Wie ein Spengler-Truck bei Jihadisten landete

Ein einfacher Autotausch in Texas endete für Spengler Mark Oberholtzer in Morddrohungen und einem FBI-Besuch. Schuld daran ist ein Aufkleber auf seinem Pick-up.

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Mark Oberholtzer wollte nur ein besseres Auto. Der Besitzer einer texanischen Spenglerfirma tauschte also seinen Pick-up des Typs Ford F-250 bei einem Autohändler gegen einen neuen ein. Ein Jahr später erhielt er an einem einzigen Tag über 1000 Anrufe von Personen, die ihn beschimpften und ihn und seine Familie bedrohten.

Der Grund für den Telefonterror war ein Bild, das auf Twitter auftauchte und massenhaft verbreitet wurde: Oberholtzers alter F-250 auf einer Strasse nahe Aleppo, auf der Ladefläche eine Flugabwehrkanone, am Steuer syrische Jihadisten der Ansar-al-Deen-Front, auf der Tür steht «Mark-1 Plumbing» und seine Telefonnummer. Was folgte, waren Tausende Anrufe mit Morddrohungen gegen ihn und seine Familie, Besuche der Sicherheitsbehörden Homeland Security, und sogar das FBI wollte wissen, warum im syrischen Bürgerkrieg ein amerikanischer Pick-up auftaucht.

Alles nur wegen seines Firmenlogos, das Oberholtzer vor dem Eintausch beim Autohändler AutoNation in Houston, Texas, eigentlich entfernen wollte. Ein Angestellter des Autohändlers habe es ihm untersagt, mit der Begründung, Oberholtzer könne so den Lack beschädigen. AutoNation habe zugesichert, die Aufkleber vor einem Weiterverkauf zu entfernen, schreibt der Spengler laut CNN in einer Klage gegen den Autohändler. Oberholtzer fordert von der Ford-Vertretung über eine Million Dollar Schadenersatz, wegen erlittener Verluste und der Rufschädigung an seinem Geschäft.

Wie der Pick-up von Texas nach Aleppo gelangte, ist unklar. Laut dem Händler AutoNation sei der Truck an einen Auktionator verkauft worden, der ihn wiederum an einen privaten Käufer weitergab. Einen Monat nach dem Eintausch sei der Pick-up von Houston in die Türkei verschifft worden, zitiert CNN aus der Anklageschrift.

Der Land Cruiser gilt als besonders robust: Auch Regierungstruppen in Somalia verwenden Toyota-Pick-ups (Bild: Reuters, Archiv).

Pick-ups wie der F-250 von Ford wurden im Nahen Osten und in Afrika in Dutzenden Kriegen eingesetzt, besonders gerne von Rebellentruppen. Das verbreitetste Modell ist der Toyota Hilux, der von Taliban in Afghanistan, dem Islamischen Staat (IS) in Syrien und im Irak und von verschiedenen Warlords in Afrika verwendet wird. Der Krieg zwischen dem Tschad und Libyen Ende der Achtzigerjahre wird deswegen sogar als «Toyota War» bezeichnet. Das US-Finanzministerium hatte den japanischen Autokonzern zuletzt im Oktober offiziell gebeten, die Verkaufsketten von den Produktionsstätten bis in die Kriege der Welt zu untersuchen. (hvw)

Erstellt: 16.12.2015, 14:43 Uhr

Der unzerstörbare Toyota Hilux



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