Die schönsten fünf Routen für Basler Kletterer

Die Juraflühe bei Basel gehören zum Feinsten, was die Schweiz für Sportkletterer zu bieten hat.

Der massive Kalkstein eignet sich hervorragend fürs Klettern. Fotos: Severin Karrer

Der massive Kalkstein eignet sich hervorragend fürs Klettern. Fotos: Severin Karrer

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Basels grüne Umgebung ist sanftes Auf und Ab. Mit Alpinismus hat das nicht viel zu tun, sollte man meinen. Doch der Schein trügt. Wer genau hinsieht, entdeckt immer wieder die grauen Schimmer der kompakten Juraflühe, die unauffällig aus den Wäldern ragen. Besonders im Frühling, wenn die Bäume ein dichtes Kleid haben, erkennt man die Jurafelsen oft erst, wenn man unmittelbar davor steht. Sie bieten formidable und schwierige Kletterei.

Frühling ist eine der besten Kletterzeiten im Jura: Alles erwacht zum Leben. Der Kletterer saugt die Vitalität des geschäftigen Walds in sich auf und projiziert sie an den Fels. So oder ähnlich. Jedenfalls ist Klettern im Frühlingserwachen im Basler Jura ein Hochgenuss.

Doch zuerst eine Warnung: Man freundet sich nicht unbedingt auf Anhieb mit der Basler Kletterei an. Schweizweit wird sie als technisch anspruchsvoll gefürchtet. Und hart bewertet ist sie auch: Wer andernorts eine 7a auf Anhieb drauf hat, kann hier durchaus an einer 6b scheitern. Es gibt interessante Deutungsversuche, wieso das so ist. Der einfachste: Es gab einen Übersetzungsfehler, als die Routen (die ursprünglich in der Alpinskala bewertet waren) in die französische Sportkletterskala übertragen wurden.

Doch das dürfte kaum die ganze Erklärung sein. Den Erschliessern entlockt man, dass Kletterer im Basler Jura durchaus auf die Welt kommen sollten. Als das Sportklettern in den 80ern und 90ern aufkam, war der Basler Jura eine der Hauptbühnen. 1984 wurde mit «Ravage» die weltweit erste Route im Grad 8b+/c geboren durch den Franzosen Antoine LeMenestrel – an einem unscheinbaren Felsen namens Chuenisbärgli.

Stets gab es eine gewisse Rivalität zu den Kletterszenen aus den Bergregionen. Dort wollte man die kleinen Juraflühe nicht so recht ernst nehmen – und hier hat man zur «Strafe» die Routen extra schwer bewertet. Dann lud man die fremden Kletterer ein und ergötzte sich daran, wenn sie sich die Zähne ausbissen. Die harte Bewertung dürfte also auch mit einem gewissen Napoleon-Komplex der Basler Kletterszene zusammenhängen. Auch wenn das so konkret nie ausgesprochen wird.

In diesem Sinne: fünf Empfehlungen für einen Kletterausflug im Basler Jura: (detaillierte Informationen gibt es in den beiden Filidor-Führern «Plaisir Jura» und «Jura Extrem». Sowie im Standardwerk «Fluebible»).

Gempen: Der Klassiker

Die Felsen der Schartenfluh erheben sich zuoberst am Gempen über die Stadt.

Die Felsen zuoberst an Basels Aussichtshügel gehören zu den wenigen im Basler Jura, die schon von weitem sichtbar sind. Es ist eines der beliebtesten Gebiete, hier erlebt man die schönsten Sonnenuntergänge mit Aussicht sowohl zur Stadt, als auch zu den Bergen. Die einzelnen Sektoren bieten Routen in allen Schwierigkeiten (4a–7c), vor allem Anfänger und Fortgeschrittene werden hier fündig, Cracks weniger. Speziell zu erwähnen sind das «Sunnebödeli»: ein kleines Podest, von wo aus eine Vielzahl exzellenter Routen and Tropfsteinstrukturen startet. Und als Tipp für Fortgeschrittene: «Duck and Cover» (7a): eine herrliche Kante, die im besten Abendlicht rosa leuchtet!

Pelzmühletal: Die Familienadresse

Das «Pelzli» ist ein lauschiges Tal, in dem die Felsen verstreut liegen. Eine Vielzahl an Feuerstellen und ein Bächli macht es zum idealen Familiengebiet. Einige kurze und einfache Routen sind ideal für Kinder und Anfänger. Aber auch die technisch anspruchsvollen, teils sogar sehr schwierigen Klassiker für die ambitionierten Eltern fehlen nicht. Am «grossen Daumen», einem frei stehenden Pfeiler, ist man in drei Seillängen sogar fast ein bisschen alpin unterwegs.

Rappenfels: Bei Regen gut

Die Kletterhalle ist für den begeisterten Outdoorkletterer nur bei übelstem Schlechtwetter eine Altnernative. Solange es geht, zieht er die echten Felsen vor. So klettert man am Rappenfels auch bei ordentlichem Regen dank eines Überhangs noch recht lange im Trockenen. Das bedeutet allerdings nicht, dass die Routen hier nur stark überhängend wären. Sie verlaufen meist senkrecht bis leicht überhängend und bleiben trocken dank eines Dachs, das sich zuoberst schützend erhebt. Die Route «Putzfrau» gilt als Genussroute im moderaten Grad (6a), danach widmet man sich eher schwierigem Gelände. Zum Beispiel in der wunderbaren «Noël et Cyprien» (7a) oder gar in den ganz harten Nüssen wie «Voici» (7c) oder «Salut Phil» (8a+).

Schauenburg: Bei Hitze gut

In der Schauenburger Fluh bietet vor allem mittlere Schwierigkeiten.

Der Felsriegel der «Schaue» ist nach Südosten ausgerichtet. Sobald die Temperaturen steigen und es an der direkten Sonne allmählich zu heiss wird, klettert man hier im wohltuenden Schatten ab dem Nachmittag. Die Routen gehören mit bis zu 40 Metern zu den längsten im Basler Jura. Vor allem die mittleren Schwierigkeiten sind hier vertreten, sie erfordern zwar etwas Ausdauer, dafür weniger technische Kleinarbeit. Denn die Felsen sind hier zum Teil reich strukturiert mit interessanten Tropfsteinformationen. Ein Muss ist die Route «Es raschelt im Blätterwald» (6a), die sich durch eine Serie von gut greifbaren Stalaktiten in die Höhe windet.

Falkenflue: Das Kultgebiet

Mehr als 200 Routen mittleren bis schwierigen Grades.

Rund 500 Meter erstreckt sich der massive Kalkriegel der «Falke» über dem Laufental. Es gibt hier über 200 Routen, vornehmlich in mittleren bis schwierigen Graden. Die Kletterei ist hier mal fein und technisch, dann wieder grosszügig an Löchern und Leisten. Dass es eines der beliebtesten Gebiete ist, erkennt man am teils polierten Fels. Doch davon soll man sich nicht abschrecken lassen – spätestens, wenn die Abendsonne die Felsen in unwirkliches Orange taucht (das sogenannte «Falkenglühen»), hat man sich in diesen Felsriegel verliebt. Als moderater Klassiker gilt die majestätische Verschneidung «Piazza Grande» (6b), und für Fortgeschrittenere: «Zelot» (7a) – eine kleine Reise im Löcherkalk.

Nachwuchskletterer Philipp Geisenhoff versucht sich an der Route «Im Reich des Shogun» am Tüfletenfels. Video: Actiontalk TV (Youtube)

Erstellt: 25.04.2019, 14:58 Uhr

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