Glück auf dem Zauberteppich

Kappl im Paznauntal liegt nur wenige Kilometer vom Party-Eldorado Ischgl entfernt. Aber die Uhren laufen im Tiroler Bergdorf anders. Hier geniessen Familien entspanntes Wintersportvergnügen.

Flaxi statt Halligalli: Im österreichischen Kappl animiert ein Maskottchen die Kinder zum Aufwärmen.

Flaxi statt Halligalli: Im österreichischen Kappl animiert ein Maskottchen die Kinder zum Aufwärmen. Bild: Christian Schreiber

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Vaters letzte Fahrt auf einem Zauberteppich liegt bestimmt zwei Jahrzehnte zurück. Trotzdem besteht die Tochter auf der Begleitung von Papa, der sich etwas widerspenstig auf das Transportband stellt. Die kleine Sportlerin hat schon am ersten Skitag ihres Lebens gelernt, wie man auf dem langsamen Gummifliessband zurechtkommt. Es bringt kleine Leute mit kleinen Ski verlässlich kleine Hügel hoch. Aber der Vater soll sich bitte mal draufstellen, damit er mitkriegt, was der Nachwuchs alles leisten muss, während er sich auf und abseits der Pisten im Tiroler Kappl vergnügt. Das Fazit am Tagesende ist positiv: Tochter glücklich, Eltern glücklich. Dies sollte das Ziel jedes Ferienaufenthalts mit Familie sein. Doch beim alpinen Skifahren ist die Herausforderung diesbezüglich sehr gross. Denn es könnte einiges schief­gehen in den verschneiten Bergen: Das Skigebiet ist zu gross und unübersichtlich, die Kinderskischule zu weit entfernt von den normalen Pisten. Im Unterricht tummeln sich zu viele Kinder bei zu wenigen Skilehrern, es existieren weder Aufwärmbereiche noch Kinderbetreuung, und Alternativen zum täg­lichen Skifahren sind nicht in Sicht.

Im österreichischen Kappl, das seit Jahrzehnten auf Familienferien spezialisiert ist, kennt man diese Defizite nicht. Das Örtchen klebt am Hang, 100 Meter oberhalb der Hauptstrasse, die sich durch das Paznauntal schlängelt. Arlberg und Silvretta-Gipfel lugen herüber, im Süden grüssen die Bündner Berge. Nur wenige Kilometer entfernt beginnt die Partyhölle Ischgl. Kappl ist der ­Gegenentwurf zum europabekannten Halligalli-Paradies und vermarktet sich als entspannte Alternative.

Mit einer gemütlichen Vierergondel schweben die Wintersportler ohne Anstehen und Massenauflauf vor den Kassen hinauf zum Sunny Mountain, wie die PR-Leute die Pisten rund um die Ablittköpfe getauft haben. An schönen Tagen grüsst die Sonne dank der südlichen Ausrichtung des Gebiets bereits frühmorgens, wenn man die Bahn an der Mittelstation auf 1850 Metern über Meer verlässt. Hier stossen Skifahrer auf ein Areal mit Kinderpiste, Skikarussell, Schneehöhlen, Iglus und Wellenbahnen. Zu Beginn der Kurse taucht das Maskottchen Flaxi auf und macht mit Nachwuchs und Eltern ein paar Aufwärmübungen – auch das ist eine neue Erfahrung für Skifahrer, die sich sonst direkt vom Lift die Piste hinunterstürzen. Ab jetzt sind die Kinder wenigstens zwei Stunden gut versorgt. Eltern, die länger für sich bleiben wollen, buchen das Paket mit Mittagsbetreuung und Nachmittagsskikurs oder geben die Kleinen im Kindergarten der Mittelstation ab. Für die Erwachsenen heisst es jetzt: ab in den Schnee.

Ein Funpark für Freerider

Kappl bietet auf 40 Pistenkilometern Spass und Abwechslung. Die Pisten sind verhältnismässig steil und anspruchsvoll. Die bekannteste ist die Lattenabfahrt, die zunächst auf acht Kilometern zur Zwischenstation auf der Huisleralm führt und sich dann weiterzieht ins Tal. Derart lange Pisten finden sich in den Ostalpen eher selten. Tourenfahrer wagen sich auf die Route Blanka, die einige anspruchsvolle Steilhänge mit fantastischer Panoramasicht erschliesst. Ausserdem arbeiten die Manager des Skigebiets eifrig am Aufbau eines zweiten Standbeins: Seit einigen Jahren lockt man Freerider mit einem Funpark, der von der Community in den einschlägigen Bewertungsportalen wohlwollende Noten erhält. Einmal im Jahr reisen sogar die Tiefschneeprofis nach Kappl, um beim Open Faces Freeride Contest Quali-Punkte für die World Tour zu sammeln. Eltern bieten sich genügend Möglichkeiten, ihren skifahrerischen Neigungen nachzugehen, bevor sie die Kids in Empfang nehmen und mit ihnen zum Mittagessen gehen.

