Russlands Glanz und Grösse

Alles im Fluss: Vom prachtvollen St. Petersburg durch das alte Russland bis zum Moskauer Kreml.

Sehenswürdigkeiten von Moskau: Der Kreml, das Einkaufszentrum GUM, Metrofahren und das Bolschoi-Theater. Foto: Getty Images

Sehenswürdigkeiten von Moskau: Der Kreml, das Einkaufszentrum GUM, Metrofahren und das Bolschoi-Theater. Foto: Getty Images

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«Dabro pashalawat!» und «Kak dela?» Eigentlich wäre eine russische Begrüssung angebracht, «Herzlich willkommen! – Wie gehts?»

Die einheimische Stadtführerin spricht die Schweizer ­Gäste in St. Petersburg jedoch auf Italienisch an. Und beginnt, mitten auf der Wassiljewski-Insel zwischen den Flüssen Grosse Newa und Kleine Newa, vom Tessin zu schwärmen. Sie kennt den Südkanton allerdings nur von Fotos und von der Schoggi, die ihr Touristen nach den Führungen jeweils zuschicken.

Denn sie zeigt ihnen nicht nur die bekannten Sehenswürdigkeiten der Stadt, sondern auch Domenico Trezzini. Die Reiseleiterin deutet auf das Denkmal am Universitätskai. «Ein Landsmann von Ihnen! Er stammt aus Astano bei Lugano und war schon 300 Jahre vor Ihnen hier, als Sankt Petersburg noch gar nicht existierte.»

Der Tessiner Architekt stand von 1704 bis 1734 im Dienst von Zar Peter dem Grossen und war der erste Baumeister Sankt Petersburgs. Er bestimmte das Strassen- und das Kanalnetz der Stadt und lieferte die Pläne für Gärten, ­Brücken, Paläste und zahlreiche öffentliche Gebäude im Stil des ­Petrinischen Barocks. Die Reiseleiterin wüsste noch viel mehr über Trezzini zu erzählen, aber die ­Touristengruppe ist nicht seinetwegen angereist.

Das Kreuzfahrtschiff Alexander Borodin. Foto: PD

Im Hafen von St. Petersburg liegt das Hotelschiff. In zwei Tagen wird die Alexander Borodin ablegen und die Gäste des Reisebüros Mittelthurgau nach Moskau fahren. Der abendliche Stadtspaziergang mit Kanalfahrt und eine dreistündige Stadtrundfahrt mit Foto-Stopps, etwa bei der Isaak-Kathedrale, der Peter-Paul-Festung oder der Blutskirche, bilden sozusagen das Warm-up für die Flussreise.

Man kann natürlich auch selbstständig losziehen. Das ist allerdings eine echte Herausforderung in der 5-Millionen-Metropole. Gut, wenn man die kyrillischen Buchstaben kennt, so lassen sich wenigstens die Metro-Haltestellen entziffern. Die Ortsansässigen, die wir nach dem Weg fragen, beherrschen nämlich keine Fremdsprachen.

Für den ­Besuch der Ermitage, eine der ­berühmtesten und grössten Gemäldesammlungen der Welt, schliessen wir uns der Reiseleitung an, das erspart stundenlanges Anstehen vor dem Museum. Man könnte noch lange in der gemäss Reiseleitung «schönsten Stadt Europas» verweilen. Doch jetzt heisst es erst einmal «Leinen los!».

Hauptsache, die Passagiere sind gut zu Fuss

An Bord der Alexander Borodin gibt es 121 Aussenkabinen, alle mit Panoramafenstern. Die schwimmenden Hotelzimmer des Dreistern-Superior-Schiffs verfügen über guten Komfort, etwa TV mit Flachbildschirm und Klima­anlage. Das 1977 in Dienst ge­stellte Flusskreuzfahrtschiff wurde 2005 gründlich renoviert. Es fährt diesen Sommer auf den ­Gewässern zwischen St. Petersburg und Moskau.

Das Reisen mit der Alexander Borodin bietet gute Einblicke in die russische Seele und Lebensweise. Das Unterhaltungsprogramm an Bord des Schiffs ist vielseitig. Dort erklingt ein russisches Lied, hier werden kurze Sätze in der Landessprache geprobt. Man erfährt einiges über die Geschichte der Zaren und Putins Herrschaft.

