Abtauchen ins Wunderland

Das Korallenriff Golden Wall auf den Malediven lässt sich direkt vom Hotel aus erkunden.

Liegt mitten im Unesco-Biosphären-Reservat des Baa-Atolls: Das Hausriff des Resort Anantara Kihavah Maldives Villas

Liegt mitten im Unesco-Biosphären-Reservat des Baa-Atolls: Das Hausriff des Resort Anantara Kihavah Maldives Villas

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Über und über gelbe, ja fast goldfarbene Korallen breiten sich vor dem Auge aus. Eine lebende Wand, bestehend aus Blumenkohlkorallen, die leicht in der Strömung wippen, erstreckt sich in die Höhe. Vereinzelt recken dunklere Exemplare ihre Verästelungen empor. Der Taucher schwebt im Neoprenanzug vor dieser Wand, umgeben von einem tiefen Blau und von Hunderten bunter Fische. Die Golden oder auch Yellow Wall vor dem Resort Anantara Kihavah Maldives Villas liegt im Indischen Ozean, genauer gesagt im Baa-Atoll, 130 Kilometer nordwestlich der Malediven-Hauptstadt Malé.

Dass das Atoll ein Unesco-Biosphären-Reservat ist, hat einen Grund. Egal, wo man hinschaut, überall gibt es Neues zu entdecken: Sei es ein farbenfroher Papageifisch mit einem Happen im Maul oder ein rosa Seestern, der sich an eine Steinkoralle schmiegt. Je nach Tiefe umschwirren andere Fische die Taucher: vom Malediven-Anemonenfisch, einem nahen Verwandten des kleinen Nemo, bis zum spektakulären Feuerfisch. Ein dünner, fast strichförmiger Trompetenfisch und als Gegensatz dazu ein Perlhuhn-Kugelfisch zeigen die grosse Formenvielfalt.

Dinieren, Auge in Auge mit dem Gelbaugenschnapper

Faszinierend sind ausserdem die Höhlen, die sich in der lebenden Wand verbergen. Wer sich hineinwagt, ist auf allen Seiten von Korallen umgeben. Lange helle, fast schwertartige Gewächse schiessen vom Boden in die Höhe. Es ist eine surreale Erfahrung: Als Mensch fühlt man sich in diesem Paradies ein wenig, wie sich Alice im Wunderland gefühlt haben muss. Doch man befindet sich nicht im Wunderland, sondern 18 Meter unter der Meeresoberfläche.

Ungewöhnlich an der Golden Wall ist, dass sie vor der Haustür des Luxus-Resorts Anantara Kihavah liegt. Um die Wand zu erreichen, brauchen Taucher und Schnorchler kein Boot zu besteigen. Vielmehr können sie direkt vom hoteleigenen Strand aus durchs Wasser waten. «Viele unserer Gäste sagen, dass es sich um das beste Hausriff der Malediven handelt», sagt Giles Selves, Generaldirektor des Anantara-Kihavah.

Noch besser als Selves kennt Flora Blackett das Riff. Die Meeresbiologin arbeitet im Resort, begleitet Tauch- und Schnorcheltrips und informiert die Gäste über die Unterwasserwelt. «Ich habe diesen Tauchgang bestimmt schon fünfhundert Mal gemacht, und er ist trotzdem immer wieder atem­beraubend», sagt sie. Der Fisch­bestand ändere sich fortwährend. «Das Tolle an den Weichkorallen ist zudem, dass sie nicht von ­steigenden Wassertemperaturen betroffen sind.» Ganz anders die Hartkorallen, die auch hier 2015 und 2016 unter dem El-Niño-Phänomen und damit unter der Korallenbleiche zu leiden hatten.

Im Unterwasserrestaurant wird niemand nass

Zu sehen ist davon nichts mehr. Nicht nur, dass sich die Meeres­tiere erholt haben. Blackett und ihr Team unterstützen sie auch aktiv dabei, indem sie beschädigte Korallenstücke im Wasser an Seilen befestigen und sie so zum Wachsen bringen, bevor sie wieder im Riff angesiedelt werden. Wer möchte, kann solche Nachwuchskorallen «adoptieren» und damit deren Schutz finanziell unterstützen. Doch ist es nicht ein Dilemma, dass die Emissionen des Flugverkehrs zum Klimawandel beitragen und der Tourismus so die Existenz der Malediven bedroht? «Wir sind Menschen des 21. Jahrhunderts und werden nicht aufhören zu fliegen», gibt Blackett zu bedenken. Ihr sei es deswegen wichtig, vor Ort das Bewusstsein der Menschen zu wecken. Etwa indem sie aufzeige, dass Abfall, der auf der Insel liegen gelassen werde, zwangsläufig im Meer lande.

Um Meerestiere zu erspähen, ist es nicht nötig, ins Wasser zu steigen. Ein junger Schwarzspitzen-Riffhai taucht bei der Überwasser-Villa auf. Das türkise Wasser bleibt glasklar, sodass sich zahlreiche Meerestiere vom Steg oder von den Villen aus beobachten lassen.

Eine weitere Möglichkeit, die Unterwasserwelt trockenen Fusses zu entdecken, bietet das Unterwasserrestaurant Sea. Inmitten roséfarbener Korallen, riesenhafter Muscheln und bunter Fischschwärme wird das Essen zur Nebensache. Wenn aber ein prächtiger Gelbaugenschnapper direkt vor der Scheibe kreuzt, beschleicht einen ein flaues Gefühl, und man hätte lieber etwas Ve­getarisches statt der Fischplatte bestellt.

Die Reise wurde unterstützt von Anantara Hotels & Resorts.



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Erstellt: 15.06.2019, 17:39 Uhr

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Reise-Info

Flüge: Von Sept. bis Mai von Zürich nach Malé mit Edelweiss, weiter mit dem Wasserflugzeug
Hotel: Anantara Kihavah Maldives Villas, ab 792 Fr. pro Übernachtung für 2 Personen, www.anantara.com
Infos: www.visitmaldives.com

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