16. Oktober 2018)
Ein Jahr nach dem Mord gedachten Menschen auf Malta der Journalistin. (16. Oktober 2018)
John Borg, Keystone
«Der Stift wird die Angst besiegen»: Auf allen maltesischen Zeitungen prangte am 22. Oktober dieses Titelbild.
«Der Stift wird die Angst besiegen»: Auf allen maltesischen Zeitungen prangte am 22. Oktober dieses Titelbild.
Matthew Mirabelli, AFP
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In ihren Enthüllungen berichtete sie also, dass zwei zentrale Mitarbeiter von Maltas Premierminister Joseph Muscat unlautere Finanzoperationen getätigt hatten: Konrad Mizzi, damals Energie- und Gesundheitsminister sowie Vorsitzender der Labour Party, und Keith Schembri, Muscats Kabinettschef, sollen Offshore-Konten in Panama und Trusts in Neuseeland eröffnet haben.

Kaum an der Macht, Trusts und Konten eingerichtet

Den Steuerbehörden daheim meldeten sie nichts davon. Fragwürdig war das auch deshalb, weil die beiden Politiker ihre Konten und Trusts einrichteten, kaum waren sie an die Macht gelangt. Zunächst beklagten sich Schembri und Mizzi über die Vorwürfe der Bloggerin und taten sie als parteiische Fantasterei ab.

Als dann die «Panama Papers» veröffentlicht wurden und ein internationales Publikum von den Anschuldigungen erfuhr, wuchs der Druck auf die Regierung. Muscat stellte sich jedoch immer schützend vor seine Vertrauensleute. Schembri beliess er in seiner Funktion; Mizzi verlor ein Portfolio und den Vorsitz der Partei, blieb aber dennoch eine zentrale Figur in der Regierung und trat auch bei internationalen Konferenzen als De-facto-Energie-Minister auf. Trotz der Skandale gewann Labour im vergangenen Juni die Parlamentswahlen.

In Malta löste der Tod von Daphne Caruana Galizia eine Welle der Entrüstung und des Schocks aus. Noch sind die Ursachen nicht geklärt. Doch manche sprachen schon von einem «politischen Mord», der da begangen worden sei. Die Zeitungen nannten es einen «schwarzen Tag für die Demokratie».

Bissige Bloggerin und Investigativjournalistin: Daphne Caruana Galizia. (Bild: Darrin Zammit Lupi, Reuters)
Bissige Bloggerin und Investigativjournalistin: Daphne Caruana Galizia. (Bild: Darrin Zammit Lupi, Reuters)

Premier Muscat twitterte kurz nachdem die Nachricht bekannt geworden war: «Das ist eine heimtückische Attacke gegen eine Bürgerin und gegen die Meinungsfreiheit. Ich werde nicht ruhen, bevor Gerechtigkeit geschehen ist.» Der Chef der oppositionellen Nationalist Party, Adrian Delia, sprach vom «Kollaps der Demokratie».

Der letzte Eintrag in «Daphne Caruana Galizias Notebook», wie der Blog hiess, handelte von einem Auftritt Schembris vor dem Richter. Der Titel dazu lautete: «Dieser Gauner Schembri war heute im Gericht und plädierte, dass er kein Gauner sei.»

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