Ein malerisches Quartett

Die 4-Seen-Tour hoch über dem Ötztal ist anspruchsvoll – belohnt die Wanderer aber mit fantastischen Aus- und Einblicken.

Im Frühsommer endlich blau: Der Weisse See. Foto: Lukas Ennemoser

Im Frühsommer endlich blau: Der Weisse See. Foto: Lukas Ennemoser

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Der Empfang fällt herzlich aus. Heisser Kaffee und Hüttenwirt Manfred Kubik sorgen dafür. Beim Händeschütteln freut er sich wie ein kleines Kind, das sich gerade für ein Geschenk bedankt. «Willkommen am schönsten Fleck auf Erden.»

Die Hauerseehütte hoch über dem Ötztal im Tirol ist eine Herzensangelegenheit für den Mann mit den kräftigen Armen. Neue Gäste führt er sofort ins Haus, ums Haus, zum See, zu den Sehenswürdigkeiten. Einst stand hier eine Hütte, die schon Strom hatte, als unten im Tal noch Petroleumlampen funzelten. Vor 70 Jahren riss eine Lawine alles fort, geblieben sind Mauerreste und kleine Kanäle. Heute steht an dieser Stelle ein schnuckeliges Häuschen, das sich ganz flach an den See duckt. Es ist eine Selbstversorgerhütte mit Charme, sauberen Lagern, akkurat gefalteten Decken und heimeliger Küche. Sogar eine Dusche gibt es im Freien. «Die Harten springen in den See, um sich den Schweiss abzuwaschen.»

Der Hauersee ist das grandiose Finale einer kräftezehrenden Gebirgstour. Der Weg zieht sich steil nach oben, führt über ein Joch, das den Blick freigibt auf die Gletscher und die steil abfallenden Wände. Wanderer müssen kräftig zupacken und sich an Stahlseile klammern. Dabei wurde die Tour entschärft, ein schroffer Gipfel aussortiert, an den sich viele nicht herantrauten. Die Höhepunkte der Wanderung befinden sich alle jenseits der 2000-Meter-Marke. Aber es sind keine Grate und Gipfel, sondern Bergseen: Plattachsee, Weisser See, Spitzigsee und Hauersee heissen die Stars.

Tiefes Wasser bietet den Fischen Schutz

Sie sind auch die Lieblinge von Monika Mitterwallner. Die Wanderführerin zieht jede Woche mit einer Gruppe durch das Halbrund aus steilen Bergflanken und Schotterfeldern. «Ich liebe diese Arena», sagt Mitterwallner. So sehr, dass sie auch nach der Saison aufsteigt, im Oktober und manchmal gar im November. Aber Monika muss nachsehen, ob die Fischchen im Plattachsee noch munter schwimmen. Der liegt auf 2500 Meter über Meer, und die Tiere überleben nur, weil das tiefe Wasser im Winter Schutz vor der Kälte bietet.

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Ganz anders der Spitzigsee: Seicht und flach und manchmal auch im Spätherbst noch so warm, dass Monika die Wanderschuhe auszieht und wie ein Storch durchs Wasser watet, um die heiss gelaufenen Füsse abzukühlen. Der Weisse See ist ihr im Frühjahr am liebsten, wenn Eis auf der Oberfläche treibt und das Wasser ganz milchig aussieht. Da trifft es sich gut, dass Monika auch im Mai nach dem Rechten sieht, um zu checken, wie die Wege nach dem Winter in Schuss sind.

Trampelpfade im unwegsamen Gelände

Die geführten Wanderungen starten immer im Juni, wenn der Schnee geschmolzen ist. Bleibt noch der Hauersee, den die Wanderführerin zu ihrem Liebling gemacht hat, weil dort immer eine heisse Tasse Kaffee auf sie wartet. Mit dem Wollgras blüht auch ihr Herz auf. «Die 4-Seen-Tour ist fantastisch, weil jede Jahreszeit neue Reize setzt.» Im Ötztal gibt es sogar eine eigene Veranstaltung zu Ehren von Plattachsee, Weissem See, Spitzigsee und Hauersee. Der 4-Seen-Marsch richtet sich an Trail- und Bergläufer, die im Sauseschritt die steile An- und Abstiege nehmen.

Edith Zell gehört zu den schnellsten Frauen im Tal und hat den Lauf zuletzt 2016 gewonnen. «Ich geniesse es voll, in dieser schönen Natur zu trainieren.» Schon als Kind war sie mit den Eltern hier oben unterwegs. Damals war die 4-Seen-Tour noch auf keiner Karte eingezeichnet. Die Einheimischen legten Trampelpfade ins unwegsame Gelände, um von einem Gewässer zum nächsten zu gelangen. Der Vater zeigte Klein-Edith beim Abstieg vom Hauersee die ulkigsten Gestalten unter den Arven, die zwei oder drei Stämme haben und krumm und bucklig wachsen. Danach müssen sich Wanderer nur noch zwischen der Stabele- und der Innerbergalm entscheiden. Beider-orts gibt es kräftigen, heissen Kaffee. Nur oben auf der Hauerseehütte schmeckt er noch besser.

Anreise: Zug via Buchs SG nach Ötztal. Unterkunft: Wellnesshotel Therme Längenfeld, DZ ab 274 Euro, www.aqua-dome.at; www.oetztal.com



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Erstellt: 21.06.2019, 17:10 Uhr

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