«Dieses Programm ist unterhaltsam und lehrreich zugleich, und man lernt die Mitreisenden kennen», sagt ein alleinreisender Passagier. «Wir ziehen uns lieber zum Lesen in die Panoramabar zurück», berichten zwei ältere Frauen. Die meisten Reiseteilnehmer sind im Pensionsalter. «Das war zu erwarten», konstatieren unsere jungen Kabinennachbarn. «Wir wollten einfach mal diese Wasserstrasse bereisen, dazu brauchen wir keine Gleichaltrigen.» Stimmt. Hauptsache, die Passagiere sind gut zu Fuss – auf den steilen Treppen im Schiff und auf den Landausflügen.

Weshalb lief der Zarewitsch in ein Messer?

Das Künstlerdorf Mandrogi, die Insel Kischi mit der 300-jährigen 22-Kuppeln-Holzkirche und das vor 600 Jahren gegründete Klosters in Gorizy werden beispielsweise angefahren. Die Landgänge sind meist kurz, aber die Besichtigungen bleiben lange in Erinnerung. Dank der Ortsführerin, die die historischen Fakten spannend präsentiert.

In Uglitsch: «Die Dmitri-Blut-Kirche ist dem achtjährigen Sohn von Iwan dem Schrecklichen gewidmet. Dmitri ist hier 1591 beim Spielen in ein Messer gefallen.» Hatte der Zarewitsch einen epileptischen ­Anfall und sich dabei selbst in die Kehle gestochen? Oder wurde er wegen seines Thronanspruchs ermordet? Niemand weiss es. Die Reiseleiterin: «Lesen Sie Alexander Puschkins ‹Boris Godunow›, oder hören Sie sich die gleichnamige Oper von Modest Mussorgski an. Sie werden staunen.»

Dmitris Gebeine sollen übrigens 1606 nach Moskau gebracht worden sein. Die Passagiere der Alexander Borodin kommen unversehrt in der russischen Hauptstadt an – und reich an schönen Erlebnissen. Auch die Ausflugsangebote für die letzten beiden Tage der Reise sind umfangreich. Zuerst gehts in den Kreml, den Arbeitsplatz des russischen Präsidenten. Putin ­sehen wir nicht, aber das Fenster, aus dem der russische Allmächtige manchmal schaut. Flussfahrt-­Gäste, die von Kirchen, goldenen und buntfarbenen Zwiebeltürmen und Ikonen noch nicht genug ­haben, besichtigen die vier Kreml-Kathedralen.

Grossen Eindruck hinterlässt die Moskauer Metro

Entlang der östlichen Kreml­mauer erstreckt sich der Rote Platz, angrenzend das GUM. Im ältesten und grössten Kaufhaus Russlands reihen sich Boutiquen internationaler Designer, russische Pelzmode und Juweliere aneinander. Fast wird es einem schwindlig ob des vielen Glitzers, den Spiegeln, Lampen und Lämpchen. Im Bolschoi-Theater, wo abends «Lady Macbeth von Mzensk» spielt, wird mit Gold und Glanz ebenfalls nicht ­gegeizt. Was hier aber vor allem zählt: Die Akustik ist selbst auf den günstigeren Plätzen hervorragend.

Am meisten beeindruckt uns in der 12-Millionen-Stadt der Untergrund: die Moskauer Metro. Bahnstationen mit Mosaikwänden, ­Marmorsäulen, Glasmalereien, Granit, Gold und Edelstahl, Stuck­decken mit Kronleuchtern. Das lange Warten auf die U-Bahn ist hier eitel Freude – für Touristen. Und rundet die Russlandreise stilvoll ab. 2000 Kilometer Wasserweg liegen hinter uns, 18 Schleusen, 5 Seen. Vorbei an dichten Fichten- und Birkenwäldern, die ans Ufer drängen, fährt die Alexander Borodin nun wieder über Wolga, Swir und Newa nach St. Petersburg zurück. «Dabro pashalawat!», wird die Reiseleiterin dort sagen, wenn sie nicht grad von Trezzini schwärmt. (SonntagsZeitung)

Erstellt: 05.01.2018, 16:59 Uhr

Russland mit dem Schiff



«Wasserwege der Zaren» – eine exquisite Flussreise auf der Alexander Borodin von Moskau nach St. Petersburg, Flüge mit Swiss.

Reisedaten
Mai bis September 2018.
11 Tage ab 2155 Franken.

Film Flussreise Russland
www.mittelthurgau.ch

Beratung
Tel. 071 626 85 85.


In Zusammenarbeit von SonntagsZeitung und Reisebüro Mittelthurgau

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