Zu kalt für Frostkerzen

Die Kälte der letzten Woche hat den Obst- und Weinkulturen in der Schweiz stark zugesetzt. Die Gegenmassnahmen haben nicht bei allen gefruchtet – zu tief waren die Temperaturen.

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Die Felder des Zürcher Bauern Andres Wegmann haben sich letzte Woche in ein Flammenmeer verwandelt. Er ist einer von zahlreichen Landwirten in der Schweiz, die Frostkerzen anzündeten, um ihre Kulturen zu schützen. Die Kerzen waren gar europaweit ausverkauft.

Weil die zwei Frostnächte von Mittwoch bis Freitag aber so kalt waren, hat das nur bedingt geholfen: «Es sieht nicht schön aus», sagt Wegmann. Der Frost habe erhebliche Schäden an seinen Reben, Apfel- und Birnbäumen sowie Steinobstkulturen hinterlassen. Bei den Aprikosen spricht Wegmann gar von einem Totalausfall.

Wegen des bisher warmen Frühlings blühten die Obstbäume in der Schweiz rund zwei Wochen früher als sonst – und wurden umso härter vom späten Frost getroffen. Während der Blüte und der Bildung von Jungfrüchten sind sie am empfindlichsten. Laut der Nachrichtenagentur SDA belaufen sich die Schäden allein bei den Obstbauern voraussichtlich auf etliche Dutzend Millionen Franken.

Frostkerzen gegen die Kälte: Wie Landwirt Andres Wegmann seine Pflanzen schützte. Video: Mario von Ow.

«Am meisten Schäden gab es ganz klar beim Steinobst», sagt Hagen Thoss vom Strickhof, dem landwirtschaftlichen Kompetenzzentrum des Kantons Zürich. Durchschnittlich 50 Prozent der Aprikosen, Kirschen und Zwetschgen im Kanton seien nicht mehr zu retten. Ähnlich sehe es bei den Birnen aus. Nicht zu den befürchteten Totalausfällen ist es hingegen bei den Erdbeeren gekommen. Trotzdem haben die Bauern auch hier deutliche Verluste zu verzeichnen.

Die Hoffnung auf Nebentriebe

Ebenfalls hart getroffen hat es die Weinbauern. «Die Reben sehen traurig aus», sagt Andreas Wirth, Rebbaukommissär des Kantons Zürich. Durchschnittlich 80 Prozent der Traubenschösslinge seien nach den Frostnächten nicht mehr grün, sondern braun – sie sind erfroren. Auch im Wallis werden derzeit die Schäden erhoben – man geht von Verlusten von 10 bis 20 Prozent in den Weinbergen aus.

«Im Gegensatz zum Obst haben die Reben aber den Vorteil, dass die Natur Reparaturmechanismen eingebaut hat», sagt Rebbaukommissär Wirth. So können nach dem Absterben der Haupttriebe unversehrte Nebenaugen austreiben. Diese tragen zwar später kleinere und weniger Trauben. Wenn die Bedingungen aber gut seien, könne noch einiges gerettet werden, sagt Wirth. «Es gilt das Prinzip Hoffnung.»

Ob der Schutz mit Frostkerzen teilweise doch etwas gebracht habe, könne er noch nicht beurteilen, sagt Wirth. «Dafür müssen wir in nächster Zeit Vergleiche anstellen.» Letztes Jahr hätten die Kerzen durchaus Schutz bieten können. Dieses Jahr fiel das Quecksilber aber zu tief: «Irgendwann bringen selbst diese Vorkehrungen nicht mehr viel.»

Der Frost war wohl vielerorts schlicht stärker als die Gegenwehr der Bauern.

Erstellt: 24.04.2017, 21:57 Uhr

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