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TV-Kritik «Tatort»Platz da, Ballauf und Schenk!

Nicht die Kommissare, sondern obdachlose Frauen waren die Hauptfiguren in der neuen Kölner Folge.

Obdachlose statt Kommissare: Ella Jung (Ricarda Seifried, rechts) ist neu auf der Strasse. Die erfahrene Monika Keller (Rike Eckermann) nimmt sie unter ihre Fittiche.
Obdachlose statt Kommissare: Ella Jung (Ricarda Seifried, rechts) ist neu auf der Strasse. Die erfahrene Monika Keller (Rike Eckermann) nimmt sie unter ihre Fittiche.
Foto: WDR/Martin Valentin Menke

Wo bleiben bloss die Kommissare? Mehr als 15 Minuten sind im Kölner «Tatort» schon vergangen, aber von den Herren Ballauf und Schenk ist noch nichts zu sehen. Und als sie dann doch auftauchen, wirken sie eher wie Zaungäste im eigenen Fall.

Im Zentrum stehen Frauen. Und zwar obdachlose, die in der reichen Stadt keinen Platz zum Schlafen haben, sich in Unterführungen verkriechen oder irgendwo im eigenen Auto übernachten. Dazu gehören auch solche, dies zeigt dieser «Tatort» eindrücklich, die sehr wohl einen Beruf ausüben. Die aber irgendwann in eine Negativspirale geraten, aus der sie nicht mehr herausfinden. «Am Ende gewinnt immer die Strasse», heisst es einmal in dieser Folge mit dem Titel «Wie alle anderen auch».

Eher Sozialdrama als Krimi

Also wieder, wie gerne in Köln, ein Sozialdrama auf Kosten einer überzeugenden Krimihandlung? Auf den ersten Blick schon. «Brennen sollst du!», lautete zwar der reisserische Arbeitstitel des Films; es geht tatsächlich um einen überaus schrecklichen Mord: Eine Obdachlose wird mit Schnaps übergossen und angezündet. Aber dann ist alles doch ein wenig anders, die Konstruktion des Falles überzeugt nicht wirklich, die Auflösung wird bizarr überhöht mit den Klängen einer eigentümlichen Version des Sinatra-Hits «New York, New York».

Und doch. Die andere Perspektive tut dem normalerweise äusserst routinierten Köln-«Tatort» – es ist der 81. Fall von Ballauf und Schenk – doch gut. Das zeigt die obligate Würstchenszene: Wie gewohnt verpflegen sich die Kommissare irgendwann einmal in der Imbissbude am Rheinufer. So weit, so normal.

Die obligate Wurst bekommen sie schon, aber Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) stehen diesmal eher im Hintergrund.
Die obligate Wurst bekommen sie schon, aber Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) stehen diesmal eher im Hintergrund.
Foto: WDR/Martin Valentin Menke

Aber es gibt eine viel eindringlichere Sequenz mit Wurstwaren: Die eigentliche Hauptfigur des Films, die wegen ihres gewalttätigen Mannes auf die Strasse geflüchtete Ella Jung (Ricarda Seifried), und ihre Zufallsbekanntschaft Axel (Niklas Kohrt) knabbern zum Abendessen ebenfalls an einem Würstchen. In dieser winzigen Szene erzählen Drehbuchautor Jürgen Werner und Regisseurin Nina Wolfrum mehr als andere in einem halben Film.

Ein neues Leben – und ein Happy End?

So gesehen, ist es gar nicht schlecht, dass die Kommissare für einmal ein wenig Platz machen. Schenk (Dietmar Bär) ist zwar wie immer betroffen, sagt im ganzen Film aber kaum zehn Sätze. Und Ballauf (Klaus J. Behrendt) scheint irgendwie über der Sache zu stehen.

Nur gegen Schluss gibt es eine ziemliche Überraschung mit den beiden. Die Kommissare lassen die physisch und psychisch ziemlich angeschlagene Hauptfigur einfach am Bahnhof stehen. Sie bekommt so die Chance auf ein neues Leben. Ob das ein Happy End ist, bleibt natürlich offen.

57 Kommentare
    C. Widmer

    So geht Tatort!

    Falls es das SRF interessieren sollte.