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Film-Highlights der WocheRachefeldzug in Liverpool

Tim Roth spielt das Oberhaupt einer Kleinfamilie, die sich einen Krieg mit Gangstern liefert. Dazu haben wir weitere aktuelle Streaming-Tipps.

Diese Familie in «Tin Star» legt sich mit einer Gangsterorganisation an.
Diese Familie in «Tin Star» legt sich mit einer Gangsterorganisation an.
Foto: Sky

«Tin Star»

Thrillerserie von Rowan Joffé, GB 2017–2021, 3 Staffeln.

Eine luxuriöse Hotellobby in der englischen Stadt Liverpool. Die Familie Worth sitzt beim Afternoon Tea zusammen, und Tochter Anna (Abigail Lawrie) studiert einen Zettel mit einer Reihe von Namen. Mutter Angela (Genevieve O’Reilly) erklärt: «Wir töten alle auf der Liste.» «Jupp», bekräftigt Jim (Tim Roth), ihr Mann. Anna: «So einfach ist das?»

Mit dieser Szene beginnt die dritte und letzte Staffel der schwarzhumorigen Serie. Die Worths haben schon einiges hinter sich: Jim arbeitete in England als verdeckter Ermittler, bis der Einsatz das Leben seiner Familie in Gefahr brachte. So zog er mit Frau und Kind in ein abgelegenes Kaff in Kanada; doch die Gangster, die er sich in der alten Heimat zu Feinden gemacht hatte, folgten ihm dorthin. Viele Menschen verloren ihr Leben. Nun ist die Familie Worth nach England zurückgekehrt, um reinen Tisch zu machen. Aber so einfach ist das natürlich nicht.

Die ersten beiden Staffeln beeindruckten mit Bildern der kanadischen Wildnis, aber auch Liverpool hat tolle Drehorte. Inzwischen hat sich die schräge Familiendynamik der Worths eingespielt – bei aller Brutalität macht es eine Menge Spass, dem Trio bei seinem Rachefeldzug zuzusehen. (ggs)

«Palmer»

Drama von Fisher Stevens, USA 2021, 110 Min.

Acht Jahre ist es her, seit Justin Timberlake letztmals eine Hauptrolle spielte (im Thriller «Runner Runner»). Fast schon folgerichtig also, dass er in «Palmer» einen Ex-Footballstar verkörpert, der zwölf Jahre weggesperrt war. Als dieser Eddie Palmer (Timberlake) in sein Heimatkaff zurückkehrt, wartet eine ungeahnte Herausforderung: Er muss sich um den Nachbarsjungen Sam (Ryder Allen) kümmern, da dessen drogensüchtige Mutter abgehauen ist. Der dickliche, vor allem an Puppen und Lippenstift interessierte Knabe ist das Highlight des Films; in seiner Tapsigkeit erinnert er manchmal an Abigail Breslin aus «Little Miss Sunshine». Timberlake indes beschreitet in seiner Rolle den Weg zum geläuterten Heiligen ein bisschen zu cool. Schade, der Mann hätte durchaus schauspielerische Klasse, wie er in «Alpha Dog» oder «The Social Network» bewies. (zas)

«Contradict»

Dokumentarfilm von Peter Guyer und Thomas Burkhalter, CH 2020, 90 Min.

Ab nach Afrika: Der Berner Musikspezialist Thomas Burkhalter und der Filmregisseur/Kameramann Peter Guyer fahren nach Ghana, um neue Töne zu suchen. In der Hauptstadt Accra stossen sie auf Überraschendes. Auf zwei coole Jungs zum Beispiel, die sich Fokn Bois nennen und auf der Strasse Geld sammeln für die darbenden Vereinigten Staaten von Amerika, die sicher in naher Zukunft auf internationale Spenden angewiesen seien. «Contradict» präsentiert ein Stimmungsbild zwischen Aufbruch und Resignation. Der Film allerdings lebt weniger vom grossen politischen Bogen als von der Qualität der sieben Musikerinnen und Musiker, die porträtiert werden. Sie präsentieren Clips, deren Entstehungsgeschichte ebenfalls dokumentiert wird – ein Fest zum Schauen und zum Hören. (ml)

«Ray & Liz»

Tragikomödie von Richard Billingham, GB 2018, 108 Min.

Der britische Fotograf Richard Billingham hat seinen Eltern einen Bildband und mehrere Kurzfilme gewidmet, ebenso sein Langfilmdebüt: Liz (Ella Smith) und Ray (Justin Salinger) sind ein Paar aus der Unterschicht; mit ihren Kindern leben sie von staatlicher Unterstützung. Einmal plündert ein Untermieter den Alkoholvorrat, ein andermal erfriert der jüngste Sohn fast, weil er die Nacht in einem Gartenschuppen verbringt. Billingham schildert alltägliche Episoden aus seiner Kindheit und findet dabei Bilder von erlesener Hässlichkeit. Der Film ist voller Empathie, aber frei von Romantisierung. Witzig, aber nichts für schwache Nerven. (ggs)

Auf Cinefile, Filmingo, Kino on Demand, Rakuten TV etc.

«Schlingensief: In das Schweigen hineinschreien»

Dokumentarfilm von Bettina Böhler, D 2020, 124 Min.

Amateurfilme, Theater-Provokationen, Zürich-Aufenthalt, Krebserkrankung: Die Doku geht das Leben von Christoph Schlingensief (1960–2010) ab. Vorwissen ist von Vorteil, denn der Film hält sich nicht lange mit erklärenden Kommentaren auf. Die wilde Montage ist mit der Zeit etwas erschöpfend, aber der Film bleibt bis zum Ende inspirierend. (ggs)

Auf Kino on Demand, Rakuten TV etc.

«Take Shelter»

Drama von Jeff Nichols, USA 2011, 125 Min.

Dieser frühe Film von Jeff Nichols («Loving») ist ein Schaulaufen für den grandiosen Hauptdarsteller: Michael Shannon spielt einen Familienvater, der in wiederkehrenden Albträumen von einem gigantischen Sturm heimgesucht wird. Der Tornado-Schutzkeller, den er daraufhin plant, entwickelt sich zur Besessenheit. Und dann bekommt er auch noch am helllichten Tag Halluzinationen. Hat er die psychische Krankheit seiner Mutter geerbt? (ggs)

Auf Cinefile