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Der FC Zürich und das VirusPatron Canepa sorgt sich

Der FCZ-Präsident setzt seit Mitte März auf Kurzarbeit und zahlt den Spielern nicht mehr den ganzen Lohn. Er ist skeptisch, ob die Bundesgelder zeitnah eintreffen.

Ancillo Canepa ist das Wohl seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wichtig.
Ancillo Canepa ist das Wohl seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wichtig.
KEYSTONE

Es sind keine einfachen Tage für Ancillo Canepa. Covid-19 macht der Welt Mühe und damit über Umwege auch dem FC Zürich. Es kommt kein frisches Geld in den Club, und mit dem fehlenden Geldfluss fehlt es an der Liquidität, Lebensader eines jeden Fussballvereins.

Präsident Canepa führt seinen Club im Stile eines Patrons, gerne etwas lauter, nie um eine Meinung verlegen, manchmal brüsk und wirsch, immer im Interesse des Clubs. Nun, im Moment der Krise, sagt er: «Wir fühlen uns für das Wohl unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verantwortlich.» Er und seine Frau Heliane wollen «alles, was in unserer Macht steht» unternehmen, damit der Schade für die Angestellten so klein wie möglich bleibt.

Maximallohn: 12350 Franken

Doch für Gewisse ist der Schaden schon da. Canepa hat Mitte März Kurzarbeit für alle Angestellten eingeführt. Heisst: Bis Mitte Monat bekamen sie 100 Prozent des Lohnes, danach die Löhne der Kurzarbeit, gedeckelt bei 12350 Franken, dem maximal versicherten Monatslohn. Und die Differenz zum bisherigen Salär? Müssen sie darauf verzichten? «Im Moment ist dies der Fall, ja», sagt Canepa. Für sich und seine Frau hat er keine Kurzarbeit beantragt, sie würden ohnehin gratis arbeiten.

Ancillo und Heliane Canepa arbeiten beim FC Zürich ohne Lohn – mit ihnen häufig dabei: Hund Kookie.
Ancillo und Heliane Canepa arbeiten beim FC Zürich ohne Lohn – mit ihnen häufig dabei: Hund Kookie.
KEYSTONE

Der Präsident denkt, dass die Profis die schwierige Situation anerkennen würden. Canepa hat mit dem Mannschaftsrat Gespräche geführt. Konkrete Vereinbarungen zu treffen, war aber bisher schwierig, weil es unklar ist, ob und wie die Meisterschaft zu Ende gespielt wird.

Canepa ist skeptisch, ob die Bundesgelder zeitnah bei den Clubs eintreffen.

Das grösste Problem zur Zeit ist die Sicherung der Liquidität. Es fehlen die Einnahmen aus den Spielen, zugleich hat ein Club Fixkosten wie Löhne, Mieten, Versicherungen. In anderen Worten: Das Geld fliesst ab.

Der Bund hat nun dem Schweizer Profisport Hilfe in der Höhe von 50 Millionen Franken anerboten. Vereine können zinslose Darlehen beantragen. Doch ob sie diese am Ende auch bekommen, ist eine andere Sache. Die Darlehen sind gemäss Canepa an bürokratische Hürden geknüpft. «Ich bin im Moment skeptisch, ob diese Gelder die notleidenden Clubs zeitnah erreichen», sagt er. Noch deutlicher sprach Liga-CEO Claudius Schäfer in der NZZ über das Thema. Es brauche praktisch die «sehr unmittelbare Zahlungsunfähigkeit» eines Clubs, bis die Darlehen ausgeschüttet würden. Schäfer folgert: «Die Finanzhilfen dienen nicht dazu, Ertragsausfälle abzufedern.»

Canepa selbst hofft darauf, dass der Normalfall wieder möglichst schnell eintritt. Doch der FCZ-Präsident ist skeptisch. «Selbst wenn wir den Spielbetrieb wieder aufnehmen können, wird es Monate dauern, bis wir uns wieder im Normalmodus bewegen können.» Er denkt an Geisterspiele ohne Zuschauereinnahmen, aber auch an den Verkauf von Saisontickets für die nächste Saison. «Es wird uns wirtschaftlich noch lange belasten.»