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Corona-Demo in ZürichProtest ohne Schutzmasken, Ausschreitungen in der Nacht

Über 1000 Kritiker der Covid-19-Massnahmen des Bundes haben sich am späten Nachmittag auf dem Helvetiaplatz zur Kundgebung versammelt. In der Nacht kam es bei einer weiteren Demo zu Scharmützeln.

Demonstration ohne Schutzmaske: Auf dem Zürcher Herlvetiaplatz haben sich am Samstag Kritiker der Pandemie-Massnahmen des Bundes versammelt.
Demonstration ohne Schutzmaske: Auf dem Zürcher Herlvetiaplatz haben sich am Samstag Kritiker der Pandemie-Massnahmen des Bundes versammelt.
Bild: Samuel Schalch

Dicht an dicht drängten sich am frühen Samstagabend die Menschen auf den Helevetiaplatz. «Freiheit statt Gesundheitsfaschismus» oder «Nur Sklaven tragen Masken», war auf Transparenten zu lesen. Einige Teilnehmer trugen zur Provokation Schutzmasken aus Netzen, die grosse Mehrheit der Anwesenden war maskenfrei.

Unter dem Motto «Zurück in die Freiheit» hatten mehrere Organisatoren, mehrheitlich aus rechtskonservativen Kreisen, zur Kundgebung gegen die Maskenpflicht und ein angeblich drohendes Impfobligatorium im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie aufgerufen.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der bewilligten Kundgebung waren augenscheinlich verschiedenen politischen und weltanschaulichen Spektren zuzuordnen: Esoterische Anliegen wurden ebenso zur Schau getragen wie vereinzelt rechtsnationale Symbolik, etwa in Form einer Reichskriegsflagge. Ein Grossaufmarsch von offensichtlich rechtsradikalen Kreisen, wie er im Vorfeld befürchtet wurde, war indessen nicht zu erkennen.

Über Lautsprecher kritisierten Redner den Umgang von Politik und Behörden mit Covid-19 in der Schweiz. Die Schutzmassnahmen seien überzogen und teils kontraproduktiv. Durch die Anwendung von Notrecht habe man die Menschen ihrer Rechte und Freiheit beraubt. Statistiken wurden zitiert, die das Vorgehen des Bundes und der Kantone als falsch darstellten.

Bei der Demo kam es zu Personenkontrollen und Wegweisungen.
Video: Webvideo Tamedia

Die Stimmung auf dem laut Polizeiangaben mit weit über 1000 Personen gut gefüllten Helvetiaplatz war mehrheitlich friedlich, trotz einer Gegendemonstration von rund 100 Personen auf der gegenüberliegenden Strassenseite. Nur vereinzelt kam es zu Provokationen.

Maskenpflicht nicht eingehalten

Die Kundgebung wurde von der Stadt bewilligt – allerdings unter der Auflage, die Schutzbestimmungen einzuhalten. Die Polizei forderte die Teilnehmer mehrfach über Mikrofone auf, sich an die Maskenpflicht zu halten. Der Aufruf wurde von der Menge mit Pfiffen und Buhrufen quittiert.

Die Polizisten begann daraufhin mit Personenkontrollen und Wegweisungen. Bis gegen Ende der Veranstaltung seien 50 Personen kontrolliert und weggewiesen worden, teilte die Stadtpolizei Zürich mit. Zwei Männer seien vorübergehend auf eine Polizeiwache gebracht worden. Zudem werde eine Verzeigung des Veranstalters geprüft, weil er die Bewilligungsauflagen für die Kundgebung nicht eingehalten habe.

Polizeipräsenz am Helvetiaplatz: 50 Personen wurden kontrolliert und weggewiesen
Polizeipräsenz am Helvetiaplatz: 50 Personen wurden kontrolliert und weggewiesen
Bild: Samuel Schalch

Illegale Demo im Vorfeld aufgelöst

Bereits am frühen Nachmittag kam es auf dem Sechseläutenplatz in Zürich zu einer Protestaktion unter gleichen Vorzeichen. Im Gegensatz zur Kundgebung auf dem Helvetiaplatz war diese nicht bewilligt.

Die Demonstration hatte im Vorfeld zu reden gegeben, da sich die Veranstalter auf einem Flyer der Bildsprache der Street-Parade bedienten. Das OK der offiziellen Street Parade gab bekannt, rechtliche Schritte zu prüfen. Auch die Bar- und Clubkommission, der Dachverband der Zürcher Nachtleben-Szene, distanzierte sich auf Facebook von der Versammlung.

Die Stadtpolizei forderte die Personen am frühen Samstagnachmittag auf, den Platz beim Bellevue zu verlassen. Einige Personengruppen leisteten der Aufforderung Folge, andere begaben sich ins angrenzende Café Collona. Rund 40 Personen seien kontrolliert und weggewiesen worden, teilte die Polizei mit.

Vier Personen wurden vorübergehend angehalten und auf eine Polizeiwache gebracht. Ein Fahrzeug, in dessen Kofferraum sich eine Verstärkeranlage und Lautsprecher befanden, wurde nach Angaben der Polizei vorübergehend sichergestellt.

Nachspiel zur Kundgebung

Gegen 20.30 Uhr meldete ein Teilnehmer der bewilligten Helvetiaplatz-Kundgebung bei der Polizei, er sei von mehreren Unbekannten verprügelt und beraubt worden. Die Angreifer seien mit seinem Rucksack, in dem sich mehrere Fahnen befunden hätten, in eine besetzte Liegenschaft in der Kernstrasse geflüchtet. Ob es sich dabei um die genannte Reichskriegsflagge handelte, ist nicht geklärt. Während der Kundgebung wurde die Flagge, die auf das deutsche Kaiserreich verweist und heute von Neonazis benutzt wird, von einer Menschengruppe im Verbund mit einer Schweden-, einer Schweizer- wie einer Belarus-Flagge geschwenkt. Die Antifa Zürich wies in einem Tweet auf die Reichskriegsflagge hin.

Der Rucksack des Verletzten wurden in der Liegenschaft anlässlich der Kontrolle von der Polizei gefunden und sichergestellt.

Gegen 23:15 Uhr versammelten sich dann gegen 50 Personen im Bereich Langstrasse/Kanzleistrasse und bauten Barrikaden auf. Nachdem an der Langstrasse zwei Container in Brand gesetzt worden waren, setzte die Polizei Gummischrot, Reizstoff und den Wasserwerfer ein, wie die Stapo am Sonntag mitteilte.

tif

290 Kommentare
    tornado

    1.9.2020, Sechseläutenplatz, Stadt Zürich:

    Auf dem ganzen Platzt sitzen junge Leute in einem Kreis zusammen. 6 Leute, OHNE Abstand und OHNE Masken.

    Warum schreitet da die Polizei nicht ein?