Welt in Grün und Blau

Luxushotels und Wunderstrände? Klar. Doch die Seychellen bieten noch einiges mehr. Zum Beispiel Velotouren zum starken Victor, Kokosnüsse für 330 Euro und einen Schweizer Entdecker.

Einsame Sandstrände, Wälder und Meer: Das Postkartenbild der Seychellen zeigt noch nicht alles. Foto: Westend61, Fotofeeling

Einsame Sandstrände, Wälder und Meer: Das Postkartenbild der Seychellen zeigt noch nicht alles. Foto: Westend61, Fotofeeling

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An Victor, dem armen Kerl, bleibt die ganze Arbeit hängen. Er ist ein Bulle, schwer wie ein Kleinwagen. Und er ist eine touristische Attraktion. Um das muskulöse Rindvieh herum stehen Zuschauer, die sehen wollen, wie er schuftet. Auf dem runden 20-Meter-Parcours setzt Victor die gewaltigen Steine einer alten Mühle in Bewegung und presst so Öl aus Kokosnüssen. Gerade mal 10?Liter schafft Victor pro Tag.

Wir sind auf La Digue, der viertgrössten Seychellen-Insel. Gut 2000 Einwohner und ganz sicher noch mehr Velos gibt es hier. La Digue lässt sich wunderbar auf zwei Rädern erkunden. Der Verkehr ist flau, die Strässchen führen an hübschen Galerien, Bananenbäumen und Vanilleplantagen vorbei. Mit etwas Glück kreuzt ein Bauer mit Ochsenwagen die Pedaleure.

Der berühmteste Strand

Ein Tag genügt auch bei gemächlichem Tempo, um einen guten Eindruck von der Insel zu bekommen. Natürlich lässt sich auf La Digue das Inselleben problemlos länger geniessen. Es bietet, was die Seychellen zu bieten haben: ziemlich wenig Hektik, sehr viel Grün und mindestens so viel Türkisblau. Und dazu noch den berühmtesten Strand des Landes: den Anse Source d’Argent mit Granitfelsen und Palmen und Wasser, so klar wie in der Badewanne. Einige nennen ihn auch den Bacardi-Strand. Ganz so menschenleer wie im Werbespot ist er allerdings nicht.

Die Seychellois sind sehr stolz auf alles, was exklusiv von den Seychellen kommt. Und am stolzesten sind sie auf die Coco de Mer, die weltweit grösste Kokusnuss. Sie wächst nur auf den Inseln Praslin und Curieuse.

Gibt es nur auf Praslin und Curieuse: Die Coco de Mer. Foto: Alamy Stock

Besonders gut kann die Coco de Mer bei einem Spaziergang im 19,5 Quadratkilometer grossen Vallée de Mai auf Praslin bestaunt werden. Überall pfeifen Vögel, der Palmenwald ist bezaubernd dicht – was allerdings auch die Stechmücken schätzen.

Die Coco de Mer kennt männliche und weibliche Palmen. Die Befruchtung übernimmt der Wind – oder auch ein von Baum zu Baum kletternder Gecko. Sieben Jahre reift die Frucht, bis sie auf den Boden fällt. Früher haben Einheimische die Coco de Mer verspeist. Jetzt aber ist die Frucht mit ihrer harten Schale geschützt. Eine Coco de Mer zu pflücken, ist ebenso verboten, wie sie vom Boden aufzuheben und mitzunehmen. Wer erwischt wird, kann sich auf einen Prozess vorbereiten. Nur staatliche Ranger dürfen die Nüsse einsammeln, jedes Exemplar wird registriert. Und wer unbedingt eine Coco de Mer haben will, kauft sie im Souvenirshop, dazu gibts Echtheitssiegel und Ausfuhrgenehmigung. Für 330 Euro.

