Touristenmagnete mit garantiertem Risiko

Es gibt viele Möglichkeiten, sich beim Reisen in akute Gefahr zu begeben: Hier einige der abenteuerlichsten Attraktionen weltweit.

Nervenkitzel à discrétion: Basejumping im Lauterbrunnental. Foto: Keystone

Nervenkitzel à discrétion: Basejumping im Lauterbrunnental. Foto: Keystone

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Fähren in Bangladesh

Trotz einiger aufsehenerregender Unfälle in den letzten Jahren ist das Schiff von allen Verkehrsmitteln das sicherste. Das gilt allerdings nicht für die Fähren in Bangladesh. Zwar fehlen verlässliche Zahlen, aber Beobachter gehen davon aus, dass es im Durchschnitt einen Unfall pro Monat und rund tausend Tote pro Jahr gibt. Ursachen sind Kollisionen, gravierende technische Mängel und Überfüllung.

Death Road, Bolivien

Leitplanken sucht man vergeblich. Foto: Keystone

Die Yungas-Strasse führt von der bolivianischen Hauptstadt La Paz nach Caranavi in der Region Yungas. Bis 2007 starben hier jedes Jahr 200 bis 300 Menschen. 1983 kam ein Bus ins Schleudern und stürzte in eine Schlucht; 100 Passagiere starben. Mittlerweile sind die Unfallzahlen stark gesunken, da der Verkehr auf eine neue, asphaltierte Strasse verlegt worden ist. Beliebt ist die alte Strecke vor allem bei Downhill-Mountainbikern: Vom Start auf 4640 Metern geht es 64 Kilometer talabwärts. Leitplanken gibt es keine, je nach Wetter ist die Fahrbahn schlammig und rutschig.

Caracas, Venezuela

Kein sicheres Pflaster. Foto: Keystone

Venezuelas Hauptstadt Caracas ist mit 3387 Tötungsdelikten (2017) die Stadt mit den meisten Morden. Nimmt man die relativen Zahlen, die sogenannte Tötungsrate, das heisst die Anzahl Morde pro 100'000 Einwohner, so rückt die mexikanische Stadt Los Cabos an die Spitze: 328'000 Einwohner, 365 Morde, Tötungsrate 111,3. Caracas (3,05 Millionen Einwohner, 3387 Morde, Tötungsrate 111,05) liegt knapp dahinter. Auf den Plätzen drei bis fünf folgen Acapulco, Mexiko, Natal, Brasilien und Tijuana, Mexiko. In der gefährlichsten Stadt der USA, St. Louis im Bundesstaat Missouri mit 311'400 Einwohnern, fielen vorletztes Jahr 205 Menschen Gewaltverbrechen zum Opfer, Tötungsrate 65,83. Das ist zwölfmal mehr als im Durchschnitt der ganzen USA (Tötungsrate 5,4) und 132-mal mehr als in der Schweiz (Tötungsrate 0,5).

Mount Huashan, China

Nur für Schwindelfreie. Foto: Keystone

Der Mount Huashan liegt etwa 120 km von Xian entfernt, der Hauptstadt der chinesischen Provinz Shaanxi, und ist 2154 Meter hoch. Er besitzt fünf Gipfel und mehrere taoistische Tempel. Seine Wanderwege gelten als die spektakulärsten der Welt. Vor allem die Passagen auf dem Weg zum östlichsten Gipfel mit bezeichnenden Namen wie «Tausend-Fuss-Abgrund», «Hundert-Fuss-Spalte» und «Schwarzer-Drachen-Bergkamm» haben es in sich. Beim Gang über Planken und in die Felswände eingelassene Stufen wird man gesichert, doch Schwindel ist garantiert.

Half Dome, Yosemite-Nationalpark, USA

Nur für Schwindelfreie und geübte Kletterer. Foto: Keystone

Der Half Dome im Yosemite-Nationalpark in Kalifornien ist ein 2692 Meter hoher, blanker Felsenkegel. Ohne Hilfsmittel gilt er als fast unbesteigbar. In den Sommermonaten werden jedoch Stahlseile angebracht, die es Berggängern ermöglichen, auf den Half Dome zu klettern. Schon mehr als 60 Menschen kamen hier ums Leben. Vor allem im letzten, sehr steilen Anstieg kommt es immer wieder zu gefährlichen Situationen. Deshalb ist die Begehung nur noch mit Bewilligung möglich.

Bungee-Sprung über dem Vulkan, Chile

Dieses Abenteuer ist definitiv Risikofreudigen vorbehalten: Per Helikopter geht es auf gut 3000 Meter Höhe. Der Bungee-Sprung findet 200 Meter über dem brodelnden Krater des aktiven Vulkans Villarrica in Chile statt. Am Heli hängend, wird man zum Basislager zurückgeflogen. Der Vulkan brach in den vergangenen 500 Jahren mehr als 50-mal aus, letztmals 2015.

