«Entspannte Barfussinseln laufen Topresorts den Rang ab»

Andreas Zgraggen, Chef von Manta Reisen, über Bikini-Beaches, Massentourismus und Abenteuer auf den Seychellen.

Die Seychellen sind ein Traumziel für den absoluten Geniesser, der auch eine Prise Abenteuerlust mitbringt. Foto: Daniel Peterlunger

Die Seychellen sind ein Traumziel für den absoluten Geniesser, der auch eine Prise Abenteuerlust mitbringt. Foto: Daniel Peterlunger

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Wo läuft im Indischen Ozean das Geschäft am besten?
Aktuell heisst der grosse Gewinner Mauritius. Das hat mit den neuen Nonstopflügen von Edelweiss zu tun – aber auch mit der Art von Ferien auf Mauritius: Man fliegt hin, geniesst und fliegt wieder zurück – ganz einfach. Dank der grossen Hotelkapazitäten bleiben zudem die Preise auf einem sehr anständigen Niveau.

Aber Mauritius galt lange als sehr luxuriöse und teure Destination?
Heute dominieren statt Fünfstern-Superiorhotels die Anlagen mit vier oder fünf Sternen. Doch trotz breiterem Übernachtungs- und Flugangebot fehlt Massentourismus wie etwa auf Mallorca.

Welcher Klientel empfehlen Sie die Seychellen?
Dem absoluten Geniesser, der auch eine Prise Abenteuerlust mitbringt. Es bleibt etwas umständlicher, auf die Seychellen und im Archipel selbst zu reisen. Einsteigern rate ich zum Inseltrio Mahé, Praslin und La Digue. Die Seychellen sind im Gegensatz zu Mauritius tropisch und ein absolutes Traumziel.

Gefällt Ihnen die Entwicklung auf den Malediven?
In der Hauptstadt Malé habe ich eine kaum zunehmende Islamisierung konstatiert. In den Resorts bleiben die Sitten liberal. Die Entwicklung ist rasant. Als ich 2012 bei Manta begann, zählten die Malediven knapp 100 Resorts. 2020 werden es 180 sein. Die Erweiterung der Kapazität ist ein Grund, dass die Hotelpreise nicht mehr weiter in die Höhe schnellen.

Wie können die Malediven den wachsenden Andrang bewältigen?
Die Infrastruktur wird ausgebaut. Der Flughafen erhält eine zweite Piste, und das Inlandflugnetz wird ebenfalls massiv erweitert. Im Bau sind eine Brücke von Malé zum Flughafen sowie eine riesige künstliche Insel vor der Hauptstadt mit Spital und Uni.

Sind die lange angekündigten Gästehäuser auf Einheimischen-Inseln nun Tatsache?
Ja, das ist eine innovative, spannende Unterkunftsform, die wir im neuen Katalog aufnehmen. Die Guesthouses entstanden auf Eilanden, die bis anhin nur Maledivern vorbehalten waren, etwas abseits der Dörfer. Jede Insel bietet einen sogenannten Bikini-Beach an, wo Westler in gewohnt freizügiger Manier baden dürfen. Die Touristen können das Inseldorf besuchen, Alkohol gibt es aber im Unterschied zu den Resortinseln nirgends.

Weshalb hob die Regierung die strikte Trennung von Touristen und Einheimischen auf?
Die Gästehäuser generieren Einkommen für die lokale Bevölkerung und offerieren Unterkunft zu einem günstigeren Preis. Gerade für Taucher ist das eine sehr attraktive Alternative.

Dann bildet sich auf den Malediven eine touristische Zweiklassengesellschaft?
Alles, was die Guesthouses anbieten, ist deutlich günstiger als in den Luxusresorts. Sie servieren auch nicht Lachs aus Schottland, sondern Thunfisch, der von einheimischen Fischern gefangen wurde.

Welche Trends sehen Sie bei den herkömmlichen Luxusresorts?
Die Nachfrage scheint mir wegzugehen von den absoluten Topresorts mit allem erdenklichen Chichi von Unterwasserweinkeller bis zu gigantischen Spas – hin zu entspannten Barfussinseln mit sehr gutem Standard. Die frühere Manta-Chefin Amy Stierli mit ihrem Mirihi-Resort war eine Trendsetterin. Neue Resorts wie Milaidu im Baa-Atoll verkörpern einen ähnlichen Stil und werden beim Schweizer Publikum gut ankommen.

Wie soll der Malediven-Tourist sein Ferienbudget planen?
Vor allem in den Luxusresorts sind die Nebenkosten hoch. Ein Glas Wein kostet schon mal 20 US-Dollar. Auch deshalb geht die Entwicklung zu All-inclusive-Anlagen. Das ergibt Sinn auf den Malediven, sie können auf einer Resortinsel nicht einfach zum Nachtessen ins Einheimischenbeizli aus­weichen.

Erschwert die Inselvielfalt die Beratung der Kundschaft?
Es darf nicht passieren, dass ein Gast auf einer für ihn ungeeigneten Insel landet. Im persönlichen Kontakt fragen die Mitarbeitenden das Anforderungsprofil der Kunden ab. Nach der Triage sollte dann die ideale Insel resultieren. Entscheidend: Wer schnorcheln will, muss eine Insel mit Hausriff buchen, um nicht auf ein Boot angewiesen zu sein.

Gibt es die Malediven in 20 Jahren noch angesichts des steigenden Meeresspiegels?
Bestimmt, aber der Klimawandel lässt sich auch auf den Malediven nicht leugnen. Die Regenzeiten verschieben sich, die Luftverschmutzung auf dem nahen indischen Subkontinent zeitigt Auswirkungen, und periodisch stellt sich die Korallenbleiche ein. Zum Glück ändert sich die Vielfalt tropischer Fische nicht.

(SonntagsZeitung)

Erstellt: 28.09.2017, 13:21 Uhr

Andreas Zgraggen, Chef von Manta Reisen.

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