Von der Piste in die Therme

Als der Pizol noch Piz Sol hiess, gehörte er zu den Giganten im Schweizer Wintertourismus. Das Skigebiet von Bad Ragaz ist nach wie vor grossartig.

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«Unglaublich, dieses Panorama», schwärmt der Skifahrer bei der Mittagsrast in der Pizolhütte. Der Russe ist aus Deutschland angereist. Eigentlich hatte er das Bündnerland angepeilt, entdeckte aber die Schönheit des Pizols – und blieb. Nun liegen ihm die Bündner Herrschaft und das Rheintal zu Füssen, von Malans bis zum Bodensee.

Man steht im besten Schnee, 1700 Meter tiefer schlängeln sich Eisenbahnen und Autos durchs Braun-Grün der Felder und Wälder. Dank dem nordwärts strömenden Fluss, den beidseits aufragenden Bergen und den Dörfern mutet die Landschaft an wie ein Modellbaurelief.

Auf dem Pizol lässt man die Alltagswelt ein paar Stunden hinter sich. Oder eben zehn Tage, wie der Mann aus Moskau. Er löffelt zufrieden eine Gerstensuppe, bevor er nach einem Schwatz mit dem Kellner talwärts kurvt. Die Kette der Churfirsten und die Alviergruppe vor sich, drüben die Vorarlberger und Bündner Gipfel.

Glorreiche Vergangenheit, drohender Konkurs

Das Skigebiet Pizol besteht eigentlich aus zwei Teilen – aus dem Rücken, der nach Wangs hinunterführt, und den Pisten, die Richtung Pardiel weisen, erreichbar ab der Talstation Bad Ragaz. Sie sind seit dem Jahr 2000 durch einen Schlepplift verbunden. Die Zubringer wurden aber 2007 aus Kostengründen beinahe geschlossen, der Konkurs drohte. Doch nach der Hiobsbotschaft fanden sich Investoren; die Pizolbahnen konnten gerettet werden.

Seit 1954 transportieren diese Wintersportler in die Höhe – die Geschichte des Skibergs reicht aber noch viel weiter zurück. Bereits um 1900 zog das Gebiet Tourenfahrer an, die in der Schwarzbüel-Berghütte und ab 1915 in der SAC-Hütte übernachteten. Unter den frühen Tourenfahrern galt der Pizol als absolute Top-Destination: «Wenn jemand fragt, welches die drei am meisten besuchten und am längsten bekannten Schweizer Skiberge mit den grössten Abfahrten seien, so antworten wir: Parsenn-Weissfluh, Piz Sol und Titlis. König aber ist der Piz Sol mit seiner 2400 Meter langen Abfahrt», liest man im Jahrbuch des Schweizer Skiverbands, das vor 101 Jahren erschienen ist.

«Als Free­rider bleiben wir immer auf dieser Seite.»Drei Buben oberhalb von Wangs

Heute kann man die 1700 Höhenmeter der Abfahrt ohne anstrengenden Aufstieg geniessen. Moderne Gondeln und Lifte erschliessen das Skigebiet zwischen dem Start bei der Pizolhütte auf 2227 Meter über Meer bis hinunter nach Wangs, falls die Talabfahrt geöffnet bleibt. Aber auch wenn die Schneeverhältnisse das Skifahren nur bis Maienberg auf 1045 Höhenmetern erlauben, brennen die Oberschenkelmuskeln. Denn die Pisten auf der Wangser Seite sind nicht bequeme breite «Autobahnen», sondern recht sportlich.

Das sehen auch drei Buben so: «Wir fahren nie Richtung Bad Ragaz ab. Wir sind eben Free­rider, darum bleiben wir immer auf dieser Seite», meldet der eine selbstbewusst und gleitet mit seinen Freunden auf hinten und vorne aufgebogenen Ski zur Sesselbahn, die das unternehmungslustige Trio nach Gaffia transportiert.

