Tempel statt Tuk-Tuks

Der südliche Norden Thailands bietet ein entspanntes Kontrastprogramm zum Verkehrschaos in Bangkok und den überfüllten Inseln.

Der Tempel Wat Phra That Doi Kongmu in der Provinz Mae Hong Son. Fotos: Thailand Tourism

Der Tempel Wat Phra That Doi Kongmu in der Provinz Mae Hong Son. Fotos: Thailand Tourism

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Ein angedeutetes Lächeln, die Lider gesenkt, in sich gekehrt und entspannt: Wir stehen vor der Statue eines meditierenden Buddhas im Lotussitz. 15 Meter ist sie hoch, seit 700 Jahren an diesem Platz. Der Friede, den die Darstellung des Phra Atchana ausstrahlt, ist spürbar; man möchte es ihm gleichtun. Hinsetzen, aus-ruhen und dem frühmorgendlichen Zirpen der Grillen und dem Konzert der Vögel lauschen.

Vor weniger als 24 Stunden befanden wir uns noch mitten im Getöse Bangkoks. In dieser dichten und mitreissenden 9-Millionen-Metropole, in der das geordnete Chaos jeden Tag bei Sonnenaufgang von neuem beginnt und sich Taxis, Tuk-Tuks und Töffs im Abstand von Millimetern aneinander vorbeiquetschen. 400 Kilometer weiter nördlich wundert man sich: Wo sind die vielen Menschen geblieben? Unsere kleine Reisegruppe scheint sich fast alleine auf dem Gelände zu befinden.

Sprechender Buddha: Der Phra Atchana im Geschichtspark von Sukhothai Der Tempel Wat Phra That Doi Kongmu in der Provinz Mae Hong Son.

Dabei besuchen wir einen der wichtigsten und schönsten historischen Orte Thailands – den Wat-Si-Chum-Tempel mitten im Geschichtspark von Sukhothai. Hier soll der Legende nach Phra Atchana, der auch der sprechende Buddha genannt wird, im 16. Jahrhundert den erschöpften Soldaten Mut zugesprochen haben im Kampf gegen die Burmesen. Die Soldaten hatten nicht bemerkt, dass sie von ihrem König Naresuan gefoppt wurden und in Wahrheit ein Junge statt des Buddhas zu ihnen sprach. Der soll sich hinter dem Kopf der Statue versteckt haben, hoch oben im Zwischenraum des Mondop – dem schützenden Gemäuer, das den Buddha umgibt.

Viele der Denkmäler wurden mithilfe der Unesco restauriert

Der Tempel ist eindrücklich, doch nur ein Höhepunkt von vielen. Auf den 70 Quadratkilometern des Geschichtsparks befinden sich die bedeutendsten Ruinen Thailands. Sukhothai war von der Mitte des 13. bis Ende des 14. Jahrhunderts die Hauptstadt des Sukhothai-Königreiches, das von den Thais als erstes thailändisches Königreich angesehen wird. Innerhalb und ausserhalb der alten Stadtmauern sind heute 200 Tempelruinen zu sehen. Im Geschichtspark stehen über ein Dutzend Tempel, zahlreiche, teils riesige Buddha-Statuen, vier Hinduschreine, Festungswälle und Gräben. Viele der Denkmäler wurden mithilfe der Unesco restauriert, der Ort ist Teil des Weltkulturerbes.

Mit Mietvelos erkunden wir den weitläufigen Park, Kameras und Handys immer griffbereit, um die vielen Buddhas, Stupas, Säulen, Elefantenstatuen, Bodhi-bäume und Lotusteiche festzuhalten. Die Touristenführerin hat darauf bestanden, schon um acht Uhr morgens herzukommen. Wir sind ihr dankbar. Zu dieser Tageszeit ist es noch nicht so schwül, und die pittoreske Stätte hat man fast für sich allein.

Von Sukhothai gehts per Minibus weiter übers Land mit dem Ziel Chiang Mai, der wichtigsten und grössten Stadt in Thailands Norden. Die 300 Kilometer lange Strecke bietet so viel Sehenswertes und Schönes, dass es schade wäre, nicht aus dem Fenster zu schauen. Langgezogene Reisfelder, Wasserwege, Reiher, Bananenstauden, Mais-felder, Palmen und einzelne Dörfer wechseln sich ab. Kein Wunder, loben Reiseführer die Strecke als «scenic route».

