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Weltbekannte MarkePorzellan zieht immer noch magisch an

In Meissen kommt man dem Geheimnis hochwertiger Tischkultur auf die Spur. Die Erlebniswelt Haus Meissen verzeichnet im Corona-Sommer grossen Zulauf.

Eines von 33’000 Sammlerstücken der Meissen Porzellan-Stiftung: Das «Schäferpärchen».
Eines von 33’000 Sammlerstücken der Meissen Porzellan-Stiftung: Das «Schäferpärchen».
Foto: Daniel Bahrmann

Das Paar in bunter, ländlicher Tracht, inklusive Lamm und Hütehund, hegt nicht die Absicht, mit der Herde durch die Heide zu ziehen. Es bricht im Stil der Zeit mit höfischer Zucht und Etikette und sehnt sich nach Natur und Freiheit. Im 18. Jahrhundert war es in der feinen Gesellschaft Mode, sich für Feste in Schäferkleidung zu stürzen. Kavalier und Dame trafen sich mitunter auch zum «Schäferstündchen», bis heute fester Bestandteil des deutschen Wortschatzes.

Trouvaillen und Tradition

Das «Schäferpärchen» ist eines von 33’000 Sammlerstücken der Meissen Porzellan-Stiftung. 2014 gegründet, gehört sie dem Freistaat Sachsen und bewahrt Trouvaillen und Tradition einheimischer Porzellanherstellung, in Ergänzung zur weltberühmten Porzellanmanufaktur. «Wir arbeiten eng zusammen und betreiben gemeinsam die Erlebniswelt Haus Meissen», sagt Anja Hell. Die 44-jährige Kunsthistorikerin arbeitet als Geschäftsführerin der Stiftung und amtet zusammen mit einer Kuratorin als historisches Gewissen des Meissener Porzellan-Universums. «Ganz wichtig ist, dass nicht nur Formen, Farben und Modelle bewahrt werden, sondern auch die Handwerkskunst weitergegeben wird, etwa Maltechniken oder die Fertigkeit des Bossierens», sagt Hell.

«In diesem Sommer ist das Interesse wieder enorm»: Anja Hell (44), Kunsthistorikerin und Geschäftsführerin  der Meissen Porzellan-Stiftung.
«In diesem Sommer ist das Interesse wieder enorm»: Anja Hell (44), Kunsthistorikerin und Geschäftsführerin der Meissen Porzellan-Stiftung.
Foto: PD

Porzellan nach Meissener Art herzustellen, ist ein komplexer und aufwendiger, mehrstufiger Prozess. Die Bossierer treten in Aktion, wenn es gilt, die gegossenen Teilstücke zusammenzusetzen, bei Figuren etwa den Faltenwurf zu drapieren, Fingernägel nachzuzeichnen oder schlicht die Ansatznähte der zusammengeklebten Gesamtkunstwerke zu füllen. «Eine kleine Putte etwa», erläutert Anja Hell, «besteht aus 20 Einzelteilen, die zusammengefügt, bemalt und dann definitiv gebrannt werden.»

Während Jahrhunderten fahndete man in Europa erfolglos nach dem Geheimnis des chinesischen Porzellans, 1708 kam man in Meissen einer Mixtur auf die Spur. Heute besteht Porzellan aus Kaolin, Feldspat und Quarz in einem klar definierten Mengenverhältnis.

Das Signet kennen alle

Zwei gekreuzte blaue Schwerter, das bekannte Signet der Marke.
Zwei gekreuzte blaue Schwerter, das bekannte Signet der Marke.
Foto: PD

Das Meissener Porzellan ist eine der ältesten Qualitätsmarken. Das Signet, zwei gekreuzte blaue Schwerter, kennen alle, die sich für Tafelkultur interessieren.

«Erfreulich ist, dass auch viele junge Leute herkommen und sich für Meissener Porzellan begeistern.»

Anja Hell, Geschäftsführerin der Meissen Porzellan-Stiftung

300 Jahre später feierte man in Meissen ein grosses Jubiläum. «2010 verzeichneten wir Rekordbesuche in der Erlebniswelt», erinnert sich Anja Hell. Mittlerweile hat sich der jährliche Besucherschnitt bei mehr als 170’000 eingependelt. «In diesem Sommer ist das Interesse wieder enorm», berichtet Anja Hell, «wir spüren in Museum und Schauwerkstatt, dass die Deutschen im eigenen Land Ferien verbringen. Erfreulich ist, dass auch viele junge Leute herkommen und sich für Meissener Porzellan begeistern.»

Im Museum sind unter anderem etwa 2000 Exponate aus dem Fundus der Stiftung zu sehen, in der Schauwerkstatt lernen die Besucher, wie Porzellan hergestellt wird. Die Themenvermittlung entspricht modernstem digitalem Standard. Im Shop der Manufaktur wird das aktuelle Sortiment, darunter sehr zeitgemässes Design, verkauft. Dem Thema Porzellan begegnet man in der Stadt an der Elbe fast auf Schritt und Tritt: Läden und Antiquariate verkaufen die Produkte der Manufaktur. Und vom Turm der Frauenkirche ertönt das Spiel der Porzellanglocken: «Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre» scheppert zwar leicht, passt aber prima zu Meissen und gerade auch zum Jubiläum «250 Jahre Beethoven».

www.erlebniswelt-meissen.com