Schneeschuhwandern – Entschleunigung pur

Wem der Rummel auf den Skipisten zuwider ist, findet Ruhe auf einsamen Schneeschuhpfaden.

Wer möchte hier nicht die ersten Spuren hinterlassen? Winterlandschaft in Arosa. Foto: PD

Wer möchte hier nicht die ersten Spuren hinterlassen? Winterlandschaft in Arosa. Foto: PD

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Immer mehr Menschen haben es satt, sich im Skigebiet in die Gondel zu pressen und danach vor dem Sessellift Schlange zu stehen. Sportlich aktiv kann man auch auf Schneeschuhen sein. Man stapft durch unberührte Landschaft, legt eigene Spuren oder folgt einem Pfad. Zudem bestimmt jeder sein eigenes Tempo, je nach persönlicher Kondition. Und den Marsch durch die Landschaft gibt es erst noch gratis und franko. Mittlerweile gibt es von leichten Schneespaziergängen bis zu strengen Touren für alle Levels interessante Routen. Wir stellen sieben davon vor


  • Prätschalp, Arosa Maran (GR)
Strecke: Route 597, 4 Kilometer Zeit: rund 2 Stunden Höhendifferenz: Aufstieg 160 Meter, Abstieg 160 Meter Kondition: leicht Fernab vom Rummel auf den Skipisten vom Hörnli bis zum Brüggerhorn taucht man bei Maran oberhalb von Arosa in die Stille ein. Erst recht, wenn man schon ein Stück auf dem Schneeschuhpfad gestapft ist und durch den tiefverschneiten Wald streift. Da ist selbst das Fallen des Schnees von den Bäumen zu hören. Ein paar Höhenmeter weiter ist man wieder auf offenem Gelände, wo sich der Schnee wie ein Glitzerteppich ausbreitet. Nun hat man den Blick über das Schanfigg und in die Bergwelt von Arosa. Winzig klein erscheint der Weiler Medergen auf der anderen Talseite. Die unberührte Schneelandschaft führt weiter zu den kleinen Seelein vor dem Ober Prätschsee. Hier ist auch der höchste Punkt. Dann heisst es nur noch geniessen: Der Pfad führt nun sanft bergab nach Maran.


  • Cardada – Cimetta (TI)
Strecke: Route 954, 5 Kilometer Zeit: ca. 3 Stunden Höhendifferenz: Aufstieg 380 Meter, Abstieg 380 Meter Kondition: mittel Wer die Möglichkeit hat, sollte jetzt gleich die Schneeschuhe einpacken und nach Locarno fahren. Denn so oft liegt auf dem Locarneser Hausberg nicht so viel Neuschnee, damit man die rund dreistündige Rundtour von Cardada über Cimetta und wieder zurück unter die Füsse nehmen kann. Oberhalb der Wallfahrtskirche Madonna del Sasso steigt man in Orselina in die rote Gondel und lässt sich in nur fünf Minuten 1000 Meter hinaufbringen. Ab der Bergstation führt der Pfad anfangs noch durch den Wald, dann ab der Alp Cardada mehrheitlich durch offenes Gelände Richtung Cimetta. Wer da ins Schnaufen kommt, hat einen guten Grund, immer wieder einen Zwischenhalt einzulegen und den Blick über das Locarnese und bei guter Sicht bis zum Matterhorn im Westen und im Süden zu den Ligurischen Alpen schweifen zu lassen. Das Spezielle daran? Man sieht den tiefsten Punkt der Schweiz mit dem Wasserspiegel des Lago Maggiore und den höchsten mit der Dufourspitze.


  • Panorama Trail, Zermatt, Rotenboden-Riffelberg (VS)
Strecke: 3 Kilometer Zeit: ca. 1,5 Stunden Höhendifferenz: Aufstiege 30 Meter, Abstiege 260 Meter Kondition: leicht Dieser Anblick brennt sich wohl manchem auf ewig in die Erinnerung ein: das Matterhorn auf der spiegelglatten Wasseroberfläche des Riffelsees. Aber auch im Winter, wenn der See gefroren ist, lohnt es sich, in Zermatt die Gornergrat-Bahn bis zur Station Rotenboden auf fast 2800 Metern über Meer zu nehmen. Dort beginnt nämlich der fast ebene Panorama Trail. Anfangs verläuft der Weg wie eine Schlaufe Richtung Riffelhorn. Wenn man die kleine Anhöhe erreicht hat, bevor der Weg in lockeren Kurven hinunter nach Riffelberg führt, hat man das mächtige Horu, wie die Einheimischen ihren Hausberg nennen, noch ein Stück näher; er ist fast zum Greifen nah. Und auch das Obergabelhorn, das Weisshorn und noch einige Gipfel mehr. Wenn dann ein paar Wolken am Himmel aufziehen, sieht das umso spektakulärer aus, weil sie die Bergwelt immer wieder in ein neues Licht rücken.


