Analoges Paradies

Im Luxusresort Chiva-Som südlich von Bangkok suchen betuchte Gäste Abstand von Handys und Tablets.

Mit Ruhe, Sport und Massagen etwas für die innere und äussere Schönheit tun: Auf der Anlage des Chiva-Som ist die Benutzung elektronischer Geräte und von Fotoapparaten untersagt. Foto: PD

Mit Ruhe, Sport und Massagen etwas für die innere und äussere Schönheit tun: Auf der Anlage des Chiva-Som ist die Benutzung elektronischer Geräte und von Fotoapparaten untersagt. Foto: PD

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Man fühlt sich in der Zeit um 30 Jahre zurückversetzt. Am Pool inmitten eines tropischen Gartens dösen Frauen, Männer und Jugendliche auf Liegen. Manche lesen Bücher oder Magazine. Keiner tippt Mails in ein Handy, spielt Games auf dem Tablet, checkt Pushmeldungen aus der hektischen Welt oder überprüft die Aktienkurse. Kein elektronisches Lesebuch weit und breit. Wer hier etwas in den Händen hält, um sich zu informieren oder zu entspannen, tut das auf gutem altem analogem Weg: auf Papier.

Elektronische Gadgets sind im thailändischen Luxusresort Chiva-Som in Hua Hin nur in den eigenen Bungalows erlaubt. Selbst Fotokameras, ob digital oder analog, bleiben in der grossen, geschlossenen Anlage untersagt. Promis und Wirtschaftsbosse sollen sich in der luxuriösen Ambiance des Resorts bewegen können ohne Angst vor Paparazzi. Es soll Besucher gegeben haben, die sich nach ein paar Tagen über das angeblich zu laute Singen und Zirpen der Vögel beklagten.

Das Chiva-Som, vier Kilometer von Hua Hin entfernt, grenzt sich ab von der hektischen und stetig wachsenden Küstenstadt, zwei Autostunden südlich von Bangkok. Es gibt kaum einen Grund, die Anlage zu verlassen. Vielleicht, um im Meer zu schwimmen. Der öffentliche Strand in unmittelbarer Nähe ist aber nicht umwerfend schön, im Land des Lächelns gibt es traumhaftere. Auch Raucher zieht es zum Meer. In der Oase der Stille ist das Laster verboten.

Immense Auswahl an Therapien und sportlichen Aktivitäten

Wer im Health Resort Chiva-Som eincheckt, das im letzten halben Jahr geschlossen war und von Grund auf erneuert wurde, sucht meist nicht nur Ruhe und Erholung. Ein Aufenthalt hier ist oft mit gesundheitlichen Zielen verbunden: entgiften, abnehmen, fitter werden, etwas für die innere Schönheit tun oder auch für die äussere – zum Beispiel mit Botox nachhelfen. Im Luxusresort, das gemäss eigenen Angaben zu den besten der Welt gehört, unterzieht man sich am ersten Tag einer Konsultation, anhand der das persönliche Wellness- und Gesundheitsprogramm für den Aufenthalt zusammengestellt wird.

Die Auswahl an sportlichen Aktivitäten und Therapien ist immens und füllt ein Büchlein mit fast 100 Seiten. Da geht es vom Muay-Thai-Training über das virtuelle Velofahren über die Chiva-Som-Signature-Total-Body-Care-Therapie bis hin zu einer Massage, die Chi Nei Tsang heisst. Die chinesische Anwendung ist eine Spezialität im Chiva-Som-Programm. Und für den Gast, der sie zum ersten Mal erhält, zumindest gewöhnungsbedürftig. Hier werden nicht Muskeln massiert, sondern die Organe im Bauchraum, die dadurch entgiftet werden sollen. Die Therapeutin drückt mit den Fingern auf dem Bauch herum und – man spürt es – verschiebt Gedärme. Nach der Behandlung fühlt man sich erstaunlich gut.

Die Gäste können zwischen zwei Restaurants wählen: dem Taste of Siam mit thailändischer Küche und dem Emerald Room mit westlicher Speisekarte. Alkohol gibt es nur abends im zweiten Lokal. Unter Chefkoch Paisarn Cheewinsiriwat bietet das Chiva-Som beiderorts eine sehr gute und leichte Küche. Er würzt die Gerichte gesundheitsbewusst mit nur wenig Salz. Bei thailändischen Speisen ersetzen die Köche die Fischsauce durch Sojasauce. Salate, Gemüse und Obst stammen oft aus den eigenen biologischen Gärten, die von angestellten Bauern bewirtschaftet werden. Einer liegt ausserhalb der Stadt, der andere im Gebirge.

Die gesunde Ernährung sieht man dem Besitzer und Geschäftsführer des Chiva-Som an: Krip Rojanastien, von allen Khun Krip genannt, sagt nicht, wie alt er ist. Man kann es als Westler auch nur schwer schätzen. Selbst auf Auslandsreisen nimmt er einen Koch des Resorts mit. Eröffnet wurde das Chiva-Som 1995 von Khun Krips Vater. Das reiche Bangkok soll im exklusiven Club ein und aus gegangen sein. Kein Wunder, wenn man die Vergangenheit Boonchu Rojanastiens kennt: Zuvor war er Präsident der Bangkok Bank sowie stellvertretender Ministerpräsident Thailands. Begraben liegt er gemeinsam mit seiner Frau in der Nähe des Resorts auf einer Anhöhe in einem Kloster.

Unten im Tal auf Klosterboden hat Khun Krip mit einem einmaligen Projekt begonnen, das international Beachtung findet. Fachleute bauen im Brackwasser den ehemaligen Mangrovenwald neu auf. Der Hotelier will der heimischen Bevölkerung und der Umwelt ausserhalb des Resorts etwas zurückzugeben. Die ersten Bäume hat er selber gepflanzt.

Chiva-Som, Hua Hin, DZ ab 1120 Fr. pro Nacht, Pavillons ab 1400 Fr., Mindestaufenthaltsdauer 3 Nächte, www.chivasom.com. Allg. Infos: www.tourismthailand.ch

(SonntagsZeitung)

Erstellt: 27.10.2018, 16:50 Uhr

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