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Ultimatum ist abgelaufenPolizei räumt besetztes Juch-Areal

Um Mitternacht war die Stadtpolizei unverrichteter Dinge abgezogen. Jetzt ist sie mit einem Grossaufgebot auf das Areal in Altstetten zurückgekehrt. Die Besetzer hatten es bereits verlassen.

Verbrannte Spraydosen, Malereien und eine Verbarrikadierung: So sah das Juch-Areal nach der Besetzung aus.
Tamedia

Am Samstagmorgen hat die Stadt Zürich ernst gemacht und die Räumung des besetzten Juch-Areals in Zürich Altstetten durchgezogen. Die Stadtpolizei war mit einem Grossaufgebot vor Ort.

Mit Grossaufgebot präsent: Die Stadtpolizei ist am Samstagmorgen mit Streifenwagen und mehreren Kastenwagen  auf dem besetzten Gelände in Zürich Altstetten aufgefahren.
Mit Grossaufgebot präsent: Die Stadtpolizei ist am Samstagmorgen mit Streifenwagen und mehreren Kastenwagen auf dem besetzten Gelände in Zürich Altstetten aufgefahren.
Foto: Salome Müller

Gemäss Mediensprecher Marco Cortesi hatte man einen Räumungsbefehl auf 8 Uhr morgens erteilt, an den sich die Besetzer hielten. Als die Polizei eintraf, war das Gelände verlassen. Die Räumung habe rund 45 Minuten gedauert und sei «völlig unspektakulär» abgelaufen, sagte Cortesi. Bereits sind Bauarbeiter der Stadt auf dem Areal. Sie haben den Auftrag, das Gelände unbewohnbar zu machen. Damit die Besetzer nicht in die Barackensiedlung zurückkehren, die einst als Asylunterkunft diente, wird diese bis auf weiteres von einem privaten Sicherheitsdienst der Bauherrschaft bewacht.

Die Besetzer hatten in den Sozialen Medien zum Widerstand gegen die Räumung aufgerufen. In der Nacht hatten sie sich noch als Sieger gefeiert, weil die Patrouillen der Stadtpolizei abgezogen waren.

Für heute Morgen um 10 Uhr dann luden sie zum «Corona-Brunch» auf das Areal. Eine ähnliche «Solidaritätsaktion» am Freitag hat die Polizei mit der Absperrung des Geländes verhindert.

Bereits verlassen: Das Juch-Areal, und was von einer Besetzung übrig bleibt.
Bereits verlassen: Das Juch-Areal, und was von einer Besetzung übrig bleibt.
Foto: Salome Müller

Das Sicherheitsdepartement hatte die ursprünglich auf den 24. April angesetzte Frist zur Räumung des Areals kurz vor Ablauf in einer überraschenden Kehrtwende bis Mitternacht diesen Freitag verlängert. Der Aufschub wurde mit der Begründung gewährt, dass sich auf dem Areal mehr Personen aufhielten als ursprünglich angenommen und dass ein fristgerechter Auszug der Bewohnenden unter den aktuellen Corona-bedingten Einschränkungen und Verhaltensregeln nicht sichergestellt werden könne.

Stapo-Mediensprecher Marco Cortesi inspiziert am Samstagmorgen  das bereits verlassene Areal.
Stapo-Mediensprecher Marco Cortesi inspiziert am Samstagmorgen das bereits verlassene Areal.
Foto: Salome Müller

Dass die Stadt bereits am Freitagmittag, also vor Ablauf des Ultimatums, mit einem Polizeiaufgebot vor Ort war, hat gereizte Reaktionen hervorgerufen. In einer gemeinsamen Mitteilung verurteilen SP, Grüne und AL der Stadt Zürich das Vorgehen als «völlig unverhältnismässig und rechtlich unhaltbar». Die FDP hingegen begrüsst, dass die Stadt am «Ultimatum an die Besetzenden des Juch-Areals festhält» und nicht schon wieder eingeknickt sei.

Bauarbeiter sollen das Juch-Areal «unbewohnbar» machen.
Bauarbeiter sollen das Juch-Areal «unbewohnbar» machen.
Foto: Boris Müller

Heute Morgen habe eine Vertreterin des städtischen Sozialdepartements den Strafbefehl unterschrieben, sagte Cortesi. Ob der Räumungstermin bewusst vor dem Corona-Brunch auf dem Juch-Areal angesetzt worden ist, will Cortesi nicht sagen. Es sei eine «laufende Planung» gewesen.

In einer Erklärung von heute Samstag schreibt die Migrantifa: «Vor der Leerstehung wurde das Juch als Testzentrum für die Bundesasyllager genutzt. Das Asylwesen ist ein repressives, gewaltsames Institut des Schweizer Staates. Nach der Besetzung entstand ein vielfältiger und offener Raum. Deshalb sagen wir als People* of Color und Migrant*innen: Juch bleibt!»