Halsbrecherisch über die «Rentnerinsel»

Auf Madeira herrscht ewiger Frühling – und die Nacht wird schon mal zum Tag.

Wolken und Licht: Vulkanberge auf der portugiesischen Insel Madeira. Fotos: Getty Images

Wolken und Licht: Vulkanberge auf der portugiesischen Insel Madeira. Fotos: Getty Images

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Madeira nennt sich «Die Insel des ewigen Frühlings». Das ist nur leicht übertrieben: In der Hauptstadt Funchal steht das Thermometer auch im Januar und Februar selten unter 15, im August kaum über 26 Grad Celsius. Die Portugiesen besiedelten die vulkanische Insel im Atlantik, 950 Kilometer südwestlich von Lissabon und 750 Kilometer westlich von Marokko, ab dem 15. Jahrhundert. Sie holzten die Lorbeerwälder ab.

Um 1800 erschienen die ersten sonnenhungrigen Engländer. Viele blieben, bauten Stadthäuser und Landvillen und legten tropische Gärten an. Einige wurden reich und mächtig.

Bekannter Wein, zerklüftete Landschaft

Nehmen wir als Beispiel die Familie Blandy, die hier 1811 ihre erste Firma gründete und mit Wein sowie mit Hotels und Schifffahrt Geld verdient. Heute dirigiert die siebte Generation das Unternehmen. Mitten in Funchal kann der Weinkeller besichtigt werden, wobei «Keller» ein unzutreffender Begriff ist. Die Madeira-Weine werden oberirdisch und ungekühlt gelagert. Wer die lokale Tageszeitung «Diário de Noticias» liest, hat ebenfalls ein Produkt der Familie Blandy in der Hand: Sie besitzt die Zeitung seit 120 Jahren. Und natürlich unterhalten die Blandys einen prächtigen Botanischen Garten, den Jardim do Palheiro. Mitten in der blühenden Farbenpracht steht das edle Hotel Casa Velha do Palheiro, das ehemalige Herrenhaus. An den Garten grenzt ein Golfplatz.

Neben dem Wein ist die Insel vor allem für die zerklüftete Landschaft berühmt. An der Küste mit Palmen und tropischer Vegetation wirkt die Ambiance auch im Winter beinahe sommerlich. Auf den über 1800 Meter hohen Gipfeln, Pico Ruivo, Pico das Torres oder Pico do Arieiro, kann es dagegen auch im Sommer kühl und windig sein, und die Bäume und Felsen werden fotogen von Nebel und Wolken umhüllt. Da es im Nordwesten der Insel häufiger regnet als im Südosten, haben die Madeirer an den Bergflanken schon 1450 Bewässerungskanäle angelegt: die berühmten Levadas.

Biken entlang der Levadas

Die Levadas entlang führen Wege, Hunderte von Kilometern, gut für unbeschwerte Wanderungen. Diese haben den Ruf Madeiras als Wanderparadies und damit als «Rentnerinsel» begründet. Zumal man nicht für Badeferien hierherkommt. Es gibt fast nur steil ins Meer fallende Felsklippen. Doch nicht nur Rentner mögen Madeira, und Wandern ist bei weitem nicht die einzige Aktivität in der Heimat des frisch gekürten Weltfussballers Cristiano Ronaldo. Die Pfade an den Levadas eignen sich auch für Mountainbiker. Sie sausen halsbrecherisch auf Trails die Berge hinunter. Und eine Umrundung der Insel mit dem Velo entlang der 150 Kilometer langen Küste führt durch abwechslungsreiche Landschaften und lauschige Bauern- und Fischerdörfer. Die Insel mit einer Fläche von 741 Quadratkilometern ist knapp so gross wie der Kanton Solothurn und hat, wie dieser, eine Viertelmillion Einwohner.

Klar, dass man in einer solchen Topografie auch Abenteuersportarten ausüben kann: Bergsteiger kommen hier auf die Rechnung, auch Amateure des Gleitschirmfliegens und des Canyoning. Und das Meer ist ein weites Feld für Wassersportler und Naturfreunde, die gerne Delfine und Wale beobachten.

Ab ins Fado-Lokal

Nach Einbruch der Dunkelheit nimmt in Funchals malerischer Altstadt das Nachtleben Fahrt auf. Ein typischer Abend könnte im Restaurante do Forte im alten portugiesischen Fort beginnen, in dessen historischem Rahmen lokale Spezialitäten von hoher Qualität serviert werden. Zum Beispiel der furchterregende, aber wohlschmeckende Schwarze Degenfisch. Lecker auch die internationale Küche im modernen Restaurant des Design-Centers Nini Andrade Silva, das auf einem schwarzen Felsen am Hafen thront.

Nach dem Essen, gegen 22 Uhr, begibt man sich in ein traditionelles Fado-Lokal, zum Beispiel ins ­Sabor a Fado an der Travessa das Torres. Im kleinen Familienbetrieb singt die Mutter, die Tochter serviert singend, der Vater singt und bringt die Drinks, und der Sohn spielt Gitarre. Gastmusiker treten auf; das Publikum ist mitgerissen.

Um Mitternacht gehen im Sabor a Fado die Lichter aus. Man festet auf der Strasse weiter, vor einer der zahllosen Bars an der Rua Dom Carlos I, der Rua Santa Maria und der Travessa dos Escaleras. Tausende schöne, junge, modisch gekleidete Menschen sind an Wochenenden auf der Gasse, schwatzen, trinken und flirten. Bis 2 Uhr ist kaum ein Durchkommen. Dann machen die Bars dicht, und man wechselt hinüber ins Copacabana im Keller des Casinos, ein grosser, dicht bevölkerter Nachtclub, wo zur Nonstop-Musik pausenlos getanzt wird.

Um 4 Uhr früh ist auch im Copacabana Schluss, und das ist gut so, denn am Morgen will man ja wieder auf den Beinen sein, um mehr von Madeira zu entdecken.


Die Reise wurde unterstützt von Germania und dem Fremdenverkehrsamt Madeira. (SonntagsZeitung)

Erstellt: 13.01.2017, 11:10 Uhr

Residieren im Botanischen Garten

Anreise Flüge ab Zürich mit Edelweiss oder Air Berlin oder über Lis­sabon mit der portugiesischen TAP. Ab Basel Nonstop mit Easyjet.

Reiseveranstalter Madeira-Spezialisten sind Amin Travel und Olimar.

Unterkunft Bekanntes und traditionsreiches Hotel auf Madeira: Reid’s Palace, ab 315 Euro im DZ inkl. Frühstück;
Preisgünstiger ist das soeben total renovierte Viersternhaus Baía Azul: ab 250 Euro im DZ inkl. Frühstück, www.cardosomadeirahotels.com;
Fünfsternhotel Casa Velha do Palheiro, mitten im Botanischen Garten, ab 200 Euro pro Nacht inkl. Frühstück.

Beste Reisezeit Februar bis November

Allgemeine Informationen www.visitmadeira.pt; www.visitportugal.com

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