Alle Spuren führen nach Seefeld

Das Tiroler Hochplateau ist bald Schauplatz der Nordischen Ski-Weltmeisterschaften. Wir haben das Teamhotel von Swiss Ski und die Loipen getestet.

Die Trassees der Loipen sind so breit wie Autobahnen, aber nur selten so flach wie beim Seekirchl in Seefeld im Tirol. Foto: PD

Die Trassees der Loipen sind so breit wie Autobahnen, aber nur selten so flach wie beim Seekirchl in Seefeld im Tirol. Foto: PD

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Von der Seefelder Langlaufloipe geniesst der Wintersportler einen guten Blick auf die riesigen, furchteinflössenden Schanzen. Es ist der Moment, in dem die Beine trotz der heftigen Anstiege plötzlich nicht mehr schmerzen. Man ist einfach nur froh, sich fürs Langlaufen entschieden zu haben und das Skispringen den Cracks zu überlassen.

Vom 19. Februar bis 3. März ist Seefeld im Tirol Gastgeber der nordischen Ski-Weltmeisterschaften. Wir sind zum Selbstversuch hier und wollen wissen: Wo und wie wohnt die Schweizer Mannschaft? Wie sieht ein Wettkampftag aus? Welche Loipen locken?

Das Hotel: Müesli vor dem Einschlafen

Natürlich hat Swiss Ski nicht blind ein Hotel im Internet gebucht. Jeder weiss, wie wichtig es ist, dass die Unterkunft den Bedürfnissen der Wettkampfteilnehmer entspricht. Die Sportler müssen sich wohlfühlen, Zimmer, Essen, Infrastruktur und Umgebung sollten passen. «Wir wollten die Schweizer, und die Schweizer wollten uns», sagt Sebastian Rödlach, Inhaber des Alpenhotels Karwendel. Das Haus liegt in Leutasch, 15 Autominuten von Seefeld entfernt, weit genug weg vom WM-Trubel. Als Adults-only-Hotel bietet es Ruhe, als Anti-Stress-Resort gleich zwei Wellnessabteilungen.

Zum Training waren die Schweizer Athleten bereits hier. «Es war ein sehr entspanntes Miteinander. Auch Dario Cologna ist ein ganz normaler Typ. «Rödlach musste nur einen Sonderwunsch erfüllen und als zusätzliches Nachtessen um 22 Uhr Birchermüesli servieren. «Wahnsinn, wie viel die Langläufer essen.» Rödlachs Erfahrungen mit den stets aufs Körpergewicht achtenden Skispringern: «Die Teller kommen halb voll zurück.»

Der Wettkampftag: Im roten Bereich

Heute wollen wir auf die Loipe. Für den Selbstversuch hat Swiss Ski Fragen der SonntagsZeitung beantwortet. Daher ist bekannt, dass die Schweizer Langläufer mit Porridge, Bananen, Brot und Konfitüre in den Tag starten – gibt es alles am Buffet. «Müesli nehmen wir selbst mit», heisst es vom Verband. Unsere Aufwärmrunde startet am romantischen Seekirchl in Seefeld und führt in Richtung Stadion. Flaches Gelände, wir fühlen uns locker und beschwingt – bis zur Wettkampfsimulation über die 15 Kilometer, der kürzesten Männerdistanz. Der einzige Gegner ist die Uhr, und das Ziel lautet: ohne Pausenstopps durchkommen und eine halbwegs ordentliche Zeit hinlegen.

Das Alpenhotel Karwendel, das die Schweizer Mannschaft beherbergen wird, befindet sich weit ab vom WM-Trubel in Leutasch. Bild: PD

Bald merken wir, dass es nur ums Durchhalten geht und die Uhr wurscht ist. Trotz Schneckentempo an den Anstiegen verharrt der Pulsmesser im roten Bereich. Die Energiespeicher sind schnell leer. Wir hätten halt doch eine Portion vom Schweizer Geheim-Müesli gebraucht. Am Ende kann von einem Sprint, wie man ihn aus dem Fernsehen kennt, nicht die Rede sein. Man schleppt sich Richtung Ziel und plumpst hinter der Linie wie ein nasser Sack in den Schnee.

Wir beherzigen den Rat von Swiss Ski, sogleich in trockene Kleider zu schlüpfen, und fahren ins Hotel zurück. Dort startet der angenehme Teil des Wettkampftags. Die Schweizer Nordischen haben eigene Physiotherapeuten dabei, wir sind mit der «Karwendel Active», der Vorzeigemassage des Hotels, vollauf zufrieden. Zum Thema Abendessen rät Swiss Ski: «Ausgewogen, um die Energiespeicher wieder aufzufüllen.» Wir entscheiden uns für alle sechs Gänge und rätseln, wie man danach noch einen 22-Uhr-Müesli-Snack erträgt.

