Wo die reichen Scheichs zelten

Auf der Halbinsel Musandam in Oman scheint die Zeit stillzustehen. Hier pflegen Herrscher das Leben in archaischer Landschaft.

Jenseits des Fjords: Die Weite des Indischen Ozeans. Foto: Laif

Jenseits des Fjords: Die Weite des Indischen Ozeans. Foto: Laif

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Sie haben es gerade abgebaut, die breiten, weissen Bahnen eingerollt, das Gestänge wieder verstaut, die wertvollen Teppiche weggeschafft, die Möbel verladen: Fast einen Monat hat der Bruder des Emirs von Abu Dhabi am Khor-Najd-Fjord in seinem Zelt auf dem breiten Felsplateau gehaust – in Luxus zwar und mit einer Heerschar von Helfern, aber in der Wildnis, am Ende einer schmalen, für omanische Verhältnisse seltsam schlecht befestigten Strasse.

Der Mann kommt jedes Jahr hierher ins Nachbarland. Er könnte sich die grösste Suite in jedem Hotel der Welt leisten, aber er zeltet lieber: weil der Superreiche von hier aus den wahrscheinlich schönsten Ausblick geniessen kann, den die arabische Halbinsel zu bieten hat – hinab auf die tief eingeschnittenen Fjorde von Musandam.

Tanzende Delfine, grasende Ziegen

Die Meeresarme sind von über tausend Meter hohen, rotbraunen Bergen gesäumt. Der Blick geht auf tanzende Delfine, einsame Fischerboote. An klaren Tagen kann er sogar die gegenüberliegende iranische Küste in 60 Kilometer Entfernung erahnen. In der Luft segeln Greifvögel auf den Böen, und hinter dem Kamm grasen Ziegen.

Alles sieht aus wie seit Ewig­keiten: als ob die Musandam-Halbinsel an der Strasse von Hormus ausserhalb der Zeiten existiert. Doch am Horizont strebt gerade die Silhouette eines Tankers dem Indischen Ozean entgegen. Die Wolkenkratzer von Abu Dhabi und Dubai sind fern, die achtspurigen Stadtautobahnen, blinkenden Leuchtreklamen, die Mega-Einkaufscenter, die Erdölverladeterminals und Riesen-Airports. Dabei liegt die omanische Exklave Musandam nur 150 Kilometer von Dubai entfernt.

Die benachbarten Herrscher kommen zum Zelten

Die Einheimischen der Oberschicht aus den Emiraten suchen solche Orte. Sie sehnen sich zwischendurch nach Stille, und es ist, als pilgerten sie durch die Zeiten zurück in die Welt ihrer Väter – damals, als alle barfuss liefen und abends ums Lagerfeuer sassen. An Stellen wie dieser spielen die Kindheitserinnerungen der Älteren, die Geschichten der Grosseltern, sogar die Märchen. Und anders als in den boomenden Emiraten bewahrt der Herrscher Omans diese Vergangenheit. So sehr sogar, dass die benachbarten Herrscher in die Auslandsferien herkommen, zum Zelten.

Sultan Qaboos hat sein Land innerhalb von 40 Jahren aus dem Mittelalter in den Wohlstand geführt, hervorragende Infrastruktur geschaffen. Er ist dennoch bei den arabischen Wurzeln geblieben. Rekorde werden in Oman, anders als in den Emiraten, kaum gejagt, die einheimische Kultur wird unaufdringlich gepflegt. Besonders auf der abgelegenen, schwer zugänglichen Musandam-Halbinsel mit ihrem Gebirge und den vielen Fjorden. Die Exklave ist halb so gross wie Mallorca und wird von weniger als 30 000 Menschen bewohnt.

Ein Zipfel Land, den man spürt

Hat man sich am Khor-Najd-Fjord auf einen Felsblock gesetzt, mag man nie mehr aufstehen. Es ist, als ob ein seltsamer Magnetismus am Fortgehen hindert, weil der Blick bis in die Ewigkeit reicht. Musandam ist ein Zipfel Land, den man als Fremder nicht einfach nur sieht. Man spürt ihn.

«Allah hat hier Burgen aus Fels gebaut», sagen die Einheimischen. Kein Wunder, dass der steinreiche Mann aus Abu Dhabi mit dem Zelt hierherkommt. Weil ihm zu Hause was fehlt: Stille und Ausblick. www.omantourism.ch


Die Reise wurde unterstützt von der Airline Emirates. (SonntagsZeitung)

Erstellt: 04.11.2016, 16:58 Uhr

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