Magische Erlebnisse auf dem Eis und zu Wasser

Winterspass in Interlaken: Ein grosszügiger Eisbahntraum für 71 Tage oder eine zweistündige Kajaktour auf dem Brienzersee.

Lichterspiel am Abend: Die Eisbahn auf der Höhematte vor dem Nobelhotel Victoria-Jungfrau in Interlaken. Foto: PD

Lichterspiel am Abend: Die Eisbahn auf der Höhematte vor dem Nobelhotel Victoria-Jungfrau in Interlaken. Foto: PD

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Schlittschuhlaufen sei pure Poesie, befand Johann Wolfgang von ­Goethe 1820, als er in seinem Gedicht «Die Eisbahn» festhielt: «Alles gleitet unter einander, die Schüler und Meister, und das gewöhnliche Volk, das in der Mitte sich hält.» Goethe, selbst begeisterter und routinierter Schlittschuhfahrer, liebte die Eleganz, so ist übermittelt, wenn er mit wehendem Mantel über den gefrorenen Main glitt und mit gekonnten Pirouetten reihenweise Frauenherzen brach. Heisst es doch weiter: «Am Rande fanden nicht nur die Damen grossen Gefallen am Anblick der Sportlichkeit der noch zu habenden Adeligen, sondern auch das normale Volk beobachtete das Geschehen aufmerksam. Es ­wurde gelacht, getuschelt und gestaunt.»

Ein Erlebnis ist es auch heute, wenn man am Eisrink steht, die Freunde vorbeizischen sieht oder die Kleinsten, auf Plastikstützen in Form eines Pinguins oder Eisbären gelehnt. Schlittschuhlaufen ist längst ein Erlebnis für die ganze Familie geworden. Kein Wunder, entstehen immer mehr Ad-hoc-Kunsteisbahnen, da Flüsse und Seen hierzulande nur noch selten zufrieren wollen. Im Zentrum von Interlaken, direkt vor dem Nobelhotel Victoria-Jungfrau, glitzert seit vier Jahren jeden Winter das Top of Europe Ice Magic, ein grosszügiger Eisbahntraum. «Wir wollen die Wintersaison vermehrt beleben», erklärt Antonietta Gros­jean, Product ­Manager bei Interlaken Tourismus. Und so taten sich der Hotelierverein Interlaken, Jungfrau World Events und Interlaken Tourismus zum Verein Chance Winter zusammen, um auf der Höhematte, dem Herzstück von Interlaken, ein Winterspektakel zu realisieren.

Für Verpflegung ist gesorgt

Was nicht einfach ist, denn seit 1864 bleibt die grosse Wiese mit einer prächtigen, baumbestandenen Mittelallee und dem einzigartigen Blick auf die Jungfrau unter Schutz gestellt. Das heisst, sie wird nicht zerstückelt und nicht bebaut. Sommers weiden hier Auge in Auge mit den Hotelgästen glückliche Kühe; im Winter wird für nur 71 Tage, weil das ohne Baubewilligung möglich ist, ein Eislauf- und Genussgelände zusammengefügt, mit viel Handarbeit in wenig Zeit.

Und das sind die grössten Attraktionen: Allein 750 Quadratmeter gross ist das Haupteisfeld. Drei weitere Eisfelder sind durch 450 Meter kurvenreiche Eiswege verbunden. Ein überdachtes Feld ist für Kinder von 10 bis 15.30 Uhr reserviert. Danach kann es zum Eisstockschiessen benützt werden. Abends verzaubert ein farbiges Lichterspiel die Szenerie, begleitet von stimmungsvoller Musik. Keine Frage, wird man Goethes Worte im Ohr haben: «Gleite fröhlich dahin, gib Rat dem werdenden Schüler, freue des Meisters dich, und so geniesse des Tags.» Und Speis und Trank, möchte man anfügen, denn Eissport macht hungrig. Zahlreiche Verpflegungsstände mit Snacks für den kleinen Hunger, ein Swiss-Chalet-Restaurant und eine gedeckte Winterlounge, die teilweise beheizt sind, sorgen für kulinarische Genüsse. Glühwein ist natürlich Pflicht. Im Swiss Chalet wird Einheimisches serviert: Fondue und Raclette, aber auch Gehacktes mit Hörnli und Apfelmus, Kartoffel-Lauchgemüse mit Waadtländer Saucisson, Käsespätzli und vieles mehr. Weisse Felle auf den Stühlen und Kerzenlicht sorgen für ein kuscheliges Ambiente.

Eintauchen in die Stille

Lieber ein Wintermärchen der ruhigen Art auf dem nahegelegenen Brienzersee? Eine Kajaktour ist ein wunderbares Kontrastprogramm. Denn im Winter gibt es keinen Schiffsverkehr auf dem Wasser. Es gehört ganz den Hobbysportlern und ein paar vereinzelten Fischern. «Meine Lieblingstour führt von Bönigen bis Ringgenberg, quer über den See», sagt Antonietta Grosjean. Die Fahrt geht vorbei an der verschneiten Bergwelt und einsamen Stränden, wo man den mitgebrachten Tee schlürfen kann. Die schroffen Klippen und die alte Burg von Ringgenberg sorgen für die romantische Kulisse. Und sonst ist nichts als Stille; der eigene Atem kringelt sich in der Luft, vielleicht liegt auch etwas Nebel, der schnell in die Höhe steigt und von Sonnenstrahlen glitzernde Wellen freigibt. Neugierige Schwäne und ­Enten gleiten schnatternd vorbei, um ein Stückchen Brot zu erhaschen. Zwei Stunden vergehen wie im Flug. Warm eingepackt im Trockenanzug und mit heissem Tee in der Thermosflasche, kann die Kälte den Paddlern nichts anhaben. Es ist das perfekte Wintererlebnis.

(SonntagsZeitung)

Erstellt: 12.01.2018, 16:55 Uhr

Top of Europe Ice Magic Interlaken
Das Schlittschuherlebnis auf der Höhematte im Zentrum von Interlaken ist bis zum 24. Februar täglich von 10 bis 22 Uhr geöffnet.

Preise
Der Eintritt zum Gelände und zu den Restaurationsbetrieben ist für alle frei. Für den Zugang zu den diversen Eisfeldern zahlen Erwachsene und Jugendliche ab elf Jahren neun Franken Tageseintritt. Die Schlittschuhmiete kostet zusätzlich neun Franken. Kinder von vier bis zehn Jahren zahlen für den Tageseintritt wochentags sieben Franken. Gratis­eintritt für Kinder wochentags bis 16 Uhr mit Coop Hello Family Card. Spezialpreise für Eisstockschiessen, Ice-Go-Kartbahn sowie Eislauflektionen. Helme und Eislaufhilfen für Kinder in limitierter Anzahl vorhanden.
www.icemagic.ch

Winter-Kajak Brienzersee
Halbtagestouren auf dem Brienzersee um 9.15 Uhr sowie 13.15 Uhr und zusätzliche Termine sind täglich auf Anfrage buchbar.

Preise
110 Franken sowie 20 Franken Mietgebühr für den obligatorischen Trockenanzug.
www.hightide.ch



In Zusammenarbeit von Sonntagszeitung und Interlaken Tourismus

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