Die Loipen: Nur rauf oder runter

Seefeld wirbt mit einem Langlaufnetz von 260 Kilometern. Es gibt Loipen für Nachtschwärmer und Hundehalter sowie ein weltweit einzigartiges Rettungssystem für Verletzte. Die beiden Schleifen, auf denen die WM-Läufe stattfinden, sind so breit wie Autobahnen. Die längere, blaue Runde misst fünf ­Kilometer, führt gen Süden Richtung Seewaldalm. Auf der gegenüberliegenden Seite hetzen die Langläufer auf 3,75 Kilometern durch den rot ausgeschilderten Kirchwald. Laut Vorgaben des internationalen Verbands müssen zwingend Anstiege der Kategorie A mit mindestens 30 Höhenmetern am Stück angelegt sein. «Auf den ­WM-Loipen gibt es keine flachen Abschnitte. Es geht nur rauf oder runter», erklärt Peter Schwandl, der die Grossveranstaltung mitor-ganisiert.

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Er und seine Mitstreiter haben Trassen verlegt, ungünstige Loipen dichtgemacht und neue Spuren durch den Wald gezogen. Eine breite Brücke über die Bundesstrasse ersetzt die alten, engen Unterführungen. Einige schwie­rige Anstiege lassen sich umfahren. «Touristenvarianten», nennt Schwandl die Alternativen und verspricht: «Am meisten profitieren unsere Gäste von der WM.» Noch wichtiger als die Loipen­optimierung ist in Schwandls ­Augen das neu installierte Beschneiungssystem. Im Zentrum der Langlaufarena können die Seefelder alle 60 bis 100 Meter Schneekanonen anwerfen, die das Wasser von einem Speichersee beziehen.

Der Austragungsort: Pionier beim Spuren

Der Tiroler Ferienort zählt zu den ältesten Langlaufdestinationen im Alpenraum. Bereits in den 60er-Jahren legte man in der Region ein Loipennetz an, das heute Seefeld mit den umliegenden Dörfern Leutasch, Scharnitz, Mösern und Buchen verknüpft. Als 1964 und 1976 in Innsbruck die Olympischen Winterspiele gastierten, fanden die nordischen Wettkämpfe im Wesentlichen in Seefeld statt. 1985 war das Tiroler Hochplateau Austragungsort der Nordischen Ski-WM. Walter Frenes hat alle drei Veranstaltungen als Tourismus-Chef erlebt und erinnert sich an die ersten Versuche: «Wir hatten ein Snowmobil in Kanada gekauft und einen Mann mit Ski drangehängt.»

Später wurde der lebende Loipenspurer durch Bleiplatten ersetzt, und irgendwann brachte Frenes eine Firma dazu, ein Spurgerät zu bauen. Damals versuchten die Seefelder, einen Volkssport mit sanftem Image zu etablieren. «Wir haben es Skiwandern getauft, weil Langlauf im TV zu brutal rüberkam.» In den Jahren zwischen den Olympischen Spielen von Innsbruck tourte Frenes in Sachen Langlauf durch die Alpen, um Mitstreiter zu gewinnen. «Ich reiste nach Davos und St. Moritz, weil ich wusste, dass wir es allein nicht schaffen. Die Schweizer haben sofort mitgemacht und uns Support geliefert.»

Die Reise wurde unterstützt vom Tourismusverband Seefeld und der Tirol Werbung

(SonntagsZeitung)

Erstellt: 02.02.2019, 16:57 Uhr

Ein Eldorado für die Langläufer

Anreise: Mit Auto via Feldkirch, Arlberg bis Ausfahrt Seefeld. Bahn: Mit RailJet ab Zürich bis Innsbruck, umsteigen nach Seefeld. www.sbb.ch

Unterkunft: Alpenhotel Karwendel (Leutasch): DZ/HP ab 192 Fr. Diverse Langlauf-Angebote mit Privatlehrer, Ausrüstung, Massage inkl. DZ/HP ab 1075 Fr. p.P. Woche. www.karwendel.com; Hotel Zum Gourmet (Seefeld): DZ/HP ab 213 Fr. Verschiedene Langlauf-Pauschalen mit Training, 5 Nächte inkl. HP. ab 713 Fr.; www.zumgourmet.at

Langlaufen: Loipen: klassisch (140 km) und Skating (116 km); Nachtloipen: Seefeld Mösern (3,4 km), Alpenbad Leutasch (0,4 km), täglich 17 bis 20 Uhr; Hundeloipe: Loipe A2 in Seefeld-Lenerwiese (1,9 km), klassisch und Skating: Biathlon: Nordic-Zentrum (30 Schiessstände)

Langlaufschulen: Cross Country Academy: Gruppenkurs (3 x 120 min) 111 Fr., Privatunterricht: 73 Fr./Stunde, www.xc-academy.com; Weitere: www.ski-seefeld.at, www.skisportaktiv.at, www.skischule-leutasch.at, www.skischule-moesern.com

Allg. Infos: www.seefeld2019.com; www.seefeld.com

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