Wo man der Zeit voraussurft

Ägypten ist in den Wintermonaten wieder gefragt.

Manche kommen fünfmal im Jahr: Surfer in der Soma Bay. Foto: PD

Manche kommen fünfmal im Jahr: Surfer in der Soma Bay. Foto: PD

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«Nach vorne schauen, den Mast küssen und lächeln», mahnt Surf-Instruktor Mohamed die Anfänger, bevor er sie in der Soma Bay 50 Kilometer südlich von Hurghada ein erstes Mal aufs Wasser schickt. Mit seiner lockeren Art hat der Ägypter den Skeptikern, die ob des ablandigen Windes Bedenken äusserten, den Wind aus den Segeln genommen. Im hüfttiefen, Mitte November noch 23 Grad Celsius warmen Wasser wagen wir die ersten Versuche. Das breite Brett ermöglicht eine stabile Position beim Aufziehen des Segels. Ist dieses aus dem Wasser, geht die vordere Hand an den Mast. «Mit zwei Fingern der hinteren Hand müsst ihr den Gabelbaum greifen», hat der Instruktor am Strand erklärt. So bleibe man lockerer. Schon nehmen wir Fahrt auf.

Nach wenigen Minuten wagen wir uns an die Wende, zu Beginn haben wir das Brett im Wasser stehend in die neue Fahrtrichtung gedreht. Ohne abgetrieben zu werden, kreuzt unser Grüppchen in Strandnähe. Übermut wird mit einem Taucher bestraft. Der kurze Neopren-Anzug verhindert einen vorzeitigen Übungsabbruch wegen Unterkühlung in der steifen Brise. So gelingt einem Surfer nach einer Stunde sogar noch eine Halse. Mohamed quittiert es mit einem breiten Grinsen. «Alles gut?», begrüsst der Ägypter, der fliessend Deutsch spricht, uns zurück am Strand. Es ist der Ausdruck, den er am häufigsten verwendet, wenn er mit seinen Gästen spricht.

Geleitet wird die dem Robinson-Club angegliederte Wassersportstation von Torsten Sroke. Der Deutsche berichtet von Stammgästen, die «bis zu fünfmal jährlich anreisen und ihr Material gleich bei uns lassen». Für alle anderen hält die Surfstation 100 Bretter und Segel zur Leihe bereit. «Hochgerechnet aufs Jahr wird unser Material heuer 31'000 Stunden im Einsatz gewesen sein», sagt Sroke. Den Feriengästen zur Verfügung stehen aber auch Segelboote und Equipment fürs Kitesurfen. Bei Windstärken von rund 6 Beaufort und einer Windwahrscheinlichkeit von 60 bis 80 Prozent im Sommer kommen auch die Könner auf ihre Rechnung. Der Stationsleiter räumt zwar ein: «Es gibt sicher noch bessere Surfspots, aber bei uns kann sich auch der Rest der Familie beschäftigen.» Hoch im Kurs stehen Tauchen, Schnorcheln, Beachvolleyball oder Yoga. In den Wintermonaten sind es eher die Sportarten wie Tennis oder Golf.

Im Club in Hurghada gehen die Uhren anders

Damit die Gäste ihre Ferien bei Tageslicht auskosten können, hat das Resort an der Soma Bay eine eigene Clubzeit eingeführt. Diese ist der Lokalzeit eine, der Schweizer Zeit zwei Stunden voraus. Sonnenuntergang wäre am Roten Meer Mitte November sonst bereits um 16.45, Sonnenaufgang kurz nach 6 Uhr. So früh hüpfen die wenigsten Touristen aus den Federn.

Schweizer buchen wieder Reisen nach Ägypten. Nach dem Arabischen Frühling 2011, der Absetzung von Mohammed Mursi durch das Militär 2013 und dem mutmasslich durch eine Bombe herbeigeführten Absturz einer russischen Passagiermaschine mit 224 Menschen an Bord bei Sharm el-Sheikh 2015 war das Geschäft völlig eingebrochen. Edelweiss flog ab Zürich noch einmal wöchentlich nach Hurghada. Im vergangenen Sommer waren es wieder vier Flüge, aktuell sind es fünf, ebenso im nächsten Sommer. «Alternativlos» sei die Destination am Roten Meer, sagt Martin Wittwer, der Chef von TUI Suisse. «Im Winter gibt es auf der Flugdistanz von vier Stunden nirgends ein besseres Preis-Leistungs-Verhältnis für Leute, die Strand, gutes Wetter und Gastfreundschaft schätzen.»

Die einheimischen Reiseführer geben sich locker. Wie sein Kollege Mohamed fragt auch Islam «Alles gut?», als er uns um 7 Uhr für einen Schnorchelausflug auf die Insel Mahmya abholt. Auf der 45-minütigen Bootsfahrt löst ein halbes Dutzend Delfine an Bord Hektik aus. Ein jeder will die Meeressäuger ablichten. Ruhiger ist es dann am Riff unter Wasser. Zu bestaunen gibt es Korallen und Fische in allen Formen und Farben. Zurück an Bord erklärt uns Islam, wie er sich mit Büchern Deutsch selbst beigebracht hat. «Arabische Literatur lese ich nicht, die ist langweilig», sagt er. Trotz vorzüglicher Sprachkenntnisse ist er noch nie in den deutschen Sprachraum gereist.

Die Reise wurde unterstützt von TUI Suisse. (SonntagsZeitung)

Erstellt: 23.11.2018, 14:50 Uhr

Tipps und Infos

Anreise: Edelweiss fliegt fünfmal wöchentlich direkt von Zürich nach Hurghada. www.flyedelweiss.com
Übernachten:
– Robinson Club Soma Bay.
www.robinson.ch
– TUI Magic Life Kalawy.
www.magiclife.ch
Pauschalangebote: www.tui.ch/de/pauschalreisen/aegypten/hurghada/

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