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Im Tal der Geniesser

Das Skigebiet Alta Badia in den Dolomiten ist zu einem Reiseziel für Promis geworden. Hier benutzen sie einen Pferde-Lift und essen in der Hütte Spaghetti mit Jakobsmuscheln.

Italien mal anders: Skifahrer vor der Sellagruppe. Foto: Udo Bernhart
Italien mal anders: Skifahrer vor der Sellagruppe. Foto: Udo Bernhart

Eine Piste wird leicht zum Verhängnis, wenn sie steil abfällt, viel Schnee liegt oder der Nebel am Berg klebt. Aber heute geniessen wir beste Sicht, sausen über das mittelschwere Terrain – und müssen trotzdem höllisch aufpassen. Denn viele Skifahrer kreuzen gedankenlos das Trassee, blicken nach links und nach rechts, nur nicht auf die Piste. Die Lagazoi-Abfahrt in Alta Badia in Südtirol zählt zu den schönsten im Alpenraum. Flankiert von Felsen, cruisen die Wintersportler durchs märchenhafte Gelände, schauen hinauf zu den imposanten Wänden der Dolomiten, die im Sonnenlicht gelb schimmern. Die Skifahrer und Snowboarder konzentrieren sich auf die grossartige Umgebung, nur nicht auf die eigene Spur.

Die Piste ist dicht bevölkert, obwohl Ein- und Ausstieg zu dieser Traumabfahrt mit Hindernissen verbunden sind: Zunächst muss man auf einen Bus warten, der die Passagiere über Serpentinen zum Falzarego-Pass bringt. Er trennt Südtirol vom Veneto. Oben angekommen, ist wieder Geduld gefragt, bis ein Platz im Bauch der kleinen Gondel hinauf zum Gipfelplateau frei ist. Als Belohnung winkt die einmalige Abfahrt. Zum Schluss wird sie aber flach, die Wintersportler müssen kräftig schieben, bis sie an einem Sammelplatz landen. Von dort lassen sie sich mit tierischer Hilfe zurück ins Skigebiet ziehen: Der Traino Cavalli besteht aus zwei Pferden, einem Kutscher und 40 angeseilten Skifahrern. Ein charmantes Intermezzo, bevor man sich wieder die Pisten hinunterstürzt.

Eine zweistündige Mittagspause

Der Rest von Alta Badia gilt als hochmodernes Skigebiet im Herzen der Dolomiten – mit 53 Liften und Bergbahnen. Wie ein Spinnennetz spannen sie sich über 130 Pistenkilometer zwischen 1400 und 2700 Meter über Meer. Das Herzstück unterhalb der Pralongià, frequentiert von Skifahrern aus La Villa, Corvara und Sankt Kassian, besteht aus breiten, relativ einfachen Carving-Pisten. Wer es sportlicher mag, wählt die Routen am Piz Boè und die Weltcupabfahrt Gran Risa. Oder steigt gleich ins berühmte Ski-Abenteuer Sella Ronda ein, das 500 Pistenkilometer verspricht.

Die Dimensionen und die bezaubernde Landschaft liefern gute Gründe, um sich von der Schweiz aus auf den langen Weg nach Alta Badia zu machen. Klassische Italien-Argumente kommen hinzu: mehr Sonnenstunden, mildere Temperaturen und ein erstaunlich hohes gastronomisches Niveau in den Hütten. Die Italiener meiden Buffets und stehen nicht gerne Schlange im Verpflegungslokal. Für den Apéro gehts erst mal an den Tresen, am Tisch warten schwere Speisekarten und Bücher voller Weinempfehlungen. Die Mittagspause dauert hier zwei Stunden, aber niemand macht Stress – ausser die Deutschen, die ihre Skipässe maximal ausfahren wollen.

Im La Perla hört man viele Sprachen, trotzdem sind die Mitarbeiter angehalten, auch Ladinisch zu grüssen

Das Genussthema ist auch im Tal angesagt: In Alta Badia leuchten vier «Michelin»-Sterne – ziemlich viel für eine so übersichtliche Gegend. Innerhalb weniger Jahre ist die einst abgeschiedene Region zum Reiseziel für Reiche und Promis geworden. Hier schütteln sich ­George Clooney und Tom Cruise schon mal die Hand. Die Moderne hat die Häuser, Hotels und Küchen erreicht. Aber Erneuerung und Tradition ergänzen sich. Als die Gourmettempel Einzug hielten im Tal, fassten die Bauern den Mut, in der heimischen Stube ladinische Gerichte zu servieren.

Kochkurse für Feriengäste

Erika Pitscheider geht noch weiter und veranstaltet auf ihrem Sotciastel-Hof am Rande von Badia Kochkurse für Feriengäste. Ihre Küche ist im Winter der einzige dauerhaft beheizte Raum des Hauses. Hier werkeln italienische Hausfrauen und Hobbyköche aus Österreich an Teigtaschen. Stromherd und Induktionskochfeld sind Fremdwörter für Erika. Sie füttert die Kochstelle mit Holz, während die Gäste Mehl, Milch und Ei verkneten. Beim Ausrollen der Teigfladen ist die Gastgeberin pingelig, zieht jeden zweiten zur Nachbearbeitung zu sich rüber, bevor Sauerkraut, Spinat oder Mohn auf die Fladen wandern, sie zugeklappt und frittiert werden. Manchmal macht die Bäuerin mit den Gästen, unter die sich gelegentlich Gourmetköche aus dem Tal mischen, auch Knödel, Spätzle oder Schlutzkrapfen, wie eine lokale Art der Ravioli genannt wird.

Die Spitzenköche schauen genau hin. So bekommt man in der Stüa de Michil, einem der Sternerestaurants in Corvara, die Teigtaschen mit ladinischer Gerstensuppe. Auch das touristische Erfolgsprogramm «Gourmet-Skisafari», bei dem verschiedene Hütten in Alta Badia je ein von einem Sternekoch kreiertes Gericht offerieren, wurde angepasst. Die neue Vorgabe: Die Rezepte müssen konsequent auf den Traditionen der italienischen Küche basieren und regionale Einflüsse berücksichtigen. Dieses Jahr kommen also Südtiroler und süditalienische Spezialitäten auf die Teller. So wird beispielsweise Angelo Sabatelli, Küchenchef des gleichnamigen Restaurants in Monopoli, Spaghetti mit Jakobsmuscheln an einer Marasciuolo-Rüben- Sauce zubereiten.

Begrüssung auf Ladinisch

Im Spannungsfeld zwischen Tradition und Moderne befinden sich auch die Hotels in Alta Badia. Sie müssen der Kundschaft internationalen Luxus bieten, etwa das Hotel La Perla im Ortskern von Corvara, direkt von der Skipiste aus zu erreichen. Im La Perla hört man viele Sprachen dieser Welt, trotzdem sind die Mitarbeiter angehalten, auch Ladinisch zu grüssen – in einer dem Rätoromanischen ähnlichen Sprache, die nur noch 30'000 Südtiroler benutzen.

Daneben betreibt die Familie das Berghotel Ladinia, in dem sich dezenter Luxus und Purismus treffen. Die kleinen Fenster geben Ausblick auf die Skipiste, die zu den bekanntesten in Südtirol zählt – nicht wegen des Profils oder der Länge, sondern weil die Ladiner vor 70 Jahren den ersten Sessellift Italiens gebaut haben. Die Traditionalisten von Alta Badia waren schon immer ganz schön innovativ.

Die Reise wurde unterstützt von Alta Badia Tourismus

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