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Ende der Steueroase ZypernPutin stoppt die Steuerhinterziehung

Russlands Regierung will den Abfluss von Vermögen über europäische Steueroasen stoppen. Einen ersten Sieg hat sie in Zypern errungen. Das hat Konsequenzen für Viktor Vekselberg und die anderen Oligarchen in der Schweiz.

Foto: Alexei Nikolsky (AP)
Die russische Wirtschaft darbt, deshalb will Präsident Wladimir Putin frisches Geld bei Steuerflüchtlingen eintreiben. 
Foto: Alexei Nikolsky (AP)

Mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin ist nicht zu spassen. Das bekam jetzt die Regierung von Zypern zu spüren. Moskau forderte den Inselstaat in den letzten Wochen auf, seine extrem tiefen Sätze bei der Kapitalertragssteuer auf russisches Niveau anzuheben. Andernfalls werde das 20- jährige Doppelbesteuerungsabkommen zwischen den beiden Ländern aufgekündigt. Die Regierung der Mittelmeerinsel zeigte sich zuerst nicht kooperativ.

Zypern lebt fast ausschliesslich von Steuerflüchtlingen. Seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion in den 1990er-Jahren ist die Insel zum beliebtesten Auslandsstandort russischer Unternehmen geworden. Nach Angaben der russischen Zentralbank flossen im letzten Jahr zwei Drittel der Auslandsinvestitionen nach Zypern. Das sind 27 Milliarden Dollar, die über zypriotische Konten flossen. Im Jahr zuvor waren es 19 Milliarden Dollar. Das ist laut russischen Medien mehr, als der russische Staat während der Pandemie an Hilfszahlungen für seine Bürger und die Wirtschaft bezahlt hat.

5 Prozent Steuern in Zypern, 20 in Russland

Und so funktioniert das zypriotische Modell: Russische Unternehmen lassen ihre Firmen auf Zypern registrieren. Wenn die Dividenden fällig werden, fliesst das Geld zur zypriotischen Firma, wo eine Steuer von rund 5 Prozent fällig wird. Wäre die Dividende in Russland angefallen, hätten die dortigen Steuerbehörden 15 bis maximal 20 Prozent abgezwackt.

Das Gleiche passiert bei den Zinsen. Vergibt die zypriotische Firma einen Kredit an ihre Tochterfirma in Russland oder verlangt Lizenzgebühren für die Erlaubnis zur Nutzung eines Markennamens, können diese Belastungen in Russland von der Steuer abgezogen werden. In Zypern, bei der Muttergesellschaft, fallen keine Steuern an.

Zypern lebt von Russen

Eine Berechnung der russischen Zentralbank zeigt: Die russischen Gesamtinvestitionen in Zypern machen 190 Milliarden Dollar aus. Das ist das Achtfache des Bruttoinlandprodukts (2019) der Insel.

Mit der angedrohten Aufkündigung des Doppelbesteuerungsabkommens müsste die russische Klientel gleich zweimal Steuern bezahlen: einmal in Russland, einmal in Zypern. Am letzten Wochenende ist Zypern eingeknickt und akzeptierte die russischen Forderungen, wie am Montag bekannt wurde.

Nun muss das zypriotische Steueramt auf den Dividenden- und Zinseinnahmen, die aus Russland in zypriotische Firmen fliessen, 15 Prozent Steuern erheben. Also exakt so viel wie in Russland. Das Abkommen soll im Herbst unterzeichnet und am 1. Januar 2021 in Kraft treten. (Lesen Sie hier über den Geldwäscheskandal «Russischer Waschsalon».)

Auch Vekselberg operiert über die Insel

Wie die russischen Investoren darauf reagieren werden, wird sich also erst noch zeigen. Zu den prominenten Namen, die die steuerlichen Annehmlichkeiten der Insel nutzen, gehört die Tinkoff-Bank des russischen Milliardärs Oleg Tinkow. Sein Kollege, Wladimir Lisin, dirigiert über eine Holding in Nikosia einen Stahlkonzern in Russland. In den letzten Jahren haben sich auch russische IT-Start-ups in Zyperns Handelsregister eintragen lassen.

Der, aus Schweizer Sicht, prominenteste russische Oligarch, Viktor Vekselberg, hat die Mittelmeerinsel schon früh in sein weit verzweigtes Firmengeflecht eingebaut – so auch für seine Beteiligungen an unter anderem Sulzer oder Oerlikon in der Schweiz. In seinem Schlepptau kam Joe Ackermann zu einem Job auf Zypern. Der Schweizer, der zuletzt Chef der Deutschen Bank war, sitzt seit 2014 als Präsident im Verwaltungsrat der Bank of Cyprus. Ein Jahr zuvor stand die Bank kurz vor dem Bankrott und wurde unter anderem dank der Hilfe von Vekselbergs Industrieholding Renova mit Sitz in Zürich gerettet. Ackermann, der für die Renova tätig war, wurde in den Verwaltungsrat entsandt.

Auch in Holland profitieren russische Firmen

Für russische Investoren, die nun nach einem pfleglicheren Standort suchen, hat Präsident Putin schon einmal die Warnfahne hochgehoben. Auf der Liste der Staaten, die er zu neuen Besteuerungsabkommen zwingen will, stehen laut russischen Medien Malta, Luxemburg und die Niederlande. Im Tulpenland sind der russische Google-Konkurrent Yandex und Russlands führende Detailhandelskette X5 Retail Group registriert.

25 Kommentare
    Priska Lüthy

    Und was ist mit Malta? Latvia? Lithuania? EU Schlupflöcher & Sümpfe wohin man schaut....