Die Strassen sind hier gut ausgebaut und in einwandfreiem Zustand. Der Verkehr fliesst spärlich. Das südliche Nordthailand ist von Reisenden noch kaum entdeckt, ganz im Gegensatz zum Süden des Landes. Dort werden manche Orte dermassen überrannt, dass die Behörden Strände oder ganze Inseln sperren müssen, um sie vor Touristenhorden zu schützen.

Die Jungen kommen zurück aus den Städten

Im Norden scheint die Welt intakt und durchaus auf dem Weg zu einer nachhaltigen touristischen und agrarischen Nutzung zu sein. Die Landschaft bleibt abwechslungsreich, Monokulturen sieht man keine. Das ist der Verdienst des im letzten Jahr verstorbenen, verehrten Königs Bhumibol. Er befahl den Bauern, im Anbau auf Vielfalt zu setzen, und propagierte eine biologische Landwirtschaft und den zurückhaltenden Umgang mit Pestiziden.

Mit Erfolg, wie es scheint. «Der Bedarf an biologischen Lebensmitteln hat zugenommen», sagt Reiseleiterin Suree Pongnopparat. Das wiederum habe die Arbeit auf den Feldern und die Bauernbetriebe attraktiver gemacht: «Vor zehn Jahren waren fast nur noch alte Menschen in der Landwirtschaft tätig, doch jetzt kommen die Jungen zurück aus den Städten und arbeiten in der Landwirtschaft an neuen Projekten.»

Zwischenstopp in Lampang, 100 Kilometer entfernt von Chiang Mai. Wer eine charmante Stadt sucht, authentisch und abseits des Mainstreams, ist hier richtig. Die Geschichte geht bis ins 7. Jahrhundert zurück, in die Zeit des Königreichs Hariphunchai. Noch heute zeugen zahlreiche Tempel und alte Holzbauten in der Altstadt von der einstigen Pracht. Lampang ist bekannt für die allgegenwärtigen Pferdekutschen, vor allem aber für den Wat Phra Kaeo Don Tao, einen der am häufigsten besuchten Tempel Thailands. Viele Thais kommen hierher zum Gebet.

Im Idealfall verbringt man in Lampang ein ganzes Wochen-ende. Dann ist Nachtmarkt im alten Stadtteil. Unzählige farbige Lämpchen beleuchten die einen Kilometer lange Strasse. Gassenküchen, Fruchtsaftbars und Marktstände mit Kleidern und Kunsthandwerk reihen sich dicht an dicht. Die Händler preisen fröhlich ihre Waren an. Beim Schlendern kosten wir Leckereien wie Papaya-Chips mit Sesam, geröstete Mehlwürmer, Mango Sticky Rice – eine Delikatesse aus Klebreis, Kokosnuss und Mango. Und natürlich Sai Anur, eine Gewürzwurst mit dünn geschnittenem Ingwer, eine Spezialität des Nordens.

Man könnte sich hier mehr als satt essen, doch uns zieht es in eines der vielen Restaurants mit Aussicht auf den Wang-Fluss. Bei Chang-Bier, Limonengrassuppe, scharfem Papaya-Salat, frittierten Bohnen und Seebarsch-Curry reden wir bis weit in die Nacht . Immer wieder bitten uns Gäste um ein Gruppenfoto, und so posieren wir mit ihnen und den Gastgebern. Sie freuen sich über uns Farang. Ausländische Touristen sind hier rar. Die tummeln sich vermutlich an den südlichen Stränden.


Die Reise wurde unterstützt vom thailändischen Fremdenverkehrsamt und von Thai Airways.

Erstellt: 22.09.2018, 16:17 Uhr

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Tipps und Infos

Anreise: Inlandflüge mit Thai oder Bangkok Airways nach Chiang Mai.
Unterkünfte:


  • 137 Pillars Suites & Residences in Bangkok. Luxuriös, stilvoll, Panoramablick und Infinity Pool; www.137pillarshotels.com.

  • Legendha Hotel in Sukhothai. Stilvolles Mittelklassehotel nahe den Sehenswürdigkeiten; www.legendhasukhothai.com.

  • Anantara Resort in Chiang Mai. Fünfsternhotel in puristischem Design am Fluss, nur wenige Minuten vom Nachtmarkt entfernt; www.anantara.com.

Reiseveranstalter: Nordthailand-Programme bei Tourasia, Kuoni/Asia365, Travelhouse oder Tui Suisse.
Beste Reisezeit: November bis April
Allg. Infos: Thailändisches Fremdenverkehrsamt, Bern; Tel. 031 300 30 88, www.tourismthailand.ch

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