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Kommentar zu Russland in der Corona-KrisePutins altes Spiel

Schuld sind für den russischen Präsidenten immer nur andere. Doch der Trick verfängt nicht mehr.

Per Videolink referiert Russlands Präsident Wladimir Putin Details zur Corona-Krise – und kanzelt dabei regelmässig Minister oder Gouverneure ab.
Per Videolink referiert Russlands Präsident Wladimir Putin Details zur Corona-Krise – und kanzelt dabei regelmässig Minister oder Gouverneure ab.
Foto: Reuters

Wladimir Putin hat eine neue Routine, er hält Hof per Videoschaltung. Der Präsident erklärt wortreich, aber detailarm, wie er jedem Russen durch die schwere Zeit helfen will. Zugeschaltet sind wahlweise Regionalchefs oder Minister, die sich belehren lassen müssen. Sie sollen für mehr Intensivbetten und Spezialisten sorgen, damit alles «reibungslos» funktioniert. Es ist das alte Spiel mit neuer Konferenztechnik: Putin stellt sich als grosser Kümmerer dar. An Missständen sind immer andere schuld.

Doch der Trick funktioniert nicht wie früher, weil reden alleine nicht mehr reicht. Putin hat anfangs sogar versucht, die Krise wegzureden, das haben die Russen nicht vergessen. Und das russische Gesundheitswesen wird nicht davon besser, dass Putin Bettenzahlen referiert.

Immer nur zu sagen, dass die Lage ernst sei, bedeutet kein echtes Verständnis für den Ernst der Lage.

Durchhalten, darauf hat Putin die Russen eingeschworen. Es stehe nun «die intensivste Phase» der Epidemie bevor, der Höhepunkt liege laut Experten «immer noch vor uns». Wenig später meldete sich Premierminister Michail Mischustin per Videoschaltung bei Putin, er sei positiv auf Covid-19 getestet worden. «Das kann jedem passieren», antwortete Putin wie zur Warnung.

Aber immer nur zu sagen, dass die Lage ernst sei, bedeutet kein echtes Verständnis für den Ernst der Lage. Viele haben bereits ihr Einkommen verloren, fürchten um ihre Jobs, weil Putin ihnen arbeitsfrei verordnet hat. Zu des Kremls Durchhalteparolen mischt sich ein Raunen darüber, wie schlimm es aussieht in Russlands Krankenhäusern. Es kommt von denen, die sonst nicht öffentlich reden, von Ärzten und Pflegern. Wer in Quarantäne nicht den ganzen Tag Staatsfernsehen sieht, findet die Berichte im Netz – und blickt hinter Putins leere Worte.

16 Kommentare
    U.R.Brand

    Russland als 1Mann Diktatur,kaum mehr konrollierbar, ca.400x groesser als die CH mit 7 demok. Bundesraeten ist wohl kaum zu vergleichen,vielleicht sollte man Russland in die EU aufnehmen,um auf lange Sicht bestehen zu koennen.