Der Weisse Hai lässt die Kassen klingeln

Die Rückkehr der «Great Whites» lockt zahlreiche Touristen ans amerikanische Cape Cod – just an jenen Ort, an dem Steven Spielberg seinen Filmklassiker «Der Weisse Hai» verortete.

Respekteinflössender Meeresräuber: Der Weisse Hai. Foto: Getty Images

Respekteinflössender Meeresräuber: Der Weisse Hai. Foto: Getty Images

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Es vergeht kein Sommer im amerikanischen Neuengland, in welchem nicht der Spielberg-Klassiker «Der Weisse Hai» in den örtlichen Open-Air-Kinos über die Leinwand flimmert. Charaktere, Dialoge und Filmmusik sind Kult, der Film gehört genauso zur US-Ostküsten-Kultur wie das Hummerbrötchen Lobster Roll – schliesslich ist Amity, der fiktive Badeort aus dem Film, auch hier angesiedelt. Die Insel Martha’s Vineyard, wo zahlreiche Szenen für den Horrorfilm gedreht wurden, ist ein Mekka für Filmfreaks.

Setzt man heute von Martha’s Vineyard ans Festland über, gelangt man dorthin, wo sich der Weisse Hai derzeit vermehrt wie nirgendwo sonst auf der Welt; ans Cape Cod. Die hakenförmige Halbinsel im Bundesstaat Massachusetts lockt mit Sandstränden, malerischen Fischerorten, einer von Meeresfrüchten dominierten Küche und mittlerweile eben auch mit der reellen Chance, einen Blick auf die berüchtigtste aller Haifischarten zu erhaschen.

Schlagzeilen wie «Strand nach Hai-Sichtung weiterhin gesperrt» oder «Hai bei Robbenjagd beobachtet» sind in den regionalen Medien seit einiger Zeit regelmässig zu finden. Seit der atlantische Weisse Hai in den Gewässern von Massachusetts 2005 unter Schutz gestellt wurde – bis dahin durfte er gejagt werden –, hat sich der Bestand massiv erholt.

Begünstigt wurde die Rückkehr der Haie aber vor allem durch die stark gewachsene Seehundpopulation in der Region – die Robben sind die Nummer 1 auf dem Speiseplan des Meeresräubers. Bereits 1972 unter Schutz gestellt, haben sich die Seehunde in den Küstengebieten des Kaps in den letzten Jahren im Rekordtempo vermehrt. Und wo es Beute hat, hat es auch Jäger.

Begehrtes Haifutter: Der Seehund. Foto: Unsplash

Während der Weisse Hai im Kultfilm von 1975 Protagonisten und Zuschauer in Angst und Schrecken versetzt, begegnen die Bewohner des Küstengebiets dem bis zu sechs Meter langen Tier heute zwar mit Respekt, aber auch mit Neugier. Berichte von Fischern und Bootsausflüglern über Begegnungen mit dem imposanten Raubtier machen zuhauf die Runde. Was früher hätte als Seemannsgarn abgetan werden können, wird heute in Form von Handyaufnahmen nicht nur belegt, sondern auch im Internet verbreitet.

Während sich Surf-Shop-Betreiber am Cape Cod verständlicherweise über rückläufige Verkaufszahlen beklagen, haben die lokalen Behörden das touristische Potenzial des neuen Gastes sofort erkannt. Die Rede ist mittlerweile sogar von «Shark-onomics», also einem regelrechten Hai-Tourismus, der den regionalen Wirtschaftsmotor ölt.

Obwohl es im Sommer 2018 am Cape Cod zum ersten tödlichen Zwischenfall mit einem Weissen Hai seit 1936 gekommen ist, setzt man weiterhin auf Prävention statt Panikmache. Informationstafeln weisen schon bei den Parkplätzen an den Stränden auf die Hai-Aktivitäten hin und wachsame Rettungsschwimmer behalten die Situation im Auge. An den Stränden wurden vermehrt «First Aid Kits» installiert und betroffene Gemeinden bieten Erste-Hilfe-Kurse an, die spezifisch auf die rasche Versorgung von stark blutenden Wunden ausgerichtet sind.

Zur Sicherheit der Schaulustigen bleiben die Strände nach Hai-Sichtungen immer wieder tagelang für den Schwimmbetrieb gesperrt. Besucht werden sie trotzdem – oder gerade deshalb. Ins wortwörtlich kühle Nass wagen sich ohnehin auch in der Badesaison nur wenige, und wenn, dann nur kurz – denn auch im Hochsommer knackt die Wassertemperatur nur selten die 19-Grad-Marke.

«Shark-Watching» vom Strand aus

Förderlich für den Hai-Tourismus ist sicherlich, dass die Angriffe auf Menschen nach wie vor die Ausnahme bilden, die Hai-Sichtungen aber mittlerweile zur Tagesordnung gehören. Die Touristen kommen angespornt von den im Internet verfügbaren Videoaufnahmen und den rapportierten Sichtungen. Dank der Sharktivity-App, die über gemeldete Sichtungen informiert, wissen die Schaulustigen genau, an welchen Stränden sie am ehesten aus sicherer Distanz einen Blick auf eines dieser eindrucksvollen Tiere erhaschen können. Die App wurde bereits über 200'000-mal runtergeladen.

Findige Händler machen sich das Aufsehen um die Haie zunutzen. Souvenirs mit Haifischflossen und T-Shirts mit Aufdrucken wie «Every Week Is Shark Week at Cape Cod» landen in den Koffern der Touristen. Und statt «Whale Watching» lässt am Cape Cod das «Shark Watching» die Kassen klingeln.

Touranbieter bieten «Shark Safaries» und «Great White Watchings» an – oftmals zu stolzen Preisen. Die von der «Atlantic White Shark Conservancy» angebotenen erschwinglicheren Haifischexpeditionen sind jeweils im Rekordtempo und weit im Voraus ausgebucht. Im amerikanischen Osten ist der Weisse Hai also 40 Jahre nach seinem Leinwanddebüt wieder in aller Munde – nicht als Monster, sondern als Sensation. (Travelcontent)

Erstellt: 16.10.2019, 15:38 Uhr

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