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Pädophiler H. S. wird verwahrt

Ein pädophiler Sozialtherapeut, der 2014 von der Berner Justiz zu 13 Jahren Haft und einer stationären Massnahme verurteilt worden war, wird nachträglich verwahrt.

Wird nachträglich verwahrt: H.S. letzte Woche vor dem Berner Regionalgericht.
Wird nachträglich verwahrt: H.S. letzte Woche vor dem Berner Regionalgericht.
Karin Widmer

Nicht einmal der Verurteilte selbst kann sich ein Leben in Freiheit vorstellen. «Ich werde bis an mein Lebensende Begleitung brauchen», sagte der pädophile Sozialtherapeut H. S. letzte Woche an der Gerichtsverhandlung in Bern. Und auch Verteidiger John Wyss mochte nicht an eine bedingte Entlassung von S. denken. «Ein solcher Schritt wäre den Opfern nicht zuzumuten.» Wyss rechnete «zu 99 Prozent» mit der Verwahrung.

Und so ist es jetzt gekommen. Das Regionalgericht Bern-Mittelland entschied, dass der heute 63-Jährige verwahrt wird. Er war im Frühjahr 2010 verhaftet worden. Als Behindertenbetreuer hatte er im Verlauf von mehreren Jahrzehnten in verschiedenen Heimen weit über 100 meist schwer behinderte Menschen missbraucht.

Hohe Rückfallgefahr

Im März 2014 war er vom Regionalgericht zu einer 13-jährigen Freiheitsstrafe und zu einer stationären therapeutischen Massnahme verurteilt worden. Diese Therapie hatte er vorzeitig im September 2011 angetreten. Fünf Jahre später, im September 2016, hat das Regionalgericht die Massnahme verlängert.

Doch schon Mitte 2017 kamen bei den zuständigen psychiatrischen Diensten erste Zweifel auf, ob die Therapie noch sinnvoll ist. Daraufhin holten die Bewährungs- und Vollzugsdienste des Kantons Bern ein Gutachten ein. Es kam zum Schluss, dass eine Verwahrung «ganz klar» zu empfehlen sei. Die Vollzugsbehörden beantragten daraufhin die nachträgliche Verwahrung. So kam es letzte Woche zur Verhandlung. Am Donnerstag nun stellte das Gericht den Medien den schriftlichen Beschluss zu.

Es stehe ausser Frage, dass S. nach wie vor an einer «multiplen Störung der Sexualpräferenz», sprich Pädophilie, sowie an Hypersexualität leide, schreibt das Gericht. Klar sei auch, dass eine «hohe Rückfallgefahr für Sexualdelikte» bestehe.

Das Ziel einer stationären Massnahme ist die bedingte Entlassung. Das sei im vorliegenden Fall aber wohl nie zu erreichen, so das Gericht. Denn die Therapeuten hatten jenen Teil der Therapie abgebrochen, in dem die Taten rekonstruiert wurden – die Gespräche hatten S. erregt. Er habe noch immer Freude, wenn er über seine sexuellen Handlungen mit Kindern spreche, fanden die Fachleute. Das Gericht ist überzeugt, dass S. eine sachgerechte Therapie erhalten hat. Aber er sei nicht behandelbar.

Die Verwahrung sei verhältnismässig. Denn das Interesse der Öffentlichkeit nach Sicherheit sei deutlich höher zu gewichten als das Interesse des Verurteilten nach Freiheit.

Die Befürchtung von S.

Verteidiger Wyss ist vom Entscheid nicht überrascht. «Das Gericht konnte eigentlich gar nichts anderes entscheiden.» S. werde den Entscheid wohl akzeptieren. Nun muss er vor der Verwahrung noch die Reststrafe von rund vier Jahren absitzen. Gerade das ist es, was bei S. Befürchtungen hervorruft: Dass er im normalen Strafvollzug als Kinderschänder geplagt wird.

Noch sei nicht klar, was der Strafvollzug aus dem Entscheid mache, so Wyss. «Herr S. weiss nicht, ob er die Abteilung wechseln muss.» Er, Wyss, werde auf dem bestehen, was das Gericht in seinem Beschluss schreibe: Dass die Verantwortlichen auf einen «grundrechtskonforme Ausgestaltung» des Strafvollzugs und der Verwahrung achten.

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