Gerüstet für mieses Wetter – und die Zukunft

Winterferien im Walliser Skiort Champéry lohnen sich auch bei schlechter Witterung. Im Multisportzentrum könnte man gar auf einen früheren Eiskunstlaufstar treffen.

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Während der lang ersehnten Skiferien gibt es kaum delikatere Momente als diesen: Die Familienunterkunft ist bezogen, der Skipass gekauft, der Nachwuchs drängt auf die Skipiste, doch die Temperaturen sind über Nacht angestiegen. Vor der Unterkunft im Talgrund regnet es, starker Wind weht. An Ski- oder Snowboardfahren ist nicht zu denken. Die Kinder zürnen. Was tun?

Vor derartigen Widerwärtigkeiten ist natürlich auch Champéry nicht gefeit. Der Unterwalliser Wintersportort liegt auf lediglich 1050 Meter über Meer, am Fuss der Schneesportarena Portes du Soleil, dem grössten zusammenhängenden Skigebiet der Welt, mit Pisten in der Schweiz und in Frankreich.

Im Palladium vergnügen sich Einheimische und Touristen gleichermassen, nicht nebeneinander, sondern miteinander.

Zwar erreicht man mit der Seilbahn vom Dorfzentrum aus in fünf Minuten 2000 Meter Höhe, aber an Tagen, an denen es im Tal regnet und im Gebirge stürmt, sind eben Alternativen gefragt. Palladium heisst in Champéry der Zufluchtsort bei schlechtem Wetter. Im Multisportzentrum herrscht immer Leben. Man kann sich problemlos mehrere Tage hier vergnügen.

Die 1300 Einwohner zählende, im Val d’Illiez gelegene Gemeinde Champéry hat im Palladium diverse Sportwelten unter einem Dach vereint: ein Schwimmbad, eine Eis- und Curlinganlage, eine Mehrzweck- und Kletterhalle und einen Fitnessraum. Familien auf Abenteuersuche können sich im Palladium auch in einen «Escape Room» einschliessen lassen, um zu versuchen, sich anhand einer Geschichte in detektivischer Arbeit innert 60 Minuten aus dem Raum zu befreien.

Lambiel und seine Schüler

Im Palladium untergebracht ist sogar ein Hotel. Zimmer und Frühstück sind einfach, aber gerade Familien finden hier alles, um sich auszutoben. Das Faszinierende am Palladium: Hier treffen und vergnügen sich Einheimische und Touristen gleichermassen, nicht nebeneinander, sondern miteinander.

Die Vorzüge des Palladiums hat auch der ehemalige Spitzeneiskunstläufer Stéphane Lambiel für sich entdeckt. Wer Glück hat, kann ihn beim Unterrichten beobachten. Regelmässig bringt er Eiskunstlaufschüler aus aller Welt nach Champéry, um hier an Sprüngen und Choreografien zu feilen. Im Bergdorf organisiert er auch Eisshows fürs grosse Publikum, etwa am 27. Dezember.

Für Eltern und Kleinkinder, die auf Ski erste Abfahrten und Kurven wagen, bietet das Palladium einen weiteren Vorteil. Im Aussenbereich ist der Kid’s Club, die Skischule für Anfänger, untergebracht. Das Restaurant des Palladium liegt direkt über dem Kid’s Club. Beim Kaffee können Eltern beobachten, wie ihre Kinder auf dem Rollband auf den kleinen Hügel gleiten und Sekunden später hangabwärts flitzen. Skilehrerinnen und Skilehrer bringen dem Skinachwuchs Kurventechniken bei und sorgen mit Znüni und Zvieri für gute Laune.

Für höhere Ansprüche wartet bei der Bergstation Croix de Culet mit dem Baby Planachaux ein weiterer Kinderskilift. Die dazugehörenden Pisten sind flach und wenig befahren. Das Highlight für die Eltern: Gleich unterhalb des Baby Planachaux liegt das Restaurant La Croix de Culet mit grosser Terrasse und spektakulärer Aussicht auf die Bergkette Les Dents du Midi. Der ganze Stolz der Restaurantcrew besteht darin, dass sie kein klassisches Alphüttenessen, sondern gehobene Gastronomie mit gepflegtem Service bietet. Das Croix de Culet verfügt sogar über einen eigenen Weinkeller. Der Lokalpatriotismus ist nicht zu übersehen: Sämtliche Weine auf der Karte sind Erzeugnisse aus dem Wallis. Die Winzer liefern ihre Weine im Herbst jeweils in grossen Mengen an und kellern sie auf 2000 Meter über Meer ein.

