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«Die 200 Meter sind meine Liebe»

Usain Bolt erklärt, warum er bei seinem zweiten Weltrekord voll durchsprintete und er wenig von Parallelen mit seinem Vorgänger Michael Johnson oder mit Michael Phelps hält.

Wie von einem anderen Stern: Usain Bolt enteilt allen Gegnern.

Wenn einer 19,30 Sekunden und 200-m-Weltrekord sprintet, ist der Trubel gross. Die Journalistenschar um das jamaicanische Team in der Pressezone war deshalb immens. Belagert wurde etwa Herb Elliott, Arzt der Equipe, und sofort auf Doping angesprochen. Der wiederholte, was er in den vergangenen Tagen ostentativ gesagt hatte. Nein, alle seine Athleten seien sauber und würden vom internationalen Leichtathletik-Verband nach Russland, Kenia, Griechenland und den USA am fünftmeisten getestet. Ja, eine nationale Doping-Agentur gebe es zwar noch nicht auf Jamaica, sie sei aber im Aufbau. Und überhaupt: Ein Talent wie Usain Bolt gebe es nur alle 100 Jahre.

Warum er dermassen schnell laufe, könne selbst er nicht sagen. Wenige Meter von Elliott entfernt versuchte Renaldo Nehemiah, ehemaliger 110-m-Hürdenweltrekordhalter und wichtiger US-Manager, die Dominanz von Usain Bolt einzuordnen. Ja, mit Blick auf das eigene Land gebe ihm diese zu denken. Daran hätten die USA zu nagen. Bolts Vorteil sei, dass er ob seiner Überlegenheit schlicht keinen Druck mehr habe und erst recht befreit laufen könne. Nein, er glaube, dass solche Zeiten durchaus ohne zu betrügen möglich seien. Der Mittelpunkt des Interesses erschien weit nach Mitternacht Ortszeit zur Pressekonferenz, gut gelaunt und locker wie immer.

Usain Bolt, nach Ihrem 100-m-Weltrekord sagten Sie: «Mich interessieren nur Olympiatitel.» Die 200 m sind Sie allerdings voll durchgelaufen. Die ganze Saison wies ich darauf hin, wie viel mehr mir die 200 Meter bedeuten als die 100 Meter. Ich träumte von klein auf davon, diesen Rekord zu brechen. Die 200 m sind meine Liebe. Ich habe deshalb alles auf die Bahn gebracht, was in mir war.

Gerade haben Sie Ihren Lauf am Fernsehen betrachtet, was dachten Sie? Ich sehe cool aus - und: Dieser Kerl ist schnell (lacht).

Sie haben Ihre Bestleistung gleich um 37 Hundertstel verbessert... ...ich habe mein Potenzial in den vergangenen Tagen nun wirklich bewiesen. Insofern wusste ich, dass ich so schnell sprinten kann, zumal die Bahn hier sehr gut ist. Leicht erstaunt bin ich bloss, trotz der vielen Vorrundenläufe frisch genug für diese Zeit gewesen zu sein.

Sie haben innert fünf Tagen beide Prestigerekorde erobert. Das muss ein gutes Gefühl sein. Ich habe mit unserem Premierminister telefoniert. Er teilte mir mit, wie alle zu Hause auf den Strassen feiern. Er sagte mir auch, ich hätte Geschichte geschrieben, was mich wirklich mit Stolz erfüllt.

Sie werden nach dem Doppelgold unweigerlich mit Michael Johnson verglichen, dessen Rekord sie nun gebrochen haben und der 1996 in Atlanta über 200 und 400 m siegte. Ich habe davon gehört. Aber ich will mich nicht mit Michael Johnson vergleichen, auch wenn er ein grosser Athlet war. Wobei ich das jetzt ein wenig geändert habe. Ich bin ich, der Blitz Bolt.

Johnson sagte im Vorfeld, Sie würden einen exzellenten 400-m-Läufer abgeben. Jetzt muss ich aufpassen, was ich sage, sonst hört mein Coach noch zu (lacht). Im Ernst: Daran denke ich im Moment keinesfalls, erst will ich meinen 22. Geburtstag feiern, er ist schliesslich morgen (schaut auf die Uhr), nein heute.

Sie sind nebst Schwimmer Michael Phelps der Star dieser Spiele. Sehen Sie Parallelen? Nein, obwohl er ein grosser Athlet ist und acht Goldmedaillen gewonnen hat. Er ist Schwimmer, ich bin Leichtathlet. Da sind die Unterschiede zu gross.

Sie sind 22 Jahre alt und haben bereits die wichtigsten Leichtathletik-Titel gewonnen. Was kann Sie da in Zukunft weiter motivieren? Erst einmal will ich diese Saison verletzungsfrei beenden. Bestimmt werde ich bis zum nächsten Jahr, wenn die Weltmeisterschaften stattfinden, über diese Strecken weitermachen. Dann folgt allenfalls etwas Neues.

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