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Meine eigene Zeit

Bei Initium in Le Noirmont im Jura lernt man, eine ganz persönliche Uhr herzustellen.

Präzise Handarbeit: Das Uhrmachen ist ein Stück Kulturgeschichte des Juras. Foto: Marco Zanoni (Lunax)
Präzise Handarbeit: Das Uhrmachen ist ein Stück Kulturgeschichte des Juras. Foto: Marco Zanoni (Lunax)

«Ordnung ist das Wichtigste», sagt Sandra Fernandez, 36, bestimmt und zeigt auf die pedantische Anordnung der Werkzeuge: Schraubenzieher, Pinzetten, deren Grössen durch verschiedene Farben gekennzeichnet sind. Der Reihe nach nimmt die ge­lernte Uhrmacherin die winzigen Teile in die Hand, dreht die Schräubchen aus dem Uhrwerk, demontiert den Rotor, die Räder, die Spiralfeder, Anker und Unruh und legt alles fein säuberlich in die kleinen Abteile der Plastikschälchen. Dann kommt eine Haube drüber, das kleinste Stäubchen ist unerwünscht.

Drei Stunden braucht ein Profi, um eine Uhr auseinander- und wieder zusammenzubauen. Der Laie lernt es hier in einem Tag. Also Kittel an, Lupe auf und an die Arbeit. Konzentration, Präzision und feine Handarbeit sind gefragt. Immer wieder ist man versucht, mit den blossen Fingern nachzuhelfen, wenn etwas nicht klappen will. «Das geht gar nicht», urteilt Uhrmacherin Fernandez, teils entrüstet, teils amüsiert, und zeigt gern ein paar Tricks, wie sich ein sperriges Element leicht mit der Pinzette fassen lässt.

Ein Start-up lässt die alte Tradition wieder aufleben

Mathieu Gigandet, Chef von Initium, hat die Firma vor drei Jahren zusammen mit Studienkollegen als Start-up im Juradorf Le Noirmont gegründet. «Wir wollten auf der alten Tradition der Uhrmacher-Bauern des Bezirks Franches-Montagnes aufbauen, denn sie haben im 19. Jahrhundert einen grossen Beitrag zum Aufschwung der Uhrenindustrie geleistet», erklärt er. Vor allem im kalten Winter, wenn die Landwirtschaft ruhte, hätten sie auf ihren Höfen Gehäuse und Uhrwerke zusammengebaut.

Die folgenden Hochs und Tiefs der Branche kannte der Jungunternehmer zwar, viel mehr wusste er anfänglich über die Uhrenindustrie aber nicht. Erst nach langen Gesprächen mit Uhrmachern und anderen Fachleuten sah er ein Geschäftsmodell mit Potenzial: Uhren zum Selbermachen, für einen selbst, als Geschenk, als Erfahrung fürs Leben. Und nicht zuletzt, um mehr Gästen ein interessantes Stück Kulturgeschichte des Juras näherzubringen.

Am Schluss die Auswahl von Zifferblatt und Zeiger

Der bisherige Erfolg gibt Gigandet Recht. Modern, elegant und lichtdurchflutet steht die Uhrmacherwerkstatt auf der grünen Wiese von Le Noirmont. Die grossen Fenster sind nach Süden ausgerichtet, genau nach den Bedürfnissen der damaligen Präzisionshandwerker. Mehrere Hundert Personen sassen in den vergangenen Jahren schon auf den verstellbaren Drehstühlen, haben die Arme hoch auf die Pulte gelegt, die Lupe ins Auge geklemmt und unter Anleitung am ganz persönlichen Stück gewerkelt. Die Begeisterung steigt mit dem Fortschritt. Je weiter man kommt, desto mehr Spass macht die Arbeit. Und der spannendste Teil folgt, wenn es um die Dekoration geht, die Auswahl von Zifferblatt, Zeigern und Armbändern.

Diese Schätze sind unter einem riesigen Tuch versteckt. Behutsam deckt Sandra Fernandez das enorme Sortiment ab. Man hat nun die Qual der Wahl, an Grössen und Farben, an Formen und Material. Ton in Ton war lange Zeit das Mass aller Dinge. Heute spielt man mehr mit Farben, auch auffälligen, denn bis zu einem gewissen Grad sind auch Uhren Moden und Trends unterworfen. Während Frauen früher meist kleine und zierliche Modelle trugen, sind heute eher robustere und grössere Formen gefragt. «Beliebt sind auch sogenannte Skelettuhren, die das Innenleben des Uhrwerks sichtbar machen», sagt Sandra Fernandez und zeigt das eigene Modell am Handgelenk. Selbst gemacht natürlich.

Eine gute Uhr sei wie ein Kunstwerk, sagte der Musiker Herbert Grönemeyer jüngst, denn er, der alles hat, designte als ultimativen Luxus für einen deutschen Uhrenhersteller eine Uhr ganz nach seinen persönlichen Ideen: rechteckig mit grünem oder blauem Zifferblatt. Selbst Hand angelegt hat er aber nicht.

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In Zusammenarbeit mit Jura & Trois-Lacs Tourisme

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