Wer den Imbiss aus dem Rucksack holt, muss sich nicht verschämt in eine Ecke des Restaurants setzen und hoffen, nicht erwischt zu werden. Denn ein eigener beheizter Raum steht Selbstverpflegern zur Verfügung. Der Nachmittag ist in der Regel dem familiären Skierlebnis gewidmet. Eltern mit Skihasen zwischen den Beinen bevölkern den kurzen Hang. Rückwärtsfahrende Väter haben den Nachwuchs im Blick und fangen die kleinen Piloten auf, wenn deren Fahrt zu rasant wird.

Kinder lernen schnell

Es ist schon erstaunlich, wie schnell Kinder auf der Piste Fortschritte erzielen. «Schau mal Papa, wie ich Pizza machen kann.» Die Pizzaschnitte hat die gleiche Form wie der Pflug, das V des Ski-Anfängers. Am dritten Tag lernen Kinder, wie man Kurven fährt. Nicht auszudenken, welches Niveau sie nach einem Wochenkurs erreichen würden.

Doch einer Vierjährigen sollte man etwas weniger zumuten. Es lohnt sich, skifreie Tage einzubauen – angesichts der Alternativprogramme wie der Schlittelbahn kein Problem: Vater hinten auf dem Davoser, Tochter vorne. Die Formation muss mehrmals stoppen und Schnee und Eis aus dem Gesicht wischen. Der anfängliche Respekt vor der rasanten Geschwindigkeit wandelt sich bald in grenzenloses Vergnügen und ins Verlangen nach Wiederholung. Immerhin muss man den Schlitten nicht zu Fuss nach oben ziehen, das übernimmt die Bergbahn. Fräulein Tochter lässt sich nur mit Aussicht auf eine weitere Attraktion vom Schlitteln weglocken: Schlittschuhlaufen. Dafür ist eine kurze Autofahrt ins Nachbardorf See vonnöten. Mitten im Ort blitzt das Eis eines kleinen Sees, der im Sommer die Baderatten anzieht, im Winter aber Spass auf schmalen Kufen garantiert.

In der beheizten Hütte können die Gäste, die aus dem ganzen Tal anreisen, Schlittschuhe ausleihen, Glühwein trinken oder Schoggiriegel für ausgepowerte Töchter kaufen, die unbedingt eine weitere Runde auf dem Eis drehen wollen. «Ein Mal noch» ist der Spruch, den man hier am häufigsten hört. Aber warum sitzt Papa im warmen Häuschen und wagt sich nicht auf den glatten Untergrund? Die Ausrede, man habe diesen Sport im letzten Vierteljahrhundert sträflich vernachlässigt, zieht nicht. «Den Zauberteppich hast du ja auch ­wieder gemeistert», sagt die Kleine und schubst den Vater in Richtung Schlittschuh-Mietstation.

Die Rache folgt am kommenden Tag. Das Skifahren läuft alles andere als rund, obwohl man sich jetzt auskennt auf den Pisten von Kappl. Doch zwei fiese blaue Flecken an Oberschenkel und Rücken schränken die Beweglichkeit ein. Zum Glück zeigt die Tochter Erbarmen und schickt den Papa nachmittags vor dem nächsten Kufenspass umgehend in die Glühweinhütte.

Die Reise wurde unterstützt vom Tourismusverband Paznaun-Ischgl.

Erstellt: 04.02.2016, 09:11 Uhr

Leckeres Fasten vor 007-Kulisse

Die beschneiten Hügel der Gegend waren schon in «Spectre» zu sehen. Doch im Kurhotel Vivamayr in der Steiermark geht es vor allem ums Entgiften.

Von Bettina Winterfeld

Morgens um sieben scheint die Welt noch in Ordnung. Der Blick auf die wildromantische verschneite Bergkulisse und den glitzernden Altaussee davor verspricht einen ungetrübten Langlaufvormittag. Einmal um den See herum – und schon dürften wieder ein paar Pfunde purzeln. So hofft man, denn bis zum nächsten Sommer muss der Bauch wieder zum Bikini passen.

Doch dann wird einem der Gedanke an den im Schnee dahinschmelzenden Winterspeck erst einmal versalzen. Und zwar im wörtlichen Sinne – der Tag im Vivamayr beginnt mit einem Glas Glaubersalz. Das mineralhaltige Wasser aus der örtlichen Heilquelle schmeckt nicht nur grausig, sondern ist auch auf ungemütliche Weise anregend. Doch weil es einem guten Zweck dient: Ex und hopp! Und dann rasch ins Badezimmer.

