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Zürichs ungewöhnlichste MuseenRein und staunen

Mitten in der Stadt eröffnet das erste Museum für optische Täuschungen. Der jüngste Zuwachs einer Gruppe von Häusern, die ein bisschen anders sind.

Sie macht es richtig: Posieren, fötelen lassen – und ab auf Insta damit!
Sie macht es richtig: Posieren, fötelen lassen – und ab auf Insta damit!
Bild: zvg

Als ich klein war, gabs ein Buch im Regal meiner Eltern, das ich immer wieder hervorzog: eines mit optischen Illusionen. Verrutschende Linien, kollabierende Perspektiven, Anamorphosen, Vexierbilder: Ich liebte das alles. Das Buch ist längst beim Zügeln verloren gegangen, aber ab sofort kann ich, wenn mir nach Sinnestäuschung zumute ist, an den Werdmühleplatz.

Grad neben dem städtischen Fundbüro (ob ich da mal nach dem Buch fragen sollte?), auf rund 400 Quadratmetern, auf denen bis vor kurzem Designmöbel verkauft wurden, haben sich Vanessa und Matthias Kammermann (er Ex-Unternehmensberater, sie Ex-Marketingfachfrau) ihren Lebenstraum erfüllt: ein Museum für optische Täuschungen. Seit die zwei auf einer Neuseelandreise zufällig auf ein solches stiessen (das war viel grösser, aber hey, Platz ist in Züri-City Geld!), liess sie die Erinnerung daran nicht mehr los.

Bis zur Unendlichkeit und weiter gehts in diesem
Bis zur Unendlichkeit und weiter gehts in diesem
Bild: zvg

Aus der Erinnerung wurde eine Vision, aus der Vision ein Plan, und jetzt, trotz Corona-bedingter Eröffnungsverzögerung, sind aus dem Plan zwölf Illusionsräume voller Spiegel, Farben und Muster geworden, in denen ungeniert gestaunt werden darf. Das gilt nicht nur für die Kleinen, wohlgemerkt. Wobei, klein und gross ist hier eh relativ beziehungsweise und im wahrsten Sinne des Wortes: eine Frage der Perspektive.

Jedenfalls wird sich kaum eine(r) der einlullenden Wirkung des mit 5000 LED-Lämpchen gespickten Kämmerchens entziehen können, in dem man sich fühlt, als gleite man durch Keanu Reeves’ Matrix. Oder versuchen Sie mal, das Gleich­gewicht zu halten auf der schiefgestellten, schräg gestrichenen Bühne. Wenns klappt, liegt sogar Jackos Lean-Move drin. Viel Spass beim Selfiesmachen! Und wenn Sie danach mehr unkonventionelle Museen besuchen möchten: wir haben unten unsere liebsten aufgelistet.

Wow-Museum, Werdmühlestr. 10
www.wow-museum.ch

Noch mehr exotische Museen

Alterthümer-Magazin

Vom Fensterrahmen bis zur Türklinke: Das Alterthümer-Magazin
Vom Fensterrahmen bis zur Türklinke: Das Alterthümer-Magazin
Bild: zvg

Für die gepflegte Zeitreise gibts keine hübschere Kulisse als das unterirdische kantonale Bauteillager. Tapeten aus Abrisshäusern, Vintage-Türklinken, Badewannen mit Löwenfüssen: Wer sich für Innenarchitektur interessiert, wird hier selig.
Sihlamtsstr. 4, www.denkmalpflege.zh.ch
Nur im Rahmen einer Führung zugänglich.Führungen jeden ersten Mi (18.30 Uhr) und Sa (14 Uhr) im Monat oder nach Vereinbarung.

Kulturama

Im Kulturama gehts durchs Ohr hindurch.
Im Kulturama gehts durchs Ohr hindurch.
Bild: zvg

Seit 1978 vermittelt das Museümli beim Hottingerplatz Wissenswertes rund um den Menschen. Gern auf Erlebnispfaden, auf denen Anfassen nicht nur erlaubt, sondern ausdrücklich erwünscht ist. Momentan geht die Reise vom Aussen- ins Innenohr, einmal den Gehörgang entlang.
Englischviertelstr. 9, www.kulturama.ch
Di–So 13–17 Uhr

Moulagenmuseum

Auch für Flechten hats Platz: Zwei Modelle mit Lupus vulgaris.
Auch für Flechten hats Platz: Zwei Modelle mit Lupus vulgaris.
Bild: zvg

Hautausschläge, Ekzeme, Püggeli und Co. geben in Form von Wachsmodellen (eben Moulagen) ein Madame Tussauds der etwas anderen Art ab. Wenn man sich erst einmal überwunden hat, hinzuschauen, ists geradezu brutal faszinierend.
Haldenbachstr. 14, www.moulagen.ch
Mi 14–18 Uhr, Sa 13–17 Uhr, Eintritt frei

Heimatschutzzentrum

Die Rokoko-Decke im Damenzimmer in der Villa Patumbah
Die Rokoko-Decke im Damenzimmer in der Villa Patumbah
Bild: zvg

Allein schon dieses Haus! Die historistische Villa Patumbah war mal das Wohnhaus eines Tabakmillionärs. Heute gehts darin um Landschaft, Baukultur und Handwerk. Ein ewiger Geheimtipp.
Zollikerstr. 128, www.heimatschutzzentrum.ch
Mi/Fr/Sa 14–17 Uhr, Do/So 12–17 Uhr

Zivilschutzmuseum

Die Krankenstation im Museum im Bunker.
Die Krankenstation im Museum im Bunker.
Bild: zvg

Oben zwitscherts, unten gehts um Bombensicherheit: Der Landenberg-Park in Wipkingen ist auch das Dach eines Rundbunkers – und der wiederum das einzige Zivilschutzmuseum der Schweiz.
Habsburgstrasse (gegenüber 17),
www.stadt-zuerich.ch/zivilschutzmuseum
Öffentliche Führungen finden viermal jährlich statt.
Nächster Termin: Sa 15.8., 14 und 16 Uhr.

Trammuseum

Das Trammuseum ist nicht nur für Nostalgiker.
Das Trammuseum ist nicht nur für Nostalgiker.
Bild: zvg

Trams sind langweilig? Chabis. Jeder, der schon mal im ÖV unterwegs war, weiss, dass hier die kurligsten Dinge passieren. Das war vor 100 Jahren nicht anders. Und niemand erzählt historische Anekdoten rund um die blau-weissen Waggons trockenhumoriger als Tram-Museum-Chefin Sarah Lüssi. Ihre Führungen sind Kult.
Forchstr. 260, www.tram-museum.ch
Mo / Mi / Sa / So 13–18 Uhr
Führungen nach Vereinbarung

Finanzmuseum

Hier erfährt man, welche Bedeutung der Schweizer Finanzplatz im täglichen Leben hat.
Hier erfährt man, welche Bedeutung der Schweizer Finanzplatz im täglichen Leben hat.
Bild: zvg

Der Wirtschaftsteil der Zeitung kommt bei Ihnen nur im Kompostkübel zum Einsatz? Aber eigentlich ists Ihnen doch etwas peinlich, dass Sie nicht wissen, was Aktienindizes genau sind? In Züri-West, wo 2017 das Museum mit Wirtschaftsfokus eröffnet hat, werden Sie geholfen.
Pfingstweidstr. 110, finanzmuseum.ch
Wiederöffnung am 10. Juli