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Start in die ProtestwocheGesundheitspersonal trotzt dem Wetter und kämpft für bessere Arbeitsbedingungen

In Neuenburg hat das Pflegepersonal den Auftakt einer landesweiten Protestwoche lanciert. Unter anderem fordert es eine Corona-Prämie in der Höhe eines Monatslohns und endlich eine Lohnerhöhung.

Wegen der Corona-Pandemie fiel der Protest in Neuenburg zahlenmässig bescheiden aus. Nur 25 Personen, 10 Angestellte und 15 Gewerkschafter, beteiligten sich an der Aktion.
Wegen der Corona-Pandemie fiel der Protest in Neuenburg zahlenmässig bescheiden aus. Nur 25 Personen, 10 Angestellte und 15 Gewerkschafter, beteiligten sich an der Aktion.
Foto: Laurent Gillieron (Keystone)

Mit einer Kundgebung vor einem Spital in Neuenburg hat am Montag eine landesweite Protestwoche des Gesundheitspersonals begonnen. Die Beschäftigten im Gesundheitswesen kämpfen für bessere Arbeitsbedingungen und fordern eine Corona-Prämie sowie Lohnerhöhungen.

Wegen der Corona-Pandemie fiel der Protest in Neuenburg zahlenmässig bescheiden aus. Nach Angaben eines Fotografen von Keystone-SDA vor Ort beteiligten sich nur 25 Personen an der Aktion. 10 davon waren Angestellte, 15 waren Gewerkschafter und alle trugen Schutzmasken. Nach Angaben der Gewerkschaften war es dem Pflegepersonal nicht erlaubt, sich an der Demonstration zu beteiligen.

Gleichentags war im Kanton Neuenburg wegen der Coronavirus-Pandemie ein Verbot von Versammlungen von mehr als zehn Personen im öffentlichen und privaten Bereich in Kraft getreten, wie de Neuenburger Sektion der Gewerkschaft VPOD mitteilte. Die Gewerkschaften beschlossen jedoch, an der Kundgebung vor dem Spital festzuhalten – unter Einhaltung der geforderten Schutzmassnahmen.

Zur Protestwoche aufgerufen hat das vom Schweizerischen Verband des Personals öffentlicher Dienste (VPOD), der Gewerkschaft Syna und vom Schweizerischen Berufsverband der Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner (SBK) gegründete Bündnis Gesundheit.

Mangelnde Wertschätzung angeprangert

An einer Medienkonferenz kritisierten Gewerkschaftsvertreter die mangelnde Wertschätzung gegenüber denjenigen, die an vorderster Front gegen die Coronavirus-Pandemie kämpfen. Politische Behörden und Arbeitgeber müssten den Beschäftigten im Gesundheitswesen den grösstmöglichen Schutz bieten, anstatt ihre Rechte zu unterdrücken.

Zu Beginn dieser Winterperiode würden fast alle Gesundheitseinrichtungen von erschöpften und erkrankten Mitarbeitenden berichten. «Deshalb dürfen die gesetzlichen Bestimmungen über die Arbeits- und Ruhezeiten nicht wieder ausgesetzt werden», fordert das Bündnis Gesundheit. (Lesen Sie dazu: Viele Pflegende sind am Anschlag – und jetzt rollt die zweite Welle an).

Mehrere Forderungen stehen im Mittelpunkt der Protestwoche: Eine Corona-Prämie in der Höhe eines Monatslohns und endlich eine Lohnerhöhung. Mehr Rechte am Arbeitsplatz, mehr Mitsprache und besseren Schutz dank Gesamtarbeitsverträgen.

Demo auf Bundesplatz geplant

Die Aktion in Neuenburg bildete den Auftakt einer ganzen Protestwoche in verschiedenen Regionen der Schweiz. Weitere Kundgebungen finden «unter strikter Einhaltung der Schutzmassnahmen» am Dienstag in Genf, Basel und Luzern, am Mittwoch in Lausanne, Frauenfeld und Aarau, am Donnerstag in Freiburg, Zürich, St. Gallen und in der Zentralschweiz statt. Abgeschlossen wird die Protestwoche mit einer Kundgebung auf dem Bundesplatz am Samstag in Bern.

Seit der Gründung Ende August durch VPOD, Syna und SBK sind dem von Bündnis Gesundheit ein Dutzend weitere Verbände und andere Gewerkschaften beigetreten, darunter der Schweizerische Gewerkschaftsbund, Unia und Travail Suisse.

SDA/nag

23 Kommentare
    Hans Seidel

    In vielen Ländern haben zahlreiche Menschen ihren Job verloren und wissen nicht mehr wie sie über die Runden kommen. Vor allem in Ländern wie den USA oder Russland, in denen es nahezu keine soziale Unterstützung gibt, ist das eine Existenzbedrohung. Im besten Fall kommen diese Menschen bei Verwandten oder Freunden unter, da sie ihre Miete nicht mehr zahlen können und dort ist es nicht wie hier in der Schweiz, ohne bezahlte Miete wird man im wahrsten Sinne des Wortes aus der Wohnung rausgeschmissen! Es ist schon verständlich, dass Unmut beim Pflegepersonal besteht, aber immerhin werdet ihr gebraucht! Ein sicheres Einkommen, das während einer Krise auch noch vollkommen unbetastet bleibt und dazu, nicht stattdessen! hilft man Menschen in der Not und erhält Dank und Applaus. Vor allem in der Schweiz stösst dieses unsolidarische Verhalten bei mir auf Unverständnis. Personalmangel ist ein Problem, ja, aber besser das, als auf der Strasse zu landen.