  • Corvatsch Lake Trail, Sils im Engadin (GR)
Strecke: Route 565, 4 Kilometer Zeit: ca. 2 Stunden Höhendifferenz: Aufstieg 220 Meter, Abstieg 220 Meter Kondition: leicht Der Lake Trail startet bei der Mittelstation Furtschellas in Sils i.E. auf 2312 Metern über Meer. Erst muss man noch eine Skipiste überqueren, aber danach bewegt man sich ostwärts in fast unberührter Winterlandschaft. Nach dem steilen Anstieg geniesst man bereits einen schönen Ausblick auf die gefrorenen Seen im Tal und auf die markanten Spitzen des Corvatsch-Massivs. Doch es wird noch imposanter, etwa bei Punkt 2456. Danach geht es erst in flachem, dann in leicht abfallendem Gelände über eine weite Schlaufe zur Ustaria Rabgiusa. Sie befindet sich etwa in der Hälfte des Rundwegs und bietet eine ideale Verschnaufpause. Auf dem Rückweg passiert man nach einer sanften Steigung bis zum höchsten Punkt der Route einige der «Lejins», die in diesem Gebiet liegen und nach den häufig vorkommenden Kristallen der Gegend benannt sind. Danach geht es nur noch bergab zum Ausgangspunkt bei der Mittelstation Furtschellas.


  • Iffigfall Trail, Lenk im Simmental (BE)
Strecke: 11 Kilometer Zeit: ca. 5 Stunden Höhendifferenz: Aufstiege 380 Meter, Abstiege 380 Meter Kondition: schwer Auf dieser Schneeschuh-Wanderung steht das Thema Wasser im Mittelpunkt. Sie führt anfangs noch auf dem präparierten Winterwanderweg dem Rohresee entlang. Der flache, weite Talboden eignet sich als Einlaufstrecke, denn nach dem Überqueren des Iffigbachs in der Oey geht’s steil hinauf ins Gebiet Teufebode. Dann geht die Route durch abwechslungsreiches Gelände dem Iffigbach taleinwärts bis ins Gebiet Pöschenried. Das letzte Stück führt hinauf zum Iffigfall direkt in den schattigen Talkessel. Hier erwartet einem ein imposantes Naturspektakel, donnern doch über eine 100 Meter hohe Felswand die Wassermassen des Iffigfalls in einen Kessel. Der Rückweg geht auf gleicher Strecke zurück an die Lenk.


  • Obertrübsee Engelberg (OW)
Strecke: 5 Kilometer Zeit: ca. 2,5 Stunden Höhendifferenz: Aufstiege 260 Meter, Abstiege 260 Meter Kondition: mittel In Engelberg nimmt man die Gondel nach Trübsee, wo man bereits eine herrliche Rundsicht auf eisige Gletscher und den Titlis erhält. Beim Berghotel Trübsee startet der Trail und führt bergab bis zum Trübsee. Hier verläuft die Route entlang des Sees, der im Sommer mit seinem smaragdgrünen Gletscherwasser bezaubert. Davon sieht man leider im Winter nichts. Weiter geht es über einen Moränenhügel zum Chrützhubel, von wo man ein wunderbares Panorama über das ganze Tal, den Spannort und den Titlis bekommt. Via Bitzihütte gelangt man zur Bergstation des Bähnlis Älplerseil. Dort führt die Route in einem grossen Bogen via Bitzistock zurück zum Ausgangspunkt, wo man mit dem Titlis Xpress bequem ins Tal hinunterfährt.


  • Hemberg-Ennetbühl (SG)
Strecke: Route 719, 9 Kilometer Zeit: ca. 5 Stunden Höhendifferenz: Aufstiege 660 Meter, Abstiege 740 Meter Kondition: schwer Ausgangspunkt dieser Schneeschuhwanderung ist das schmucke Gratdorf Hemberg auf 945 Metern über Meer, das zwischen Thur und Necker liegt und früher als Höhen- und Luftkurort bekannt war. Gestartet wird beim grossen Wegweiser Gäwis, oberhalb der katholischen Kirche von Hemberg. Anfangs führt die Route leicht bergab zur Mistelegg, danach stetig bergauf bis zum höchsten Punkt, der Gössigenhöchi (1434 Meter über Meer). Nicht nur von hier aus hat man den Säntis, den höchsten Berg im Alpstein, als ständigen Begleiter im Blickfeld. Man passiert immer wieder einzelne Höfe, typisch für die Toggenburger Streusiedlungen. Aber auch diverse knorrige Bergahornbäume, die vor mehreren Jahrhunderten zur Stabilisierung der Hänge gepflanzt wurden, stehen am Weg, der nun stetig bergab nach Ennetbühl führt.

Erstellt: 17.01.2020, 20:14 Uhr

Artikel zum Thema

Die besten Schweizer Schlittelbahnen für Familien

Lachend den Berg hinuntersausen: Schlitteln ist das perfekte Wintererlebnis für Gross und Klein. Mehr...

Erste Schritte zur Freiheit im Schnee

Wintersport abseits der Pisten birgt Tücken. Hier können sich Einsteiger für Skitouren und Freeriden aufwärmen. Mehr...

Auf den Spuren der Speed-Queen

Die erfolgreiche Skirennfahrerin Tina Weirather erlernte einst selbst den Stemmbogen in Malbun. Noch immer sind Familien im ­Liechtensteiner ­Winterparadies gut aufgehoben. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Service

Ihre Kulturkarte

Abonnieren Sie den Carte Blanche-Newsletter und verpassen Sie kein Angebot.

Kommentare

Die Welt in Bildern

Man soll die Feste feiern, wie sie fallen: Menschen in «Txatxus»-Kostümen nehmen am traditionellen ländlichen Karneval in Lantz, Nordspanien, teil. (24. Februar 2020)
(Bild: Villar Lopez) Mehr...