Das gastronomische Angebot auf dem Pizol ist vielfältig. Zehn Bergrestaurants stehen zur Auswahl, und bei einigermassen sonnigem Wetter sind alle gut besetzt. Zuoberst thront die Pizolhütte. Der Kellner ist begeistert von seinem luftigen Arbeitsort: «Ich würde nie mit einem Job im Fünfsternhotel im Tal tauschen. Die Stimmung ist gut, und abends nach einem schönen Tag falle ich müde ins Bett.»

Fondue am Pistenrand selber zubereiten

Wechselt man mit den Ski auf die Bad Ragazer Seite, kommt man am Laufbodenstübli vorbei, dem urchigsten Lokal am Berg, mit ausgestopftem Auerhahn und Graffiti an den Wänden. Das modernste Lokal ist das Panoramarestaurant Edelweiss in Pardiel, auch abends ein beliebter Treffpunkt, die Bahn fährt bis 22.30 Uhr. Wer das Brot lieber tagsüber ins Fondue tunkt, kann bei den Pizolbahnen einen Fonduerucksack mieten, mit Kocher und sämtlichen Zutaten, vom Rechaud über Brot und Käse bis zum Weisswein. Mit dem Caquelon setzt man sich dann irgendwo in den Schnee. Auch Fussgänger können das Angebot nutzen.

«Mein Freund behauptete, hier gebe es nur blaue Pisten», sagt eine Anfängerin, die lachend im Schnee liegt. «Ich habe die Kontrolle verloren, aber es ist nichts passiert.» Auf Bad Ragazer Seite sind die Pisten breit und bieten ungetrübten Skigenuss. Bilderbuchmässig mutet an, wie Fahrer und Fahrerinnen im Gegenlicht über die Piste 12 von Laufböden nach Pardiel sausen. Auf der schwarzen Piste Richtung Schwamm merkt man, dass bald der Abend anbricht. Die Skifahrer sind müde und entsprechend vorsichtig. In den Steilhängen sitzen deshalb manche im Schnee und legen eine Pause ein.

Runter vom Schnee, ab ins warme Wasser

Richtig gut ausruhen können sie sich im Wellness-Dörfli in Pardiel. Hier wurde in einer alten Gondel ein Hotpot eingerichtet. Oder sie fahren gleich ins Tal, wechseln von der weissen in die blaue Welt und krönen den Skitag im warmen Wasser der Tamina-Therme. Dort erholen sich die strapazierten Muskeln vom Tagwerk. In unterschiedlich warmen Pools im Innen- und Aussenbereich der lichten Therme mag man gerne relaxen, ebenso in der Sauna. Jede Stunde wird hier ein spezieller Aufguss zelebriert; die Gäste schwitzen um die Wette und applaudieren dem Saunameister.

Der Beifall gilt aber auch dem gelungenen Wintertag, der seinen Anfang mit dem Genuss des Panoramas genommen hat.

Die Reise wurde unterstützt von Heidiland Tourismus.

(Redaktion Tamedia)

Erstellt: 16.11.2018, 10:15 Uhr

Infos und Tipps

Anfahrt: Mit dem Auto oder ÖV bis Wangs oder Bad Ragaz; weiter mit dem Bus zu den Talstationen der Pizolbahnen.

Skipässe: Tageskarten Erwachsene ab 55 Fr., Kinder ab 27.50 Fr.; wetterabhängige Tageskarte, auf Basis der SRF-Prognose bis 7 Tage im Voraus buchbar: Vergünstigungen 15 bis 50 Prozent, je nach Wetterlage.

Pauschalangebote:


  • Ski & Therme: Tageskarte & 2 Std. Eintritt in Tamina-Therme, Erw. ab 69 Fr., www.taminatherme.ch

  • Fondueplausch im Schnee: Fonduerucksack für 2 Personen; 69 Fr. ohne Tageskarten, 169 Fr. mit Tageskarten. Anmeldung erforderlich: Tel. 081 300 48 30, info@pizol.com


Allg. Infos: www.pizol.com; www.heidiland.com


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