Das Skigebiet Portes du Soleil ist im schweiz-, ja weltweiten Vergleich grandios. Aber der Tourismus im Wallis ändert sich. Die hiesigen Destinationen haben jahrzehntelang praktisch ausschliesslich vom Wintertourismus gelebt und die restlichen drei Jahreszeiten komplett vernachlässigt. Wegen des Klimawandels und angesichts dessen, dass die Gletscher gewissermassen vor den Augen der Walliser wegschmelzen, müssen die Manager der Skistationen umdenken. Beschneiungsanlagen helfen zwar, aber beseitigen das Problem des fehlenden Schnees nicht grundsätzlich.

Auch Champéry ist daran, sich zunehmend als Ziel für Frühlings-, Sommer- und Herbst­ferien zu positionieren. Nach dem Ende der Skisaison beherbergt das Dorf jeweils während einiger Tage das über die Landesgrenzen hinaus bekannte Humorfestival Maxi-Rires. Jeden Abend strömen gegen 2000 Besucherinnen und Besucher an den Anlass. Doch ein solcher Event allein genügt natürlich nicht. Champéry setzt daher hauptsächlich auf Natur- und Abenteuerferien, mit Angeboten wie Klettern, Canyoningtouren, Hochseilgärten, Bogenschiessen und Downhill per Trottinett.

Alle machen mit

Alle Kräfte im Tal werden ein­gebunden, auch die lokale Wirtschaft. Im Val d’Illiez hat die Milchgenossenschaft La Cavagne einen Reifekeller und eine Schaukäserei gebaut, die zum festen Tourismusangebot gehört. Und auch die lokalen Gastronomen machen mit, etwa der Koch Antoine Guilleux und seine Partnerin Aurélie Lavinson. Sie führen nicht nur eine Bar und das Restaurant Le Nord, sie bieten auch eine Filmreihe an. Der rote Faden im letzten Winter: Filme über Kochen und Essen.

Aurélie Lavinson und Antoine Guilleux wollen das Dorf beleben, für Einheimische und Touristen. Das Paar ist sich einig: «Champéry wird der Wandel zum Vierjahrestourismusort gelingen.» Denn: Die Gemeinde hat in ihrer Geschichte grosse Hungersnöte durchlitten. Die Einwohner verdingten sich gar zeitweise als professionelle Schmuggler, um der wirtschaftlichen Misere zu trotzen. Die Bergler mussten stets kämpfen. Diese Mentalität ist ihnen geblieben.

Die Reise wurde unterstützt von der Tourismusregion Dents du Midi – Portes du Soleil.

Erstellt: 19.12.2019, 18:21 Uhr

Riesiges Pistenangebot

Anreise: Mit dem Zug via Lausanne oder Lötschberg/Visp nach Aigle, weiter mit dem Regionalzug nach Champéry. www.sbb.ch

Skigebiet Port du Soleil: 650 Pistenkilometer, 94 Bahnen und 102 Skilifte.

Preise: Tagespass: Erw. ab 64 Fr.; Kinder ab 48 Fr., 5-Tages-Pass: Erw. ab 271 Fr., Kinder ab 203 Fr. www.skipass-pds-ch.ch

Unterkünfte für Familien: Boutique-Hotel Beau-Séjour, gepflegtes Haus mit speziellen Familienzimmern, www.beausejour.ch; Hôtel Palladium im Sport- und Kulturzentrum, Gratiszugang zu Pool und Eishalle, www.palladiumdechampery.ch.

Restaurants: Im Dorfkern von Champéry gibt es zahlreiche Restaurants z. B. Le Nord, www.lenord.ch; Le Farinet, www.lefarinetchampery.ch; Restaurant at Home, www.athome-champery.ch/

Allg. Infos: www.regiondentsdumidi.ch

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