Zu teuer? – Passagiere verzichten auf Anrufe an Bord

Das Telefonie-Angebot der Swiss auf Langstreckenflügen wird kaum genutzt. Ein Grund dafür: Die Minute kostet 5.50 Euro.

Wird auf der Boeing 777 deutlich mehr genutzt als die Telefonie über Mobilfunk: Das Wi-Fi an Bord.

Wird auf der Boeing 777 deutlich mehr genutzt als die Telefonie über Mobilfunk: Das Wi-Fi an Bord. Bild: Nick Soland/Reuters

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Vor einem Jahr wurde die letzte Ruhezone geentert. Swiss erlaubt seither Passagieren auf ihren Boeing 777, die Mobiltelefone auch für Gespräche zu nutzen. Wer will, kann also aus 12'000 Meter über dem Nordatlantik nach Hause oder ins Büro telefonieren. Dennoch hört man bis anhin kaum Gespräche wie «Schatz, ich komme eine Stunde später» oder «Ja, Frau Möller, der Vertrag muss heute noch weg» an Bord.

Genaue Zahlen will die Lufthansa-Tochter nicht nennen. Aber eine Sprecherin erklärt, der Dienst werde im Gegenzug zum Versand von SMS und dem Datengebrauch zum Surfen «verhalten genutzt». Das mag einerseits an den hohen Kosten liegen. Wer in einer Swiss-Triple-Seven telefoniert, zahlt Roaming-Gebühren des Anbieters Aeromobile. Ein Anruf kostet dabei 5.50 Euro pro Minute. Angerufen zu werden, schlägt mit 2.80 Euro zu Buche. Zusätzlich dürfte die soziale Kontrolle an Bord wirken. Böse Blicke sind dem Telefonierenden wohl garantiert.

Bevölkerung hat klare Meinung

Umfragen in den USA haben denn auch wiederholt ergeben, dass die meisten Passagiere sich Flüge ohne Telefongespräche wünschen. Auch das Transportministerium in Washington, das sich bald zum Thema äussern muss, hat die Bevölkerung zum Thema befragt. Dabei kamen fast nur negative Stimmen zusammen. Das deckt sich mit der Meinung der Leserinnen und Leser von Aerotelegraf. In einer Abstimmung haben sie sich bisher mit 94 Prozent negativ geäussert.

Umfrage

Was halten Sie von der Telefonie an Bord?





Swiss geht mit dem Angebot bedeutend weiter als ihre Schwestern Lufthansa und Austrian Airlines. «Auf expliziten Kundenwunsch» sei Telefonieren an Bord nicht möglich, erklärten die Österreicher bei der Einführung von Wi-Fi an Bord. Und Lufthansa betonte wiederholt: «Telefongespräche über Mobilfunk werden nicht unterstützt. Internettelefonie wie Skype ist aus Rücksicht auf Mitreisende nicht erlaubt.»

Vor der Abschaffung?

Es könnte also durchaus sein, dass auch Swiss den Telefondienst bald wieder abschafft. Denn er wurde als Versuch für ein Jahr angelegt. Die Testphase läuft nun aber noch einige Monate weiter. «In den kommenden Monaten wird entschieden, ob wir weiterhin Telefonie an Bord anbieten werden», so die Sprecherin.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 26.03.2017, 18:00 Uhr

Kooperation

Weitere Themen aus der Welt der Airlines finden Sie auf Aerotelegraph.com.

Artikel zum Thema

Das bedeutet das Elektronikverbot an Bord von Flugzeugen

Auf bestimmten Flügen sind Laptops und Tablets ab heute unerwünscht. Die wichtigsten Fakten zum Thema. Mehr...

Telefonieren an Bord? Nein danke!

Das US-Transportministerium befragte mehr als 7000 Amerikaner zum Thema Handynutzung in Flugzeugen. Der Tenor ist eindeutig. Mehr...

Teures Internet im neuen Swiss-Flieger

Morgen landet zum ersten Mal eines der neuen Swiss-Flugzeuge. Gewisse Services sind ein teurer Spass. Mehr...

Bildstrecke

Das neue Baby der Swiss

Das neue Baby der Swiss Die Swiss-777 ist gelandet.

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Kommentare

Newsletter

Der ideale Start in den Tag

Sonntags bis freitags ab 7 Uhr die besten Beiträge aus der Redaktion.
Newsletter «Der Morgen» jetzt abonnieren.

Die Welt in Bildern

Ganz schön hart: Zwei Männer trainieren am Strand von Vina del Mar in Chile (19. September 2017).
(Bild: Rodrigo Garrido) Mehr...