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Marazzi/De Maria: An der Medaille vorbei gesegelt

Flavio Marazzi und Enrico De Maria haben die Bronzemedaille in der Starboot-Klasse trotz dem 2. Platz im abschliessenden Medal Race verpasst. Der Berner und der Zürcher Oberländer wurden sechs Rangpunkte hinter dem Podest Fünfte.

Es hat wieder nicht gereicht. Vor vier Jahren in Athen trennten die viertklassierten Flavio Marazzi und Enrico De Maria 16 Punkte vom Olympia-Podest. In Qingdao am Gelben Meer war es zwar ein Rang mehr, dafür fehlten nur sechs Punkte. Obwohl das Ziel «Medaillengewinn» in aller Deutlichkeit formuliert worden war, hielt sich die Enttäuschung gestern in Grenzen. «Es ist die berühmte Sache mit dem weinenden und dem lachenden Auge», sagte Vorschoter De Maria. «Bis zuletzt haben wir daran gedacht, dass es noch reichen könnte. Jetzt ist auch alles Hoffen vorbei.»

Das Beste zum Schluss

Steuermann Marazzi liess keine Zweifel offen: «Wenn wir immer so gut gesegelt wären, hätten wir die Medaille gewonnen.» Der Berner und der Zürcher Oberländer sparten sich die besten Einzelklassierungen für die letzten drei Wettfahren auf. Mit den Laufrängen 4, 1 und 2 bewiesen die Europameister, dass sie an guten Tagen zu allem fähig sind. Doch weil es zu Beginn eben auch schlechte Tage gab, strahlten am Ende andere vom Podest. Der Brite Iain Percy, vor acht Jahren bereits Olympiasieger in der Finn-Klasse, setzte sich mit Partner Andrew Simpson vor Robert Scheidt/Bruno Prada und Fredrik Loof/Anders Ekström durch. Die Schweden hatten vor dem Medal Race noch mit zwei Punkten Vorsprung geführt, vergaben aber mit dem letzten Platz alle Chancen auf Gold.

Marazzi/De Maria hätten das Ziel vier Ränge vor Scheidt/Prada erreichen müssen, um die Brasilianer noch zu überholen. Scheidt/Prada wurden aber hinter den bei Rennhälfte noch letztklassierten Marazzi/De Maria souverän Dritte. Weil die Polen Mateusz Kusznierewicz/Dominik Zycki gewannen und sich wegen der besseren Platzierung im Medal Race trotz gleicher Punktzahl vor die Schweizer schoben, hätte Marazzi/De Maria auch eine schlechtere Platzierung von Scheidt/Prada nichts genützt. Die Franzosen Rohart/Rambeau fielen vom 4. auf den 6. Platz zurück, womit sich für Marazzi/De Maria in der Endabrechnung keine Rangverschiebung ergab.

Bis zuletzt gehofft

«Es sind zu viele Wenn und Aber. Wir haben am Anfang der Regatta einfach zu viele Fehler gemacht», räumte De Maria ein. Bruno Marazzi, der Vater des Steuermanns, hatte mit Verweis auf den verhältnismässig starken Wind (rund zwölf Knoten) schon vor dem Medal Race auf die geringen Chancen hingewiesen. Der bekannte Bauunternehmer stand einst selber kurz vor der Olympia- Qualifikation in der Königsklasse Star. Das berufliche Engagement kam der Teilnahme an den Spielen 1984 in Los Angeles in die Quere. Marazzi senior, als Verwaltungsrat der Swiss Sailing Team AG immer noch eng mit dem olympischen Segelsport verbunden, hatte in seiner Beobachterrolle vor Ort gemerkt, was an den ersten Tagen fehlte: «Sie wollten wohl zu viel. Vor allem Flavio war nicht locker genug.» Auf das Resultat war Bruno Marazzi trotzdem stolz.

Ob Flavio Marazzi (30) und De Maria (31) in vier Jahren, wenn die Olympia-Regatta in Weymouth und Portland stattfindet, einen weiteren Anlauf nehmen, ist offen. Wie die anderen Schweizer Olympia-Segler machen auch die beiden Aushängeschilder in den nächsten Wochen und Monaten eine Auslegeordnung. «Wieso sollten wir nicht noch einmal angreifen?», fragte Marazzi kämpferisch. Klar ist für den Familienvater, dass das Segeln weiterhin hohe Priorität geniessen soll – ob im Starboot oder in einem nichtolympischen Bereich. «Ich kann mir im Moment nicht vorstellen, täglich zehn Stunden im Büro zu sitzen.» De Maria, der mit Alinghi zweimal den America's Cup gewonnen hat, plant im Moment nur etwas: «Ferien!»

si/mra

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