Unterwegs auf Abwegen

Ungewöhnliche Reiseführer zu Paris und Zürich bieten Touristen und Einheimischen viel Überraschendes.

Günther Liehr führt die Leser an weniger bekannte Orte in Frankreichs Hauptstadt: Blick auf das Geschäftsviertel «La Défense». Foto: ripmp4 (iStock)

Günther Liehr führt die Leser an weniger bekannte Orte in Frankreichs Hauptstadt: Blick auf das Geschäftsviertel «La Défense». Foto: ripmp4 (iStock)

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Es ist mit Reiseführern ein wenig so wie mit Wein: Jeder möchte etwas Besonderes sein, verspricht spezielle Blicke auf und hinter die Kulissen. Aber so, wie eben doch die meisten Winzer Blauburgunder und Riesling anbauen und sich an geschmacklichen Standards orientieren, ist die Mehrzahl der Reiseführer einander in Funktionalität und in dem, was sie Touristen empfehlen, recht ähnlich. Wenn es um Massentauglichkeit geht, gibt es eben eine bewährte Erfolgsformel.

Dem klassischen Aufbau weicht auch Günter Liehr nicht aus, in einem Dutzend Exkursionen erkundet er Paris. Nur ist es, und das macht seinen Band «Grand Paris» aussergewöhnlich, nicht das Paris aus Nôtre Dame, Eiffelturm, Louvre und Montmartre. Durch Eingemeindungen und eine Verwaltungsreform hat sich das Stadtgebiet Anfang 2016 massiv erweitert, Umlandgemeinden und die Hauptstadt werden fortan überdies in einer Metropolregion gemeinsam verwaltet. Liehr hat sich an diese neuen Stadtränder, in diese neuen Aussenbezirke begeben. Die bestehen keineswegs nur aus tristen Sozialsiedlungen. Auch der Seine-Abschnitt, in dem die Impressionisten viele ihrer bedeutenden Gemälde geschaffen haben, gehört nun zu Grand Paris. Wobei das dann schon wieder recht konventionell reiseführerhaft ist.

Spannend ist Liehrs Paris-Führer dort, wo es um rauere Viertel geht, um Gegenden im Umbruch, die das Bild der Stadt, das die Tourismuswerbung selbst gerne von Paris vermittelt, erst einmal nicht bestätigen. Und doch sind diese Areale nun Teil der Stadtplanung und Orte urbanistischer Grossprojekte. Auf längere Sicht werden sie das Paris-Bild sichtbar mitgestalten. Der Band bietet eine spannende Entdeckungsreise, die mitunter überraschend weit in die Vergangenheit der Stadt und ihres Umlands zurückreicht.

Mit Opern, aber ohne Fotos

Ins Herz der Stadt Zürich führt dagegen Peter Bührers «Zürich Insider Guide». Das Versprechen, die hippsten Plätze, Läden, Bars zu präsentieren, machen viele andere Reiseführer auch. Aber in diesem vom ehemaligen Spitzengastronomen konzipierten Wälzer verschmelzen Inhalt und Aufmachung: Mit grossem Stilwillen ist der «Inside Guide», der ohne ein einziges Foto auskommt, selbst als eine Zürcher Attraktion gestaltet. Er ist ziemlich cool illustriert, ausserdem verbindet er konsequent die analoge mit der digitalen Welt. Über viele QR-Codes bekommt der Leser zum einen tagesaktuelle Informationen, zugleich ergänzen etliche der Links den Band um 60 Stunden Bild- und Tonmaterial. Man kann sogar Opern hören oder einen Krimi. Beide Bücher ermöglichen einem auf ihre Weise, vom Touristen zum Reisenden zu werden und bieten im Falle von Zürich auch dem Einheimischen viel Überraschendes .

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 11.08.2017, 17:05 Uhr

Günter Liehr: Grand Paris. Eine Stadt sprengt ihre Grenzen. Rotpunkt Verlag, Zürich 2017, ca. Fr. 40.-

Peter Bührer: Zürich Inside Guide. Zürich Welcome Home, Zürich 2017, ca. Fr. 40.-

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