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Kolumne NachspielProtestanten verstehen Frauen besser als Katholiken

«Undine»-Regisseur Christian Petzold glaubt, seine Art, Filme zu machen, habe auch mit der religiösen Prägung zu tun.

Rätsel Frau bei Alfred Hitchcock: Kim Novak in «Vertigo».
Rätsel Frau bei Alfred Hitchcock: Kim Novak in «Vertigo».
Foto: AP

Ich bin Protestant, habe eine katholische Frau geheiratet und ging in ein Gymnasium, in dem teilweise noch Patres unterrichteten. Religion spielt in meinem Leben eine eher untergeordnete Rolle. Aber als ich mit dem Filmemacher Christian Petzold über seinen neuen Film «Undine» sprach, sagte er einen Satz, der mich aufhorchen liess: «Protestanten verstehen Frauen besser als Katholiken.»

Petzold argumentierte mit einem unserer Lieblingsregisseure: Alfred Hitchcock. «Der war Katholik und wusste nichts von Frauen», sagt Petzold. Und erzählt die Geschichte, wie sich in den 1920er-Jahren eine Schauspielerin bei den Dreharbeiten zu einem der ersten Hitchcock-Filme weigerte, ins Meer zu steigen. «Heute geht es nicht, Mister Hitchcock», sagte sie, und als er insistierte, wiederholte sie: «Heute nicht, morgen oder übermorgen schon. Sie verstehen doch, Mister Hitchcock?» Aber der verstand nicht, dass sie ihre Tage hatte. Er war 27 Jahre alt und hatte noch nie etwas von Menstruation gehört.

Karge Kirchen und Johann Sebastian Bach

Kann man das verallgemeinern? Petzold glaubt ja: «Schauen Sie, das ist so, weil die Katholiken Bilder in ihren Kirchen haben und die Protestanten nicht.» Er selber sei nicht besonders gläubig, aber als Kind habe er Gottesdienste besuchen müssen in Kirchen, die kahl waren. Protestanten hätten nur die Musik von Johann Sebastian Bach und müssten sich ihre Bilder dazu selber machen, im Kopf. Ihre Filme seien daher eher analytisch. Katholiken wie Hitchcock dagegen könnten aus einer überschäumenden Bilderflut schöpfen, deren Filme seien wie Träume. Er werde leider nie so drehen können: «Dafür verstehe ich Frauen besser.»

Die neuste Petzold-Hauptfigur: Paula Beer als moderne Meerjungfrau  in «Undine».
Die neuste Petzold-Hauptfigur: Paula Beer als moderne Meerjungfrau in «Undine».
Foto: Filmcoopi

Gut, ganz schlüssig ist der Beweis immer noch nicht, das weiss auch Petzold, der die Diskussion mit einem Witz beendet: «Im Gegensatz zu Hitchcock weiss ich wenigstens, was Menstruation ist.» Tatsache ist, dass Petzold seit Jahren die besten deutschen Filme mit weiblichen Figuren dreht. Und noch etwas hat seine These bewirkt: Ich habe erstmals seit Jahren über den Katholiken und Protestanten in mir nachgedacht. Mal schauen, was für Träume rauskommen.

«Undine» läuft ab dem 27. August in den Kinos. Der hervorragende Film um eine moderne Meerjungfrau spielt auch unter Wasser.