Pfäffikon bevorzugt Asylbewerber
Eine Familie muss ihre Wohnung für Asylsuchende räumen. Ihr Schicksal rief sogar das deutsche Privatfernsehen auf den Plan.
«Blick», «Beobachter» und sogar RTL: Bei der Pfäffiker Familie Chiller läutete letzte Woche ständig das Telefon. Es war bekannt geworden, dass die Gemeinde Familien gekündigt hatte, um Asylbewerber in deren Wohnungen unterzubringen. «RTL hätte das Kamerateam aber nur dann geschickt, wenn die Gemeinde jemanden zwangsevakuiert hätte», sagt Michael Chiller. Dazu kommt es aber nicht.
Seit April 2001 wohnt Familie Chiller an der Frohwiesstrasse 6, in einer Liegenschaft, welche der Gemeinde Pfäffikon gehört. Auch die Nachbarn, eine kosovarische Familie, haben von der Gemeinde die Kündigung erhalten.Im letzten Sommer hat ihnen die Liegenschaftenverwaltung den Entscheid mitgeteilt. Im Oktober ist die schriftliche Kündigung erfolgt. Als Begründung hat die Behörde angegeben, dass die Wohnungen «aufgrund interner Dispositionen» benötigt würden. «Natürlich habe ich Verständnis für die Situation der Gemeinde», sagt Chiller. Diese sei ja verpflichtet, eine gewisse Anzahl Asylsuchender aufzunehmen. «Trotzdem ist es bitter, nach zehn Jahren auf die Strasse gestellt zu werden. Bis heute haben wir keine Antwort erhalten, weshalb die Gemeinde Liegenschaft um Liegenschaft verkauft, wo sie doch Platz für Asylsuchende benötigt.» Bei der Schlichtungsbehörde erreichte die Familie sechs Monate Fristerstreckung. Zuvor hatte sie das Gespräch mit den Pfäffiker Behörden gesucht. Schriftlich schlug sie dem Gemeinderat vor, ihr maximal zwei Jahre Zeit zu geben, um eine gleichwertige Wohnung zu finden. «Der Brief kam postwendend zurück», erinnert sich Chiller und ist enttäuscht. «Man hat uns einfach abgeblockt, und diese Nichtkommunikation hat uns sehr gestört.»
Öffentlichen Auftrag erfüllen
Der Pfäffiker Gemeindeschreiber Hanspeter Thoma kontert: «Wir haben den Dialog nicht a priori verweigert.» Die Liegenschaftenverwaltung sei mit der Familie Chiller immer im Gespräch gewesen. Thoma sagt, dass man die Mieter rechtzeitig über die Kündigung informiert habe. «Sie wussten seit Juni letzten Jahres, dass ihr Mietvertrag gekündigt wird – wir informierten umgehend, als wir entschieden hatten, dass wir die Asylsuchenden dezentral unterbringen würden.» Diese Lehre habe man vor acht Jahren gezogen, als den Mietern im Schwesternhaus des Geratriums sehr kurzfristig gekündigt wurde und man dort dann die bisherige – zentrale – Asylunterkunft einrichtete. «So etwas machen wir doch auch nicht freiwillig», sagt der Gemeindeschreiber. «Aber wir haben einen öffentlichen Auftrag zu erfüllen.»
Die Gemeinde bringt in einem weiteren Haus 24 Asylbewerberfamilien unter. Zudem hat sie private Wohnungen dazugemietet. «Eine einzige grosse Unterkunft ist nicht gut für den Betrieb und das Quartier», sagt Thoma.
Nachbarn suchen noch immer
Die Verwaltung sieht sich mit einem weiteren Vorwurf konfrontiert: Der Gemeinderat habe einen weiteren Standort nur darum nicht für Asylbewerber in Betracht gezogen, weil dort der Sohn des Gemeindepräsidenten wohne. «Das stimmt so nicht», sagt Thoma. «Wir ziehen sogar in Betracht, das ganze Haus dafür zu verwenden, sofern wir mehr Asylsuchende unterbringen müssen.» Familie Chiller hat auf Mitte Juli eine Wohnung in Pfäffikon gefunden – ein Happy End. Ihre Nachbarn haben noch keine Lösung. Laut Hanspeter Thoma kann die Familie vorläufig aber in der Wohnung bleiben.
Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch