Big Daddy und die Big Five

In Bus und Sonderzug durch Afrikas Süden – eine neue Sicht auf einen alten Kontinent.

Höchste Düne der Welt: Big Daddy im Sossusvlei. Foto: Christian Heeb (Laif)

Höchste Düne der Welt: Big Daddy im Sossusvlei. Foto: Christian Heeb (Laif)

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Endlich oben. Der Aufstieg war steil und mühsam, der lockere Sand hat jeden Schritt zur Anstrengung werden lassen. Erst mal hinsetzen. Tief einatmen. Schuhe aus. Nackte Füsse im warmen Sand. Der Wüstenwind kühlt die Haut. Zur Ruhe kommen. Schwitzen. Schweigen. Schwelgen.

Über dem Sossusvlei, dem ausgetrockneten Tal des blinden Flusses, wie die Namibier die Dünenlandschaft hinter der Küste nennen, klettert die Sonne ihrem Zenit entgegen. Nach einer eiskalten Nacht wird die Luft bald schon in der Gluthitze flimmern. Nie zuvor war ein Schluck Wasser aus der Thermosflasche so erfrischend, die Aussicht auf eine archaische Wüstenlandschaft so imposant. Und noch einmal tief durchatmen. Das Panorama bestaunen, diese gigantischen Wellenkämme, in einem Ozean erstarrt, ein Gemälde in allen Farbschattierungen zwischen Ocker-Orange und tiefstem Blau.

Nach der ersten von drei Reisewochen ist der Moment für eine Zwischenbilanz gekommen – hier oben auf Big Daddys Scheitel. Mit 350 Metern ist Big Daddy die weltweit höchste Sanddüne, in der ältesten Wüste der Welt, der Namib – und einer von zahllosen Höhepunkten auf einer Reise, die man in der Regel nur einmal im Leben unternimmt. Und es ist tatsächlich so etwas wie eine Lebensreise. Sie hat in den letzten Tagen die Vergangenheit aufleben lassen und schürt die Vorfreude auf weitere Abenteuer in naher Zukunft.

Am Flughafen in Windhoek hat ein alter Bekannter die Schweizer Reisegruppe begrüsst: Walter ­Eggenberger – genau, der unvergessene «10 vor 10»-Anchorman mit dem Schalk hinter Brillengläsern und dem ironisch erhobenen Mahnfinger. Er kennt Namibia, seit er nach der Unabhängigkeitserklärung vor dreissig Jahren als Beobachter entsandt worden war und das Land mit Politikern und Offizieren bereist hatte. Seither ist es ihm zum Bedürfnis geworden, seinen Landsleuten auch als Tour-Guide die «Ruhe, die Weite und die Farbenpracht der Natur nahezubringen. Namibia fasziniert auch durch die Eleganz und Schönheit der Menschen, die Vielfalt der Tierwelt – und durch einen Sternenhimmel, den wir in Europa nicht mehr kennen.» Fünfzehn Reisegruppen habe er mittlerweile durch Namibia geführt. Eggenberger: «Ich habe mich noch nie von einem Gast verabschiedet, der nicht begeistert war.»

Kreuz und quer durch fünf afrikanische Länder

Nach zehn Tagen im bequemen Bus und neun Nächten in komfortablen Hotels oder Safari-Lodges endet die Rundreise durch Namibia am Flughafen von Windhoek, wo ein Flugzeug wartet. Es fliegt die Gruppe zu den Viktoriafällen, zum «donnernden Rauch», wie die Einheimischen das Naturspektakel im Grenzgebiet zwischen Namibia, Sambia und Zimbabwe nennen. Ob zu Fuss durch die Sambesi-Schlucht oder mit dem Helikopter über den tosenden Kaskaden – es ist ein unvergessliches Erlebnis. Und es ist der Übergang zum zweiten Teil der Reise – zu einem neuen Abenteuer. Es heisst African Explorer und bewegt sich auf Schienen.

Ein rollendes Luxushotel: Der African Explorer unterwegs Foto: Dennis Schmelz

Der historische Sonderzug ist ein rollendes Luxushotel mit zwei klimatisierten Restaurants und mehreren Schlafwagen in zwei Preiskategorien. In den kommenden elf Tagen wird er kreuz und quer durch fünf afrikanische Länder rollen: Vom Hwange-Nationalpark in Zimbabwe, wo man vom offenen Veranda-Waggon aus Elefanten, Büffel, Löwen, Nashörner und Leoparden, die berühmten Big Five, beim Morgenbad beobachtet, weiter zum Antilopen-Park, einem privaten Reservat, wo die Passagiere den Zug verlassen und auf dem Rücken eines Pferdes oder im Kanu die Tierwelt erkunden können.

Bei einem Abstecher ins Königreich Swasiland, dem zweitkleinsten Staat auf dem Kontinent, gerade mal halb so gross wie die Schweiz, kann man afrikanische Ambivalenz erleben: Hier die malerischen Landschaften und das kunterbunte Treiben auf den Märkten. Und auf der anderen Seite ein umstrittener Monarch, der sein Land nach eigenwilligen Kriterien beherrscht.

Das grösste und berühmteste Wildtierreservat

Hintergründe über politische Machtspiele und kulturelle Besonderheiten erläutert Cristina Karrer, die ihren Kollegen Walter ­Eggenberger bei den Viktoriafällen als Reisebegleiterin abgelöst hat. Die TV-Korrespondentin berichtet seit zwanzig Jahren aus dem südlichen Afrika. Sie lebt in Johannesburg und kennt die örtlichen Gegebenheiten aus erster Hand.

Nach einer langen Nachtfahrt zur Küste des Indischen Ozeans erwachen die Passagiere des African Explorer im historischen Hauptbahnhof von Maputo, der Hauptstadt von Moçambique. Das fröhliche Treiben am palmengesäumten Strand der Costa Do Sol und die Gourmet-Restaurants mit den legendären Moçambique-Shrimps können nicht darüber hinwegtäuschen, dass dieses Land, wie auch Zimbabwe, das frühere Rhodesien, und wie so viele afrikanische Staaten, auf eine blutige Vergangenheit zurückblickt. Die vielen beinamputierten Kriegsversehrten, die an Krücken durch die Strassen humpeln, sind Zeugen von erbitterten Bürgerkriegswirren, die das Land nach dem Abzug der portugiesischen und sozialistischen Kolonialmächte erschütterten.

Kopfbilder, die sich ins Gedächtnis eingraben

Am vorletzten Reisetag dampft der African Explorer durch den Krüger-Nationalpark – das grösste und berühmteste Wildtierreservat im südlichen Afrika. Und da sind sie wieder, die grossen Grauen mit dem Horn auf der Nase. Und die Safari-Touristen, die in Geländewagen den Tieren mit der Kamera nachstellen.

Als Journalistin ist die Reisebegleiterin Cristina Karrer der Frage nachgegangen, wie sich der Safari-Tourismus mit dem Tier- und Artenschutz vereinbaren lässt – und so entbrennen auch unter den Passagieren des African Explorer spannende Diskussionen.

Nicht die Schnappschüsse etwa von Nashörnern werden bleiben – es sind die Kopfbilder, die sich im Gedächtnis eingraben. Und da hat jeder seine eigenen Eindrücke. Zum Beispiel das orangerote Wellenmeer aus Sand, das Panorama auf dem Scheitel von Big Daddy. Der Aufstieg zur Düne war zeit- und kräfteraubend, jetzt gehts rasant-spektakulär abwärts – auf dem Hosenboden.

Erstellt: 10.02.2020, 14:08 Uhr

Die Leserreise der SonntagsZeitung

Leserreise «African Explorer» – eine Reise vom 26.Oktober bis zum 17.November 2021 durch Namibia, Swasiland, Moçambique, Zimbabwe und Südafrika. Die Leserreise wird von Namibia-Experte Walter Eggenberger und von SRF-Afrika-Korrespondentin Cristina Karrer begleitet. Bei diesem Abenteuer erleben die Teilnehmenden bizarre Landschaften und beeindruckende Tierwelten. Sie sind im Nostalgiezug unterwegs und machen Rast in idyllischen Safari-Lodges.

Anreise: Mit Swiss von Zürich nach Johannesburg und weiter nach Windhoek.

Preise: ab 11'500 Fr. pro Person

Infos und Detailprogramm: www.sonntagszeitung.ch/leserreisen; cotravel, Tel 061 308 33 00,

Mail: cotravel@cotravel.ch

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