Verbotene Himmelsleiter, Hawaii

Led Zeppelin lassen grüssen: Stairway to Heaven. Foto: Wikipedia

Um den Gipfel in den Koolau-Bergen auf der Insel O’ahu in Hawaii zu erreichen, muss man eine Treppe mit 3922 metallenen Stufen erklimmen, den sogenannten Stairway to Heaven. Die Treppe wurde im 2. Weltkrieg von US-Soldaten erbaut und führte zu einem geheimen Funkturm. Das Besteigen ist seit 1987 verboten. Zwar wurde die Himmelsleiter 2005 renoviert, aber seit 2015 ist das Risiko auf dem rund fünfstündigen Aufstieg wieder gestiegen, weil ein Sturm die Treppe erneut beschädigt hat. Security-Personal patrouilliert regelmässig, weil viele Touristen das Verbot missachten. Wer erwischt wird, muss mit einer Busse von bis zu 600 US-Dollar rechnen.

Klettern am Matterhorn, Schweiz/Italien

Das 4478 Meter hohe Matterhorn an der Grenze zwischen dem Wallis und dem italienischen Aostatal ist der markanteste Berg der Schweiz. Umso grösser ist der Andrang jener, die unbedingt den Gipfel erklimmen wollen: 2500 bis 3000 sind es im Jahr, an Spitzentagen mehr als hundert. Doch der Berg hat seine Tücken: Schon bei der Erstbesteigung 1865 stürzten vier Teilnehmer der Siebnerseilschaft von Edward Whymper in den Tod. Seither verunglücken jedes Jahr acht bis zehn Menschen tödlich; mehr als 500 waren es seit der Erstbesteigung. Pro Saison müssen Helikopter im Schnitt 80 Rettungseinsätze fliegen.

Princess Juliana International Airport, St. Maarten

Unten rauschen die Wellen, oben dröhnt das Flugzeug. Foto: Pixabay

Gefährliche Flughäfen gibt es viele, doch einer wird immer an vorderster Stelle genannt: Der Princess Juliana International Airport auf der niederländischen Karibikinsel St. Maarten, eingeklemmt zwischen Meer und Bergen. Um möglichst früh auf der sehr kurzen Landebahn aufzusetzen, fliegen die Maschinen in nur zehn bis zwanzig Metern Höhe über den Mahon-Strand hinweg, an dem der Flughafen liegt. Die Badegäste lassen sich, trotz Warnschildern, nicht vom Spektakel abhalten und machen Aufnahmen von den gewagten An- und Abflügen, auch wenn schon viele vom Luftstrom der Jet-Triebwerke weggeblasen worden sind, ein paar Mal mit tödlichen Folgen.

Caminito del Rey, Spanien

Der Caminito del Rey («Königspfad») ist ein drei Kilometer langer Wanderweg in den Bergen der Provinz Málaga im Süden Spaniens. Er führt entlang steiler Wände durch zwei bis zu 200 Meter tiefe Schluchten. Nach mehreren tödlichen Unfällen, die ihm den Namen «Todespfad» einbrachten, war der zerfallende Weg offiziell gesperrt, was Abenteuerlustige nicht an seiner Begehung hinderte. Seit 2015 ist der Caminito wieder offiziell benutzbar, nachdem er für 2,4 Millionen Euro saniert wurde.

Vulkan-Surfen, Nicaragua

Auf der Suche nach dem Adrenalinkick finden Touristen in Nicaragua ein besonderes Angebot: Sie können auf einem Board den aktiven Vulkan Cerro Negro hinunterbrausen. Dabei ist man mit bis zu 60 km/h unterwegs; Knochenbrüche und Schürfwunden sind an der Tagesordnung. In der 24 km entfernten Provinzhauptstadt Léon gibt es unzählige Angebote für geführte Vulcano-Boarding-Touren; auch Schutzkleidung wird vermietet. Der Aufstieg dauert etwa 45 Minuten; das Board muss man selber hinauftragen. Hinunter fährt man im Sitzen und lenkt das Board wie einen Schlitten.

Basejumping im Lauterbrunnental, Schweiz

Jedes Jahr zieht es Hunderte von Basejumpern ins Lauterbrunnental im Berner Oberland. Basejumping ist das Fallschirmspringen von Gebäuden, Masten, Brücken oder, im Fall des Lauterbrunnentals, von hohen, senkrecht abfallenden Felswänden. Flügelanzüge, sogenannte Wingsuits, verstärken die Sensation des Fliegens. Doch Basejumping ist die mit Abstand gefährlichste Sportart: Zwischen 1981 und Ende 2018 kamen dabei 359 Personen ums Leben, jeder siebte von ihnen im Lauterbrunnental, das damit weltweite, traurige Berühmtheit erlangt hat.

(Redaktion Tamedia)

Erstellt: 08.02.2019, 19:20 Uhr

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