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Zimmermädchen Diallo ist jetzt wohl Millionärin

Strauss-Kahn schliesst ein düsteres Kapitel: Der Ex-IWF-Chef hat sich gestern mit Nafissatou Diallo aussergerichtlich geeinigt. Die Vergewaltigungsklage wurde eingestellt. Es flossen wohl Millionen.

Einzelheiten des Vergleichs sind geheim: Nafiassatou Diallo und ihr Anwalt Kenneth Thompson vor Gericht. (10. Dezember 2012)
Einzelheiten des Vergleichs sind geheim: Nafiassatou Diallo und ihr Anwalt Kenneth Thompson vor Gericht. (10. Dezember 2012)
AFP

Die Summe, mit der sich Dominique Strauss-Kahn seiner juristischen Nöte in den USA entledigt, bleibt unter Verschluss. Der frühere Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF) einigte sich auf einen vertraulichen Vergleich mit dem New Yorker Zimmermädchen Nafissatou Diallo, das dem einstigen Star der französischen Sozialisten Vergewaltigung vorwirft. In seiner Heimat hat der 63-Jährige seine rechtlichen Probleme wegen einer Sex-Affäre aber noch nicht ausgestanden. Zehn Minuten dauerte die Anhörung vor einem Gericht im New Yorker Stadtteil Bronx.

Über die Einzelheiten der finanziellen Einigung schwieg Richter Douglas McKeon. Als Ende November erste Informationen über einen möglichen Vergleich in den Medien durchsickerten, schrieb die französische Zeitung «Le Monde» von einer Zahlung in Höhe von sechs Millionen Dollar. Dabei berief sie sich auf Vertraute von Strauss-Kahn.

Nackt auf sie gestürzt?

Der Bericht sei «frei erfunden», hiess es damals prompt aus Strauss-Kahns Anwaltsteam. Experten halten eine derartige Summe aber für plausibel, denn in den USA enden Zivilverfahren immer wieder mit millionenschweren Vergleichen. Beide Seiten ersparen sich so einen langwierigen Prozess.

Gut zwölf Kilometer südlich vom Gericht in der Bronx liegt die Hotelsuite, in der der tiefe Fall des international geachteten Finanzfachmanns Strauss-Kahn begann. Diallo betrat am 14. Mai 2011 zur Mittagsstunde Strauss-Kahns Zimmer im Sofitel-Hotel im Herzen von Manhattan – was dann geschah, ist noch immer unklar. Das Zimmermädchen wirft Strauss-Kahn vor, sich nackt auf sie gestürzt und sie zum Oralsex gezwungen zu haben. Auch habe er gewaltsam versucht, Geschlechtsverkehr mit ihr zu haben. Der Franzose erklärte dagegen, er habe mit der aus Guinea stammenden Frau einvernehmlichen Sex gehabt.

Wiederholte Lügen

Strauss-Kahn wurde wenige Stunden später am New Yorker Flughafen John F. Kennedy festgenommen, verbrachte zunächst einige Nächte auf der berüchtigten Gefängnisinsel Rikers Island und wurde dann unter Hausarrest gestellt. Seinen Spitzenposten beim IWF musste er niederlegen, seine Hoffnungen auf eine Kandidatur bei den französischen Präsidentschaftswahlen begraben. Dann kam die überraschende Wende: Die Ermittler stellten das Strafverfahren im August 2011 ein, weil sich Diallo durch wiederholte Lügen unglaubwürdig gemacht hatte.

An der Zivilklage hielt das Zimmermädchen aber fest, Strauss-Kahn verlangte in einer Gegenklage derweil Schadenersatz wegen Verleumdung. Anfang Mai machte Richter McKeon den Weg frei für einen Zivilprozess, bemühte sich aber zugleich um eine aussergerichtliche Lösung. Ende November hätten schliesslich ernsthafte Verhandlungen zwischen beiden Seiten begonnen, sagte er.

Diallo erschien gestern mit Kopftuch und in schwarzem Mantel am Gericht in New York, nach der Anhörung dankte sie Gott und «allen, die mich unterstützen». Das Zimmermädchen beendete auch eine Zivilklage gegen die «New York Post» wegen Verleumdung mit einem finanziellen Deal – das Boulevardblatt hatte sie als Prostituierte dargestellt. Ihre Arbeit im Sofitel-Hotel hatte die verwitwete Mutter einer Tochter nie wieder aufgenommen.

«Moralische Fehler» eingeräumt

Strauss-Kahn liess sich beim Schlussstrich unter eines der düstersten Kapitel seines Lebens durch seine Anwälte vertreten. Der Politiker, der in einem Interview «moralische Fehler» eingeräumt hatte, gesteht mit dem Vergleich keinerlei Schuld ein. «Wir sind froh, in dieser Sache zu einer Lösung gekommen zu sein», teilte sein Anwalt William Taylor lediglich mit.

In Frankreich laufen aber noch Ermittlungen gegen Strauss-Kahn wegen bandenmässig organisierter Zuhälterei. Der Franzose hatte an Sex-Partys unter anderem in Paris und Washington teilgenommen. Der 63-Jährige beteuert, er habe nicht gewusst, dass die Frauen Prostituierte waren. Kommenden Mittwoch soll ein Gericht im nordfranzösischen Douai über die Forderung von Strauss-Kahns Verteidiger entscheiden, das Verfahren einzustellen.

AFP/kle/bru

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