Zum Frühstück gibt es Kräutertee und Yoga anstatt Cappuccino und Croissants. Spätestens jetzt entpuppt sich das holzverschalte Designresort im österreichischen Salzkammergut als durch und durch puristisches Kurhotel. Auch wenn das beim Lümmeln in den kuscheligen Ohrensesseln der lichtdurchfluteten Lobby kaum vorstellbar ist.

Dösen in der Moorpackung

Salz auf den Lippen, Salz auf der Haut: Ob im Sole-Dampfbad, auf der glucksenden Schwebeliege oder beim seligen Dösen in einer Sole-Moorpackung – das «weisse Gold» aus den umliegenden Bergen spielt fast überall eine Hauptrolle. Apropos Hauptrolle, auch im jüngsten James-Bond-Film «Spectre» kommt Altaussee in der Steiermark vor. Hier wurde die Szene gedreht, in der der verschneite Holzschopf in die Luft fliegt.

Das im Frühjahr 2015 eröffnete Vivamayr liegt nicht nur in der Nähe der Filmlocation, sondern vor allem dort, wo vor 140 Jahren der Spiritus Rector der legendären F.-X.-Mayr-Kur geboren wurde: Der Arzt Franz Xaver Mayr war schon früh überzeugt, dass viele Zivilisationsleiden durch eine gründliche Darmreinigung und gesunde Essgewohnheiten kuriert werden können. Heute heisst das neue Zauberwort der Wellness- und Gesundheitsbranche Detox, und damit erlebt auch die gute, alte Kur von Mayr eine Renaissance.

Detox fürs Jaggers Gefährtin

Im Vivamayr wird sie mit Hightechmedizin und alternativen Heilmethoden kombiniert. Unter den ersten Gästen des Gesundheitsresorts sind auffallend viele Engländer, unter ihnen eine lebhafte, trotz Fältchen jung gebliebene Dame aus London, die einst mit Rolling-Stones-Star Mick Jagger um die Häuser zog. Wie andere Gäste macht auch sie die Erfahrung, dass es sich lohnt, einen genussreichen Lebensstil immer mal wieder mit einer soliden Entgiftung auszugleichen. Das steigere die «Satisfaction» erheblich, schmunzelt sie.

Womit wir zu den sonnigen Seiten des salzigen Lebens zurückkehren. Selten schmeckt Fasten so gut wie im Vivamayr: Küchenchef Martin Stein schafft es, trotz strenger ärztlicher Vorgaben eine hervorragende Diätküche zu zaubern. In seinem Backstage-Workshop verrät der Spitzenkoch zudem, wie einfach sich seine raffinierten Randen-, Artischocken- oder Kürbiskernaufstriche zubereiten lassen.

Das Ärzteteam unter Sepp Fegerl kümmert sich nicht nur mit fachlicher Kompetenz, sondern auch mit echtem Engagement um die diversen Zipperlein, die während einer solchen Kur noch einmal trotzig aufflammen, bevor sie mitsamt den Speckröllchen das Weite suchen. Und so steht der «bella figura» in der kommenden Badesaison kein Bäuchlein mehr im Weg.

Vivamayr Altaussee, DZ ab 326 Fr. exkl. Diät, Medikamenten und medizinischer Behandlungen. www.vivamayr.com

Kappl

Tipps und Informationen

Anfahrt: Mit dem Auto: ab Schweizer Grenze über Feldkirch, Arlberg und Landeck nach Kappl. Mit dem Zug: über Buchs SG, Arlbergtunnel, Landeck; weiter mit dem Bus, www.sbb.ch

Unterkunft: Hotel Dorfstadl****S, Kappl: DZ inkl. Frühstück ab 156 Euro, www.hoteldorfstadl.at
Hotel Post****, Kappl: DZ 178 Euro, www.post-kappl.at

Skifahren: Im Paznauntal gibt es vier grosse Skigebiete: Ischgl-Samnaun (238 Pistenkilometer) ist das grösste; Galtür, Kappl und See umfassen je ca. 40 km. Der Silvretta-Skipass gilt für alle Gebiete und kostet für zwei Tage 101 Euro. Tageskarte Kappl ab 37.50 Euro.

Kinder: Skischule: Halbtageskurs für Kinder bis 5 Jahre: 32 Euro, www.schischulekappl.at. Kindergarten im Sunny-Mountain-Gebäude: Ganztagesbetreuung 11 Euro, mit Ver­pflegung: 17 Euro. www.kappl.com

Schlitteln: 6-km-Strecke: Ticket 11 Euro.

Eislauf in See: Mi–So 17 bis 21 h, Erwachsene: 4 Euro, Kinder: 3 Euro. Mietgebühr Schlittschuhe: 2 Euro. www.see.at

Allgemeine Infos:
www.paznaun-ischgl.com, www.kappl.com

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