Der Koloss und die Krebse

Es ist ein Vorteil, auf Praslin im Luxushotel Raffles mit den Privatpool-Villen, direkter Strandlage, zwei 47-Meter-Infinity-Pools und Spa sowie ausgezeichneten Restaurants zu wohnen. Vom Raffles geht es bequem zum Schiffssteg mit kurzer Überfahrt nach La Digue. Und vom Raffles sind es auch nur wenige Bootsminuten hinüber nach Curieuse. Dort lebten früher die Leprakranken, heute bietet die Insel 300 freilebenden Landschildkröten vom 10-Zentimeter-Baby bis zum 140-jährigen Koloss eine Heimat. Früher haben die Einheimischen die Landschildkröten – und auch die Meeresschildkröten – getötet und gekocht oder exportiert. All das ist längst verboten. Und auch hier gilt: Wer sich nicht ans Gesetz hält, wird gerichtlich verfolgt.

Auf Curieuse ist eine kurze Wanderung angesagt, 45 Minuten vielleicht, sie führt über einen kleinen Pfad und einen Hügel vom einen Strand zum anderen, sie führt durch einen Mangrovenwald und zu den Schildkröten. Mit Glück sind unterwegs in einer Bucht Haie oder Rochen zu beobachten. Ganz sicher nicht unentdeckt bleiben die Landkrebse, die sich schnell in die Löcher zurückziehen, sobald sich ein Mensch nähert.

Es kreucht und fleucht überall ein bisschen auf den Seychellen. Die gute Nachricht für Ängstliche ist aber: Auf den Inseln gibt es keine giftigen Tiere. Und die Schildkröten mögen es übrigens, am Hals und unter dem Panzer gedrückt und gerieben zu werden. Dann strecken sie sich wie eine Hauskatze.

Auf Tour mit Vasco

Auch die grösste der 115 Seychelleninseln ist ziemlich klein: Mahé, 28 Kilometer lang und maximal 8 Kilometer breit. Wer hier am Flughafen ankommt, könnte sich fragen, wo denn die versprochenen Prospekt-Seychellen sind. Auf den ersten Blick hat die Hauptinsel weniger Schönheit, weniger Strand, weniger Postkartenidylle als Praslin oder La Digue.

Gegen diesen ersten Blick kämpft Sandro an, Jahrgang 1972, Basler. Er arbeitet seit 2009 als Reiseführer auf Mahé und holt seine Gäste in der Hotellobby ab. Etwa im Kempinski, das mit dem wunderbar langen Sandstrand und der perfekten Badebucht gleich vor der Zimmertür punktet. Von dort aus führt Sandro seine Gäste zu den schönsten Ecken der Insel. Er nennt sich auch Vasco, «wie Vasco da Gama, der Entdecker, so bin ich ja auch». Er fährt wie die meisten Einheimischen gemächlich über die Strassen, vorbei an Hütten mit Blechdächern und Häusern im Kolonialstil. Vasco steuert Schnorchelplätze an und versteckte Strände. Er weiss Bescheid über den Westwind und gefährliche Strömungen, kennt die besten Restaurants und findet schräg gewachsene Palmen für das perfekte Foto. Und als der Tag vorbei ist, fragt der Exil-Schweizer: «Gäll, hät sich doch glohnt, das Mahé?» Ja, hat es.

Die Reise wurde unterstütztvon Manta Reisen. (Redaktion Tamedia)

Erstellt: 11.10.2018, 19:05 Uhr

Tipps und Infos

Anreise: Edelweiss fliegt neu jeden Samstag nonstop von Zürich nach Mahé. Tägliche Verbindungen mit Emirates via Dubai. www.flyedelweiss.com, www.emirates.com

Reiseveranstalter: Manta, Spezialist für den Indischen Ozean, führt ein grosses Seychellen-Programm, Tel. 044 277 47 00, www.manta.ch

Hotels: Raffles Seychelles,Praslin, 86 am Hang gelegene Villen, viele mit Meerblick. Eigener Sandstrand, Infinity-Pool auf zwei Ebenen, Spa, Kinderclub. Ideal für Ausflüge auf Praslin oder zu nahegelegenen Inseln wie Curieuse oder La Digue. www.raffles.com/seychelles Kempinski Seychelles Resort, Mahé, eine halbe Autostunde vom Flughafen entfernt, direkt am Strand gelegen, 142 Zimmer und 6?Suiten, diverse Sportmöglichkeiten und Spa. www.kempinski.com/en/baie-lazare/seychelles-resort

Allg. Infos: www.seychelles.travel

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