Auf den Spuren von Casanova Hugo

Die Tiroler Zugspitz-Arena hat Wintersportlern viel zu bieten. Familienhits sind Schlitteln in der Nacht und Trekking mit Lamas.

7 Skigebiete, 56 Bergbahnen, 142 Pistenkilometer: In der Tiroler Zugspitz-Arena kommen Schneesportler auf ihre Kosten. Foto: Christoph Jorda

7 Skigebiete, 56 Bergbahnen, 142 Pistenkilometer: In der Tiroler Zugspitz-Arena kommen Schneesportler auf ihre Kosten. Foto: Christoph Jorda

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Über dem Tal steht still der winterliche Nachthimmel. Schnee sickert leise aus dem Schwarz. Undeutlich kommen die Flocken auf das Auge zu. Eine bleibt als winziger Glitzerstern für einen Augenblick auf dem Handschuh liegen, als würde dies etwas bedeuten. Kann durchaus sein, denn in Tirol zirkulieren die Schneeflocken etwas anders als bei uns. In der Ferienwoche im Januar schneit es fast ununterbrochen.

Doch die Stille findet ein schnelles Ende, am Hang droben herrscht buntes Treiben. Da ist was los! Man hört Kinder jauchzen, Lachen und fröhliches Rufen, und dann sieht man sie purzeln, Knirpse, die sich aufrappeln, sich wälzen, trudeln und kullern, laufen und springen, mit strahlenden Gesichtern. Dahin wollen wir! Zum Nachtrodeln am Marienberg. Hell strahlen die Scheinwerfer. Mit allem, was Kufen hat, gehts bergab, im Sitzen, Liegen und sogar im Stehen. Helm und Skibrille sind Pflicht.

Auch die etwas Grösseren haben Spass, warum sonst dieses Gedränge beim Lift? Jetzt sind wir dran! Auf dem Schlitten gehts zur Sache, er saugt Geschwindigkeit auf, als wäre sie sein Sauerstoff. Die Schlitten mit dem Nachwuchs überholen den Vater, er bleibt zurück im wirbelnden Schnee. Über dem ganzen Tumult schwebt mit stoischer Gelassenheit die Sesselbahn. Kommen Müdigkeit, Hunger oder Durst, hilft Otto’s Pistenposten unten neben dem Lift. Und wer sich fragt, wieso es «Otto’s» heisst, der frage nach dem Wirt, und wenn Otto erscheint, sieht man gleich: Das passt.

Kurze Wege

Natürlich muss Skifahren auch sein. Die Wege von Skigebiet zu Skigebiet in der Zugspitz-Arena sind kurz. Jeden Tag kann man anderswo fahren und braucht nur zehn Minuten Reisezeit. Die Arena liegt auf der österreichischen Seite der Zugspitze, nördlich des Fernpasses. Sie umfasst Orte wie Ehrwald, Lermoos, Bichlbach, Biberwier und Namlos. Die Zugspitze ist der Grenzberg zwischen Deutschland und Österreich und kann von beiden Seiten per Bahn erreicht werden. So ganz anders als anderswo ist der Wintersport hier nicht. Ohne Schneekanonen geht es nicht. Der Skilehrer versichert, es würden keine Stoffe beigefügt, man fahre sozusagen auf Bio-Schnee minus Stromverbrauch. «Das ist reines Trinkwasser.» Der Skilehrer wirft eine Handvoll Kunstschnee auf, und jeder Kristall glitzert wie ein Brillant. Ein bisschen anders ist es eben doch.

Ganz besonders für die Kleinen scheint in der Zugspitz-Arena alles zu stimmen. Ein Skirennen der Kinderskischule bei der Ehrwaldner Alm, wo die Sessellifte beheizt sind, verzeichnet 600 Startende. Die Wettersteinbahnen trumpfen auf mit einem Schliessbügel am Sessellift Sunracer, sodass Kinder unmöglich ins Rutschen kommen. Bei der Talstation befindet sich auch die Konfetti-Halle. Darin eine Kletterwand mit Felsoptik, wo die Kinder bei schlechtem Wetter über zwölf Meter hoch in den Turm klettern. Im Untergeschoss wartet eine richtige Turnhalle.

Im Tiroler Haus, oben auf der Ehrwalder Alm, eben für 11Millionen Euro neu gebaut, führt eine Rolltreppe in die untere Etage. Ein A-la-carte-Restaurant und ein feenhaftes Kinderparadies mit baumgrossen Pilzen im Zauberlicht warten. Vom Kaiserschmarrn bekommt man hier nie genug. Gut, wird er gleich mit Rezept serviert.

