Böse Überraschungen vermeiden

Das Preis-Leistungs-Verhältnis von Kreuzfahrten bleibt attraktiv. Man soll an Bord aber nicht in Fallen tappen.

Grosszügig und edel: Kreuzfahrtschiff Norwegian Epic. Foto: Michael Wolf

Grosszügig und edel: Kreuzfahrtschiff Norwegian Epic. Foto: Michael Wolf

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Die durchschnittliche Tagesrate für Hochsee-Schiffsreisen betrug 2016 in Deutschland etwa 180 Euro pro Person. Im Markt Schweiz, wo vergleichbare Zahlen fehlen, dürfte dieser Wert nicht wesentlich abweichen. Natürlich gibt es grosse Unterschiede zwischen den Volumenreedereien im Standard-Segment, wo Balkonkabinen bereits ab gut 100 Franken pro Tag buchbar sind, und Luxusreedereien, deren Tages- ansätze bei 500 Franken beginnen. Allen gemeinsam ist, dass diese Preise mindestens Transport, Unterkunft und Vollpension beinhalten. Im Leistungs- vergleich mit der Hotellerie an Land haben Kreuzfahrten ein attraktives Preisbild.

Dieses ist allerdings nicht immer fix. Die Cruise-Preise steigen tendenziell, wie die neusten Zahlen der Carnival-Gruppe belegen. Der mit über 100 Schiffen und zehn Marken grösste Kreuzfahrt-Anbieter der Welt konnte die Preise im letzten Jahr im Schnitt um 4,5 Prozent anheben. Viele Reedereien haben zudem begonnen, die Preise der Nachfrage anzupassen – ein Vorgehen, das sich etwa in der Fliegerei längst eta-bliert hat. Der Preis kann deshalb im Verlauf einer Buchungsperiode Schwankungen nach unten oder oben aufweisen. Mit Aktionen und Schnäppchen aller Art sorgen die Reedereien weiter für Verwirrung, was Vergleiche erschwert.

Der Cruise-Preis allein sagt nicht alles aus über die effektiven Kosten für eine Kreuzfahrt. An Bord fallen bei den meisten Reedereien weitere Ausgaben für Getränke, Spezialitätenrestaurants, Internet oder Trinkgelder an. Kostenpflichtig sind auch der Spa, die Wäscherei oder die Landausflüge. Die Reedereien geben sich alle Mühe, auf den Schiffen mit möglichst vielen Lokalen die Passagiere zum grosszügigen Konsum zu animieren. Bei Carnival zum Beispiel tragen die An-Bord-Einnahmen bereits ein Viertel zum Gesamtumsatz bei.

Mit dem Getränkepaket sparen

Auch die Nebenkosten steigen tendenziell. Vor allem auf amerikanischen Schiffen wurden die Getränkepreise und die Zuschläge für Spezialitätenrestaurants in letzter Zeit laufend erhöht. Das ist bei europäischen und deutschen Reedereien nicht im gleichen Masse der Fall. Für den Konsum von Flüssigem empfiehlt sich vielerorts der Erwerb eines Getränkepakets. Dieses beinhaltet eine definierte Auswahl an Getränken und kommt in der Regel günstiger zu stehen als die einzelne Abbuchung über die Bord­rechnung.

Ein Kostentreiber auf hoher See ist zudem das ­Internet. Die Angebote variieren von Reederei zu ­Reederei stark und können Flatrates, Social-Media-Tarife, Datenvolumen- oder Minutenpreise umfassen. Preisvergleiche sind im Vorfeld schwierig, werden doch die Raten selten konsequent veröffentlicht. Als Grössenordnung mag das Beispiel eines 24-Stunden-Zugangs dienen, der zwischen 20 und 50 Franken kosten kann. Dank neuer Technologie ist jedoch künftig mit tendenziell sinkenden IT-Preisen zu ­rechnen.

Trinkgeld ist Lohnbestandteil der Servicecrew

Für Verwirrung kann immer noch das Thema Trinkgeld sorgen. Einst als Dank für guten Service gedacht, ist dieser «freiwillige» Zustupf heute zu einem eigentlichen Lohnbestandteil der Servicecrew mutiert. Dem Gast werden von vielen Reedereien am Ende der Kreuzfahrt zwischen 10 und 15 Franken pro Person und Tag auf die Bordrechnung gesetzt. Diesen Betrag kann man kürzen oder streichen, was aber einem ­unfairen Abstrafen der dienstbaren Geister gleichkommt. Vielmehr gilt es, den Druck auf die Anbieter zu erhöhen, das Trinkgeld endlich in den Reisepreis zu inkludieren. Aus Wettbewerbsgründen fürchten aber viele Reedereien diesen Schritt wie der Teufel das Weihwasser.

Einen Ausweg aus dem Nebenkosten-Wirrwarr bieten inzwischen einige Reedereien mit All-inclusive-Angeboten. Die meisten Getränke, die Trink- gelder, da und dort auch WLAN und die Spezialitätenrestaurants sind bei fast allen Luxusreedereien seit geraumer Zeit im Preis inbegriffen. Dieses Konzept, das für eine transparente Budgetplanung steht, hat vor wenigen Jahren auch die deutsche TUI Cruises eingeführt, in der Zwischenzeit hat Norwegian Cruise Line nachgezogen. Kurz: Bei Kreuzfahrten gilt es nicht nur, die Ab-Preise zu vergleichen, sondern auch die inkludierten respektive zusätzlich zu bezahlenden Leistungen.

(SonntagsZeitung)

Erstellt: 19.01.2018, 15:16 Uhr

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