Die Erkenntnis aus dem Lama-Trekking im Schnee: Lamas haben vielleicht mehr Persönlichkeit als wir Menschen und ebenso komplizierte soziale Strukturen. In unserer Herde sind nur Männchen dabei, denn die Weibchen scheinen immer trächtig oder am Stillen zu sein. Unser Lama heisst Wicki. Ganz vorne schreitet ein Prachttier, gross und stolz. Die anderen laufen ihm nach. Bockt es, rühren sich die Gefährten auch nicht mehr.

«Aber», erklärt Martin, der Halter der Herde, «das ist nicht der Chef. Vorne geht immer derjenige, der Chef sein will, ohne es wirklich zu sein. Es ist Hugo, ein Casanova.» Hugo ist jung und schön braun. Martin zeigt auf den wahren Boss der Lamas. Der geht ganz zuhinterst. Er ist klein, kräftig, abgekämpft und hässlich. Ein Ohr ist abgerissen, die Zähne ragen aus dem Maul. Aber sein Blick ist respektheischend.

Lamas nehmen schnell Blickkontakt auf. Und geben ihn schnell wieder auf. Aber nach einigen Blickwechseln beginnen wir zu reden mit Wicki, und es ist klar, dass wir uns verstehen. Lamas sind Herdentiere, gehen dicht beisammen wie Menschen. Mit der Zeit wissen wir nicht mehr, gehören die Lamas zu uns oder wir zu ihnen?

Magische Momente

«Gemma! Sauft’s! Esst’s!» Sonst müssen wir alles auch noch zurück­tragen. Unser Platz für den Bau des Iglus liegt auf dem Berg im Wald auf der Grubigalm. Es schneit immer noch. Wenn Schneeflocke um Schneeflocke herabsinkt, Schneeblock auf Schneeblock zu heben ist, brauchts schon eine gesunde Arbeitseinstellung. Für die Kinder ist es aber auf jeden Fall eine lustige Sache, ein Schneehaus zu bauen, bei der man auch noch etwas lernt. «Passt scho», würden die Tiroler sagen.

Dass heisser Tee mit und ohne Rum verteilt wird, dazu Kümmelbrot, in das Gulasch gefüllt wird, tut allen gut. Drei Leute werden im tiefen Schnee eingeschlossen, man muss einen Tunnel graben und sie befreien. Der Höhepunkt: das Staunen im Innern des vollendeten Iglus, im grünlichen oder bläulichen Licht, wie unter der Kuppel eines Doms.

Die Ferien sind fast vorbei. Wir sitzen im Hotel vor der Heim­reise noch einmal zusammen in einer gemütlichen Stube. Es ist behaglich drinnen mit dem heissen Dampf um die Nase, während die Flocken draussen munter weiter tanzen. Ein wenig rühren wir im Glas mit dem Latte macchiato und an den Gefühlen. Die Wirtin kommt zum Abschied und erkundigt sich nach dem absolvierten Programm: Rodeln? Am Marienberg? Toll! Eine andere Bahn gibts noch im Wetterstein, beim alten Haus. «Habt ihr’s gsehn?» Ja, das machen wir dann im nächsten Jahr, sagen wir. «Schön», lacht die Wirtin, «dann mach’n mer’s zamma.»

Die Reise wurde unterstütztvon der Tiroler Zugspitz-Arena.

Erstellt: 21.11.2019, 23:03 Uhr

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Familienferien in der Tiroler Zugspitz-ArenaFamilienangebote

Anreise: Mit der Bahn via München, Garmisch-Partenkirchen

Mit dem Auto via Arlbergtunnel und Fernpass

Hotels: Leading Family Hotel & Resort Alpenrose, Lermoos, www.hotelalpenrose.at; Zugspitz-Resort, Ehrwald,www.zugspitz-resort.at

Skifahren: 142 Pistenkilometer und 56 Bahnen

Tagesskipass: Ehrwald/Lermoos/Biberwier; 2 Erwachsene und 1 Kind (bis 18 Jahre) 107.50 Euro, jedes weitere Kind 21.50 Euro.

Sonstige Aktivitäten: 110 Kilo­meter Langlaufloipen, 60 Kilo­meter Winterwanderwege

Allg. Infos: Tiroler Zugspitz-Arena, www.zugspitzarena.com

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